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Studie zu sozialen Medien : So süchtig machen Whatsapp, Instagram und Co.

Nur noch am Smartphone? Jugendliche im Park Bild: obs

Soziale Netzwerke sind aus dem Leben von Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Für manche werden sie aber immer mehr zu einer großen Gefahr.

          Jugendliche verbringen jeden Tag Stunden mit ihrem Smartphone, den größten Teil dieser Zeit kommunizieren sie mit anderen. Dabei spielen die sozialen Medien wie Whatsapp, Snapchat und Instagram eine große Rolle. Über diese Netzwerke werden Nachrichten verschickt und Fotos und Videos mit anderen geteilt. Kommunikation – das ist eigentlich etwas Gutes. Doch von den sozialen Medien kann man auch abhängig werden.

          Lisa     Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Wie groß die Suchtgefahr ist, wurde nun zum ersten Mal repräsentativ untersucht. Nach der Studie der Krankenkasse DAK und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE), die an diesem Donnerstag veröffentlicht worden ist, sind 2,6 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren von den sozialen Medien abhängig. Das sind rund 100.000 junge Menschen; Mädchen sind etwas stärker betroffen (3,4 Prozent) als Jungen (1,9 Prozent).

          Süchtige werden eher depressiv

          Mädchen sind täglich etwas über drei Stunden in den Netzwerken unterwegs, Jungen zweieinhalb. Die Nutzungsdauer steigt mit dem Alter der Jugendlichen. Am beliebtesten ist Whatsapp, dann folgen Instagram und Snapchat. „Viele Kinder und Jugendliche chatten, posten und liken von früh bis in die Nacht“, sagt der Vorstandschef der DAK, Andreas Storm. Und es gibt einen Zusammenhang zwischen Nutzungszeit und Suchtrisiko. „Je länger und häufiger die Kinder und Jugendlichen online sind, desto höher ist das Suchtrisiko“, sagt Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des  Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE.

          Wer süchtig ist, wird eher depressiv; das findet Thomasius besonders alarmierend. Wer von sozialen Medien abhängig ist, hat ein um den Faktor 4,6 Prozent höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken als Nicht-Süchtige. Jeder dritte von den sozialen Medien abhängige Jugendliche berichtete in der Befragung über Symptome einer Depression. Möglich ist allerdings auch der umgekehrte Zusammenhang: Depressive Kinder ziehen sich stärker in die digitale Welt zurück und werden eher süchtig.

          „Schulen müssen Umgang mit Digitalisierung lehren“

          Doch auch wenn man nicht süchtig wird, was ja für die allermeisten gilt, können die sozialen Medien negative Auswirkungen haben. So bekommt knapp ein Viertel der Jugendlichen wegen ihrer Nutzung manchmal oder sogar oft zu wenig Schlaf. Jeder Dritte nutzt soziale Medien, um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen, unter den Mädchen sind es vierzig Prozent. 13 Prozent sagen, sie seien unglücklich, wenn sie sie nicht nutzen können.

          Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler warnte angesichts der Untersuchung: Zwar seien die soziale Medien aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, ein Zuviel schade jedoch der Gesundheit und dem Familienleben. Kinder und Jugendliche müssten lernen, mit den digitalen Medien umzugehen. Das sei mehr, als nur die Technik zu beherrschen. Sie müssten Chancen und Risiken erkennen. „Beides muss zum Stoff gehören, wenn wir die Digitalisierung der Schulen so vorantreiben, wie es im Koalitionsvertrag beschrieben ist“, forderte Mortler.

          Suchtexperte Thomasius verlangt mehr Aufklärung und einen besseren Jugendschutz. „Eltern, Lehrer und Erzieher brauchen Unterstützung, damit sie Kinder auf ihrem Weg zu medienkompetenten Anwendern begleiten“, sagt Thomasius. Er beobachte, dass Eltern oft keine klaren Regeln aufstellten. „Die sind aber dringend nötig, damit ihre Kinder nicht unbemerkt in die Abhängigkeit rutschen.“

          Thomasius ist jedoch weit davon entfernt, die sozialen Medien grundsätzlich zu verdammen. „Aus entwicklungspsychologischer Sicht sind soziale Netzwerke für die Identitätsentwicklung der meisten jungen Menschen dienlich.“ Sie beförderten die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben. „Viele Jugendliche profitieren in ihrer Identitätsentwicklung davon, in kürzester Zeit verschiedene Selbstdarstellungen auszuprobieren und darauf entsprechende Rückmeldung von der Internetgemeinschaft zu erhalten.“

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