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F.A.Z. Exklusiv : Dieser Investor steckt 100 Millionen in deutsche Mobilitäts-Start-ups

Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Bild: Target Global

Der Risikokapitalgeber Target Global geht einen ungewöhnlichen Weg: Er will gezielt Start-ups unterstützen, die an neuen Mobilitätskonzepten arbeiten. Der Hype darum ist riesig.

          Vor gut einem Jahr haben Alex Frolov und Lukasz Gadowski zusammengesessen und über Geld geredet. Das machen sie öfter, schließlich sind sie Partner bei Target Global, einem der größten Risikokapitalgeber (Venture Capital) in Europa. Gadowski war Mitgründer der Essenslieferplattform Delivery Hero, er ist einer, der die deutsche Start-up-Szene mitgeprägt hat. Inzwischen investiert er mit anderen sogenannten General Partnern wie Frolov in einer institutionelleren Form in aufstrebende Neugründungen. Neben Delivery Hero ist Target Global auch in die Gebrauchtwagenplattform Auto 1 investiert oder in Go Euro, einer Reiseplattform. Mit 600 Millionen Euro an verwalteten Investorengeldern gehören Frolov und seine Kollegen zu den größten Wagniskapitalgebern in der Hauptstadt.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Als sie da so saßen, hatte Frolov eine verrückte Idee. Er sagte: „Lasst uns etwas machen, das ein typischer VC nicht tun würde: Einen Fonds auflegen, der einen genau definierten Zweck verfolgt und außerdem keinen festgelegten Zeitpunkt hat, an dem wir aussteigen“. Das ist ungewöhnlich, denn eigentlich legen sich Venture-Capital-Unternehmen ungern auf eine Branche fest und suchen sich meist streng definierte Termine, an denen sie wieder aussteigen.

          Fokus auf Deutschland und Israel

          Frolov wollte beides nicht tun. Stattdessen verkündet der Finanzier aus Berlin nach einjährigen Vorarbeiten, dass er 100 Millionen Dollar eingesammelt hat, um damit jene Start-ups in Deutschland und Israel zu unterstützen, die innovative Mobilitätskonzepte entwickeln. Also Auto-Plattformen oder Logistikdienste, Lieferangebote und Mitfahr-Start-ups. Zur Technologiekonferenz Noah an diesem Mittwoch will Target Global die Nachricht bekanntgeben.

          Alex Frolov

          Der Venture-Capital-Fonds konzentriert sich damit auf einen Trend, der gerade in der Start-up-Welt heiß diskutiert wird. Auto 1 hat zuletzt mit 460 Millionen Euro so viel Geld von Investoren bekommen, wie kein anderes Start-up aus Deutschland zuvor. Gründungen wie Volocopter oder Lilium Aviation tüfteln an Flugtaxis und Start-ups wie Freighthub wollen die Logistikkette vereinfachen. „Wir bewegen uns weg vom Besitzen zur der shared mobility, also einer Mobilität des Teilens“, sagt Frolov im Gespräch mit der F.A.Z. Autos würden nur in 4 Prozent ihrer Lebensspanne bewegt. Das sei ineffektiv. „Für uns interessant ist in der Zukunft aber nicht nur die Frage, ob Menschen Autos alleine besitzen, oder sie teilen, sondern wie es ganze Industrien verändert. Etwa die Logistik oder Warenzustellung“. Allein im Fracht- und Logistiksektor entstehe ein Markt von 8,5 Billionen Dollar.

          Ein Vorbild dafür, welche Unternehmen sie gerne unterstützen möchten mit ihren Millionen, ist Mobileye. Das israelische Start-up war jahrelang praktisch ohne Risikokapital gewachsen, weil kaum ein Investor der Langfriststrategie der Gründer vertraut hat. Goldman Sachs investierte 2007 in das Start-up und gehörte zu den größten Anteilseignern. Im vergangenen Jahr hat der Halbleiterhersteller Intel dann 15,3 Milliarden Dollar für den Autozulieferer bezahlt. Nun kooperiert auch BMW mit dem Unternehmen.

          Ein ehemaliger Goldman-Banker mischt nun mit

          Ben Kaminski hat sich in Tel Aviv für Goldman Sachs seit 2013 intensiv um Mobileye gekümmert. In den vergangenen Jahren hat er dabei eine Vision entwickelt, wie sich Mobilität in Zukunft entwickeln kann. Von Juli an geht Kaminski nun bei Target Global mit an Bord, um sich als Partner um die Mobilitätsthemen zu kümmern. „Wir werden eine Transformation in den nächsten Jahrzehnten sehen wie wir uns bewegen und wie unsere Infrastruktur aussieht“, sagt Alex Frolov. „In einem normalen Motor gibt es 2000 bewegliche Teile. Ein elektrischer Motor hat nur noch 20. Das sind viel geringe Eintrittshürden. Dafür braucht es kein Know-How von 100 Jahren mehr“.

          Auch klassische Autohersteller arbeiten an Mobilitätsplattformen und züchten Start-ups in eigenen Laboratorien. Dabei nehmen Kooperationen wie bei den Carsharing-Plattformen Drive Now und Car2Go oder beim Kartendienst Here zu. Trotzdem will sich Frolov mit seinem Konzept von den Auto-Herstellern abheben: „Der Vorteil unseres Fonds ist, dass wir die Start-ups unabhängig von einzelnen Herstellern beraten können, was die Zusammenarbeit mit Konkurrenten erleichtert“.

          Und für die Zukunft hat Frolov große Pläne: Der Mobilitätsmarkt sei groß genug für einen Fonds zwischen 300 Millionen und 500 Millionen Dollar. „Da wollen wir in drei Jahren sein“, setzt er sich eine realistische Zielmarke.

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