http://www.faz.net/-gqe-966ne

Erziehung : Wann darf mein Kind ans Tablet?

  • -Aktualisiert am

Immer früher haben Kinder Zugang zu Smartphones. Bild: Picture-Alliance

Immer früher halten Smartphones und Tablets Einzug ins Kinderzimmer. Das muss Kindern aber nicht unbedingt schaden. FAZ.NET hat neun Tipps für Eltern.

          In einer Welt, die immer mehr von digitalen Medien durchdrungen ist, kann man seine Kinder nicht lange davon fernhalten. Immer öfter haben auch Kleinkinder Zugang zu Apps auf Smartphones oder Tablets der Eltern. Durch die intuitive Bedienungsoberfläche können sie, noch bevor sie lesen oder schreiben können, für sie interessante Webseiten finden, wie auch das Markt- und Sozialforschungsunternehmen Sinus erklärt. Besser ist es, man bringt ihnen direkt einen gesunden Umgang damit bei. Denn digitale Geräte bringen auch tolle Möglichkeiten mit sich. Hier sind neun Tipps für Eltern, wie ihre Kinder einen guten Umgang mit den digitalen Medien lernen.

          1. Nicht in Panik verfallen

          Die großen Veränderungen durch die Digitalisierung sind zunächst verunsichernd. Spezialisten wie der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer äußern sich kritisch zur Mediennutzung im frühen Alter, und Studien sagen negative Folgen für die Kindesentwicklung voraus. Im vergangenen Jahr erregte die Blikk-Studie unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Aufmerksamkeit. Laut der Studie spielen 75 Prozent der Zwei- bis Vierjährigen täglich bis zu einer halben Stunde unbeaufsichtigt am Smartphone. Dies habe unter anderem eine gestörte Sprachentwicklung, weniger Bewegung, erhöhten Süßigkeitenkonsum und Übergewicht zur Folge.

          Studien, die den Schaden durch digitale Medien so in den Vordergrund stellen, sollte man aber mit Vorsicht genießen. Die Ergebnisse sind sehr allgemein und nicht besonders hilfreich, warnen Medienpädagogen. Die Blikk-Studie untersucht nicht, wie genau die Mediennutzung zu den negativen Effekten führt, oder ob andere auch andere Faktoren Einfluss darauf haben. Solche Studien sind also auch kritisch zu sehen, und man sollte nicht in Panik verfallen. 

          2. Kinder bei der Benutzung begleiten

          Eltern sollten ihre Kinder bei der Nutzung digitaler Medien begleiten und die neuen Technologien mit ihnen zusammen entdecken. Medienpädagogik-Fachmann, Lehrer und Unidozent Philippe Wampfler empfiehlt, Kinder bis zu zwölf Jahren nicht unbegleitet im Netz surfen zu lassen. So behalten Eltern einen Überblick darüber, welche Internetseiten die Kinder besuchen und welche Apps sie benutzen. Man kann sicherstellen, dass sie altersgerechte Inhalte konsumieren. Außerdem können Kinder den Eltern Spiele oder Lern-Apps zeigen und beibringen – das fördert das Selbstbewusstsein, und man lernt als Erwachsener vielleicht auch etwas dazu.

          3. Smartphones und Tablets nicht als digitale Babysitter einsetzen

          Eltern sollten die digitalen Geräte nicht als Babysitter einsetzen. Oft wird Kindern ein Tablet oder Smartphone in die Hand gedrückt, um sie zu beruhigen oder abzulenken, zum Beispiel beim Essen. Tut man dies allerdings jedes Mal, wenn das Kind unruhig wird, wird es auf die Nutzung der Geräte konditioniert und kann irgendwann nicht mehr ohne sie stillsitzen. Besser ist es, man bringt Kindern bei, auch ohne Spiele-Apps und Zeichentrickvideos auf Youtube ruhig zu bleiben. Es ist ohnehin gesünder, digitale Geräte sinnvoll und produktiv einzusetzen als passiv zur Ablenkung.

          4. Geräte zum Lernen einsetzen

          Digitale Medien bieten viele Möglichkeiten, kreativ tätig zu werden, zu forschen oder neue Dinge zu entdecken. Mit Lern-Apps können Kinder spielerisch etwas über Tiere, den Weltraum oder die Umwelt lernen. Neue Technologien bieten tolle Möglichkeiten, zum Beispiel ein W-Lan-Mikroskop, das mit einer Webcam Bilder aufnimmt und über eine App mit dem Smartphone verbunden werden kann. Es gibt auch viele kreative Apps, mit denen man zum Beispiel gemeinsam lustige Videos erstellen, Klänge komponieren oder malen kann. Es ist sinnvoll, Kindern zu erlauben, diese Technologien zum Lernen zu nutzen.

          5. Mediennutzung nicht komplett verbieten

          Durch die kontrollierte Nutzung der Geräte wird die Technologie entzaubert und ist weniger begehrt. Das ist besser, als die Mediennutzung komplett  zu verbieten – dadurch wird sie nur umso interessanter. Digitale Medien schaden der Entwicklung nur, wenn mediales Lernen alles andere Lernen ersetzt. Wenn man die Geräte aber produktiv einsetzt, kann man das Potential der neuen Technologien ausschöpfen. Das kann auch für Kinder positive Effekte haben, wie zum Beispiel beim Lernen. Digitale Medien können so als sinnvolle Ergänzung zu anderen Spielen und Lernaktivitäten benutzt werden.

          6. Mediennutzung zeitlich begrenzen

          Trotzdem sollte man die Mediennutzung, soweit es möglich ist, beaufsichtigen und zeitlich begrenzen, zum Beispiel indem man eine feste Benutzungszeit mit dem Kind ausmacht.

          7. Kindern nicht zu früh ein eigenes Gerät kaufen

          Sobald Kinder ein eigenes Gerät besitzen, wird es schwierig, ihre die Benutzung zu kontrollieren. Es empfiehlt sich daher, ihnen nicht zu früh ein eigenes Gerät zu kaufen. Wann genau das richtige Alter erreicht ist, können Eltern am besten selbst einschätzen. Wampfler rät, Kindern nicht vor acht Jahren ein eigenes Gerät zu kaufen. Diplom-Pädagogin Kristin Langer empfiehlt hingegen, Kindern nicht vor elf Jahren ein Smartphone zu kaufen.

          8. Schulen und Kitas ansprechen

          Eltern sind bei der Medienerziehung nicht allein. Kinder verbringen einen Großteil ihres Tages in Kitas und Schulen, die auch dafür verantwortlich sind, dass Kinder einen gesunden Umgang mit digitalen Medien erlernen. Sie können daher eine Anlaufstelle für Eltern sein, und Lehrer und Erzieher können Eltern zum Medienumgang zu Hause beraten.

          9. Selbst nicht zu viel Zeit am Handy verbringen

          Laut wissenschaftlicher Studien sind Augen- und Körperkontakt mit den Eltern besonders im frühen Alter für die kindliche Entwicklung wichtig. So wird eine innige Beziehung zwischen Eltern und Kind aufgebaut. Wenn Eltern viel Zeit am Handy oder mit ihrem Tablet verbringen, anstatt mit ihren Kindern zu spielen, kann dies im Extremfall auch negative Auswirkungen haben und die Beziehung zum Kind beeinträchtigen. Eltern sind zudem die wichtigsten Vorbilder, wenn es um die Verwendung digitaler Geräte geht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : Schlichtweg inakzeptabel

          Die Zurückweisung auf dem EU-Treffen in Salzburg hat die Briten schockiert. Premierministerin Theresa May reagiert trotzig. Die Gegner ihres Plans im Land sehen sich aber bestätigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.