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Tim Berners-Lee : Internet-Erfinder an Zuckerberg: Du kannst das schaffen

Tim Berners-Lee hat das World Wide Web erfunden. Bild: EPA

Facebook steht in der Kritik, mancher sieht gleich das komplette Internet am Abgrund. Nun macht wenigstens sein Wegbereiter dem Gründer des Netzwerks Hoffnung.

          Das größte Soziale Netzwerk der Welt erlebt seine bislang größten Krise. Gründer Mark Zuckerberg hat mittlerweile persönlich Fehler eingestanden und um Entschuldigung gebeten in dem Daten-Skandal um das britische IT-Unternehmen Cambridge Analytica. „Wir haben eine Verantwortung, Eure Daten zu schützen, und wenn wir das nicht können, dann verdienen wir nicht, in Eurem Dienst zu stehen“, schrieb Zuckerberg in einem Eintrag auf seinem Facebook-Profil.

          Alexander Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und obwohl Facebook gerade besonders unter Druck steht, ist der Konzern nicht der einzige aus der Branche, der im Fokus ist. Wettbewerbshüter und Datenschützer untersuchen Marktbedeutung und Verhalten auch des Internetunternehmens Alphabet (Google), es gibt Kritik am Onlinehändler Amazon und auch am iPhone-Hersteller Apple.

          „Ein ernster Moment für die Zukunft des Netzes“

          Zugleich diskutieren Fachleute darüber, wie sich das Internet insgesamt ausgewirkt hat – die anfangs gehegte Hoffnung, dadurch werde sich Demokratie und Freiheit rund um den Globus verbreiten und festigen, sei enttäuscht worden, findet etwa der Politologe Francis Fukuyama. Autoritäre Regierungen seien besser darin gewesen, das Internet für ihre Ziele zu instrumentalisieren; er verweist dabei auf Russland und China.

          Kritisch, aber durchaus zuversichtlich hat sich nun der Erfinder des World Wide Webs in den Skandal rund um Facebook eingemischt. „Das ist ein ernster Moment für die Zukunft des Netzes“, teilte Tim Berners-Lee über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, und fügte hinzu: „Aber ich möchte, dass wir hoffnungsvoll bleiben.“ Die Probleme, „die wir heute sehen, sind Bugs im System. Bugs können Schaden verursache, aber Bugs sind von Menschen kreiert und können von Menschen repariert werden.“

          Er, Berners-Lee, könne sich vorstellen, dass Zuckerberg „niedergeschmettert“ sei, dass „seine Schöpfung missbraucht“ worden ist. „An manchen Tagen habe ich dasselbe Gefühl.“  Wenn er Zuckerberg einen Rat geben sollte, würde er allerdings zu ihm sagen: „Du kannst das in Ordnung bringen. Es wird nicht leicht, aber wenn Unternehmen zusammen mit Regierungen, Aktivisten und Internetnutzern arbeiten, können wir sicherstellen, dass Plattformen der Menschheit dienen.“

          Berners-Lee lehrt derzeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston und an der Universität Oxford in Britannien. Er erfand die Programmiersprache HTML und bereitete wesentlich dem World Wide Web (WWW) den Weg, wie wir es heute kennen und nutzen.

          Zuletzt hatte sich der Informatiker, der im vergangenen Jahr den inoffiziellen „Nobelpreis“ des Faches für seine Erfindung bekam, kritisch mit dem Internet auseinander gesetzt und wie es verwendet wird. Zum 29. Geburtstag des WWW schrieb Berners-Lee: „Zum ersten Mal in der Geschichte werden wir die Marke überschreiten, ab der mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung online sein wird.“ (hier geht es zu seinem Original-Artikel, auf Englisch)

          Er diagnostizierte dabei aber auch, dass die Bedrohungen für das Internet real seien, von „Falschinformation und fragwürdiger politischer Werbung bis hin zu einem Verlust der Kontrolle über unsere persönlichen Daten“. Zudem monierte er, dass große Tech-Unternehmen mittlerweile über viel Macht verfügten und regte in diesem Zusammenhang an, sie in irgendeiner Form zu regulieren. Er arbeite jedoch weiter daran, sicherzustellen, dass das Internet ein „freier, offener, kreativer Raum“ bleibe – für jeden.

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