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Soziale Netzwerke : Was bedeutet Facebooks Schritt für die Medien?

  • Aktualisiert am

Mal sehen, was aus dem geänderten Facebook-Newsfeed wird. Bild: dpa

Mark Zuckerberg hat Facebook eine Kurskorrektur verordnet: Nutzer sollen künftig mehr Beiträge von Freunden im Newsfeed finden. Nicht nur Jeff Jarvis sorgt sich angesichts der Entscheidung. Und auch die Börse reagiert.

          Mehr Katzenvideos als harte Fakten? Facebook-Nutzer werden künftig vermehrt Beiträge von Freunden und Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen. Damit solle das weltgrößte Online-Netzwerk wieder stärker auf das ursprüngliche Ziel ausgerichtet werden, persönliche Verbindungen zu ermöglichen, schrieb Gründer und Chef Mark Zuckerberg in einem Facebook-Beitrag. Die Änderung gehe auf Wünsche von Nutzer zurück. Verhaltene Kritik gab es zunächst von Medien-Schaffenden – außerdem brach der Aktienkurs des sozialen Netzwerks um mehr als vier Prozent ein.

          Die Beiträge von Unternehmen und Medien sollen danach priorisiert werden, „ob sie zu bedeutungsvollen Interaktionen ermutigen“. Mit anderen Worten sollen Inhalte, zu denen sich ein Nutzer und seine Freunde äußern, höher im Newsfeed platziert werden. Facebook will dabei mit Hilfe seiner Algorithmen versuchen, Voraussagen darüber zu treffen, über welche Beiträge sich die Nutzer austauschen wollen.

          Was bedeutet das für die Medien?

          Beiträge von Facebook-Seiten werden damit zwar grundsätzlich weiterhin den Weg in den Newsfeed finden - aber nur dann bevorzugt, wenn sich der Freundeskreis darüber austauscht. Für viele Unternehmen und Medien könnten die Änderungen einen Einschnitt bedeuten. Facebook hatte in den vergangenen Jahren im Gegenteil versucht, verstärkt zur Plattform für Medieninhalte zu werden. „Ich halte die Facebook-Maßnahme für problematisch“, sagte der Sprecher des Deutsche Journalisten-Verbands (DJV) Hendrik Zörner und er fügte hinzu: „Facebook ist als Kommunikationsmedium von hohem Stellenwert und hoher Bedeutung. Aber das eigene Kommunikationsspektrum auf den Gute-Laune-Bär zu reduzieren, geht an der Bedeutung von Facebook und der Kommunikation von Menschen schlechthin vorbei.“

          Auch der amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis sieht die Pläne problematisch. Die Plattform habe sich zu einem wichtigen Lieferanten von Nachrichten und Informationen für die Nutzer entwickelt, schreibt Jarvis in einem Blog-Beitrag. Facebook könne seine Verantwortung angesichts der Bedeutung nicht einfach aufkündigen, die die Plattform in der Gesellschaft inzwischen eingenommen habe. Es sei zu befürchten, dass die ursprünglichen Sorgen von Medien-Unternehmen wahr würden, dass ihnen der Teppich unter den Füßen weggezogen werde.

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          „Bedeutsamere Beziehungen“

          „Es stimmt, dass die Verbreitung dieser Inhalte zurückgehen wird, und dies bedeutende Auswirkungen für das Ökosystem haben wird“, sagte Facebook-Manager John Hegeman. Die Zahl der Anzeigenplätze im Newsfeed werde zugleich nicht erhöht. Damit wäre es denkbar, dass der Schritt den Wettbewerb um vorhandene Werbeslots anheizt. Zugleich können Nutzer selbst in den Einstellungen dafür sorgen, dass die Beiträge von Seiten, denen sie folgen, ganz oben im Newsfeed auftauchen - und damit die Änderung aushebeln.

          „Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, Sie beim Finden relevanter Inhalte zu unterstützen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben“, erklärte Zuckerberg. Das solle das Wohlbefinden der Nutzer stärken. „Andererseits kann das passive Lesen von Beiträgen oder das Anschauen von Videos - selbst wenn sie unterhaltsam oder informativ sind - nicht so gut sein.“

          Er rechne damit, dass mit den Änderungen Menschen weniger Zeit bei Facebook verbringen würden, räumte Zuckerberg ein. „Aber ich erwarte auch, dass die bei Facebook verbrachte Zeit wertvoller sein wird.“ Damit werde die Entscheidung auf lange Sicht auch für das Geschäft gut sein. „Wir müssen das System neu fokussieren“, sagte der Facebook-Chef der „New York Times“.

          Sein Manager Hegeman erklärte, hinter dem Schritt stecke kein Versuch, politische Kontroversen um Facebook-Inhalte zu entschärfen. „Nein, dahinter steckt keine politische Motivation.“ Das Online-Netzwerk war vor allem nach dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 für die Ausbreitung gefälschter Nachrichten auch über dubiose Facebook-Seiten kritisiert worden.

          Die Diskussionen über Facebooks Verantwortung habe das Unternehmen veranlasst, „einige der negativen Dinge, die im System passieren können, besser in Griff zu bekommen“, sagte Zuckerberg der „New York Times“. Er ergänzte, dass die Geburt seiner beiden Töchter seinen Blick auf Facebook und sein Vermächtnis verändert habe. „Es ist wichtig für mich, dass wenn Max und August aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, gut für die Welt war.“

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