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Löschung von Beiträgen : Warum Facebook manchmal durchaus Nippel zeigt

Erlaubt oder nicht? Bild: ddp

Der Konzern hat einen Einblick in interne Entscheidungskriterien gegeben, wann es Beiträge löscht und wann nicht. Es geht insbesondere um nackte Haut.

          Facebook hat am Dienstag neue Details dazu veröffentlicht, wie es mit den von Nutzern eingestellten Inhalten auf seiner Plattform umgeht. Es handele sich um vormals interne Richtlinien zu den „Gemeinschaftsstandards“, teilte der Konzern mit. Dabei geht es um Faustregeln, nach denen Inhalte unterdrückt werden. „Außerdem geben wir Menschen auf Facebook nun die Möglichkeit, bei einzelnen Beiträgen Einspruch gegen unsere Entscheidung zu erheben“, schreibt Politikchefin Monika Bickert auf der Webseite des Unternehmens. Erhebt der Betroffene diesen Einspruch, soll der Beitrag noch einmal durch das Team geprüft werden.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          Die Richtlinien geben nun eher beispielhaften Einblick in die Abwägungen. Berühmt ist etwa das Beispiel der weiblichen Brustwarze: Facebook erlaubt deren Darstellung grundsätzlich nicht und löscht recht rigoros entsprechende Beiträge. Das Beispiel wird oft herangezogen, um zu untermalen, wie leicht die Plattform gegen unliebsame Inhalte vorgehen kann, wenn es in den eigenen Wertekanon passt. Für Schlagzeilen sorgen jedoch immer wieder Fälle von „Overblocking“, also des übertriebenen Löschens. So entfernte Facebook vorübergehend das historische Bild eines vietnamesischen Mädchens vor dem Hintergrund eines Napalm-Angriffs.

          „Unsere Richtlinien zur Nacktheit sind mit der Zeit nuancierter geworden“, heißt es nun. Dem Unternehmen sei „bewusst, dass Nacktheit aus vielen Gründen geteilt werden kann“. Das könnten etwa Darstellungen zu Protestzwecken, für die Bildung oder aus medizinischen Gründen sein – Stillfotos oder Fotos von Narben nach Brustamputationen, Gemälde und Skulpturen könnten daher erlaubt sein.

          Am 8. Juni 1972 flüchteten die Bewohner des vietnamesischen Dorfs Trang Bang nach einem Napalm-Angriff. Das Mädchen Kim Phuc in der Bildmitte hatte sich die brennenden Kleider vom Leib gerissen. Die Aufnahme von Nick Ut wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und zum Pressefoto des Jahres 1972 gewählt.

          Mit der Veröffentlichung dürfte der Konzern auf den gestiegenen politischen Druck reagieren: Der Koalitionsvertrag mahnt bereits Transparenz bei Algorithmen an, sofern es sich um Bewertungsportale handelt. Doch schon länger steht die Forderung nach mehr Durchblick auch bei den Algorithmen der Nachrichtenströme auf sozialen Netzwerken an. Wie ihr Vorgänger Heiko Maas (SPD) fordert auch Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) höhere Transparenz bei Programmcodes.

          Am Mittwoch bespricht Barley eine neue Version der so genannten „Digital Charta“, einer Art Thesensammlung im Gewand einer Verfassung, ausgearbeitet von Prominenten und organisiert von der Zeit-Stiftung. Das Papier fordert unter anderem, dass Kriterien automatisierter Entscheidungen offengelegt werden müssen. Der Koalitionsvertrag bestimmt, dass die Bundesregierung „das Projekt einer europäischen digitalen Grundrechtecharta“ begleiten soll. Diese Erwähnung dürfte auf einen der prominentesten Befürworter der Digitalcharta zurückzuführen sein, den im Rennen um die Kanzlerschaft gescheiterten Abgeordneten Martin Schulz (SPD).

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