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Wibu Systems : Eine der besten Verschlüsselungen kommt aus Karlsruhe

Oliver Winzenried, Gründer der Wibu Systems. Bild: Jonas Jansen

„Harte Kryptographie mag keine Regierung auf der Welt“, sagt Unternehmer Oliver Winzenried. Er vertreibt eine der besten Verschlüsselungen der Welt. Dafür wird sie eingesetzt.

          Kaum jemand in Deutschland wird den Namen Wibu Systems kennen. Und trotzdem begegnet dieses Sicherheitsunternehmen vielen ganz unauffällig im Alltag. Komponenten der Karlsruher stecken zum Beispiel in jedem Geldautomaten von Diebold Nixdorf. Wenn dort ein Techniker mit dem sogenannten Crypta-Stick den Geldautomat überprüft und testet, hilft Wibu mit. „Unsere Produkte gehen nie an den Endanwender. Dafür aber an Hersteller von Produkten, die uns wiederum in ihr Produkt integrieren“, sagt Oliver Winzenried, Mitgründer und Chef von Wibu. Angefangen hat alles vor beinahe 30 Jahren mit einem Kopierschutz für PC-Software, heute steckt Wibu auch in Diagnosesteckern für Autowerkstätten. Denn die Softwarelösung von Bosch, Esitronic genannt, ist über die Software von Wibu lizenziert.

          Die Produkte des Karlruher Unternehmens kommen überall dort zum Einsatz, wo in Geräten oder Maschinen Software steckt. „Das nimmt mit der Digitalisierung natürlich immens zu“, sagt Winzenried. „Unser Kundenkreis mit reiner PC-Software war nur ein Bruchteil von dem, was er heute ist.“ Auch das Geschäftsmodell hat sich seit der Gründung im Jahr 1989 gründlich geändert: Heute werden viele Produkte nicht mehr einmal bezahlt und für immer genutzt, sondern es werden verschiedene Funktionen gegen eine monatliche oder jährliche Gebühr verkauft. Um die Berechtigung für Funktionen ein- und auszuschalten, kommt Software und Hardware von Wibu ins Spiel.

          Die Verschlüsselung wird oft für Lizenzen eingesetzt

          „Wir sehen überall dort unseren Wachstumsmarkt, wo man Daten technisch nutzen kann und sie schützen will“, sagt der Unternehmenschef. Durch die Digitalisierung in allen Bereichen werde flexible Lizenzierung immer wichtiger. Das belgische Unternehmen Agfa etwa, früher vor allem bekannt für Fotografie, stellt seit Jahren auch Computerradiographiegeräte her. Große Krankenhäuser können sich diese Geräte leisten, doch in manchen Ländern wie Indien ist die Anschaffung für viele Krankenhäuser zu teuer. Deshalb installiert Agfa diese Geräte dort günstiger und rechnet dann pro Untersuchung ab. Um sicherzustellen, dass das funktioniert, steckt Wibu-Technik im Gerät.

          Genauso wie bei dem deutschen Unternehmen Stephan Medizintechnik. Das baut Beatmungsgeräte, die etwa in Notarztwagen oder auf Intensivstationen stehen. Das Unternehmen steht unter großem Wettbewerbsdruck und gleichzeitig vor der Herausforderung, dass es etwa für Frühchen andere Beamtungsgeräte braucht als für Erwachsene. Deshalb verwenden sie Wibus Lizenzierungstechnik, um die Nutzung freizuschalten. Ein Krankenhaus kauft also ein Beatmungsgerät und kann die Funktion wenn nötig erweitern. „Dort verwenden wir eine Hardware-Lösung, damit Patientendaten vertraulich kommuniziert werden“, sagt Winzenried. Das läuft über ein Gerät, das verschlüsselt ist, nicht rein über die Cloud.

          Neben der Medizintechnik und dem Automobilbereich profitiert Wibu vor allem von der Entwicklung durch die Industrie 4.0. Heute stellen Maschinen vermehrt individuelle Teile her, die Produktion wird flexibler. Dadurch steckt aber auch mehr Know-How in den Produktionsdaten, so auch in 3D-Druckern. Das bedeutet: Wenn jemand Daten frei ins Internet stellt, könnte es jeder nachdrucken. Also müssen die Produktionsdaten geschützt, nachgehalten und die Nutzung kontrolliert werden. Angenommen, ein Textilmaschinenbauer will seine produzierten Strickmuster schützen, diese Daten wandern aber in eine Fabrik nach Asien, weil die Textilien dort günstiger produziert werden können: Der Software schreibt Wibu dann ein, dass nur 10.000 Stück produziert werden dürfen – plus vielleicht ein Ausschuss von 500 Stück. Damit ist sichergestellt, dass die Fabrik nicht einfach auf eigene Faust mehr produziert von den Strickmustern des Herstellers. So werden Plagiate verhindert.

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