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FAZ.NET exklusiv : So arbeitet es sich wirklich bei Amazon

Eine Mitarbeiterin des Amazon-Logistikzentrums in Rheinberg Bild: EPA

Amazon wird häufig als furchtbarer Arbeitgeber gescholten. Eine Studie hat nun ausgewertet, wie die Mitarbeiter selbst ihr Unternehmen bewerten – mit teils überraschenden Ergebnissen.

          Termindruck, Arbeitsüberlastung, Mobbing von nicht effizienten Mitarbeitern: Assoziationen wie diese haben viele im Kopf, wenn es um die Arbeitsbedingungen bei Amazon geht. „Das Arbeitsklima bei Amazon wird als sehr negativ empfunden“, berichtete im Mai erst Mechthild Middeke, Verdi-Sprecherin in Hessen und damit zuständige Gewerkschafterin für den größten deutschen Amazon-Standort in Bad Hersfeld. Über technische Mittel wie den Handscanner würde die Produktivität der Beschäftigten überwacht – und registriert, wenn ein Mitarbeiter nicht arbeite.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch in Amazons Heimatland Amerika sind die Berichte kaum besser. „Ich habe fast jede Person, mit der ich gearbeitet habe, an ihrem Schreibtisch weinen sehen“, berichtete vor drei Jahren ein ehemaliger Angestellter in der „New York Times“. Schaut man sich allerdings die Bewertungen an, die Mitarbeiter am Stammsitz in Seattle heute über ihren Arbeitgeber abgeben, dann zeichnen diese ein überraschend anderes Bild. Einer groß angelegten Auswertung des Arbeitgeber-Bewertungsportals Kununu zufolge, die FAZ.NET in Deutschland exklusiv vorliegt, sind Amazons Angestellte zufriedener als erwartet. Zumindest seit einiger Zeit.

          „Ich bin hier glücklich“

          Demnach würden 58 Prozent der Amazon-Mitarbeiter, die auf dem Portal in den vergangenen zwei Jahren eine Bewertung über ihren Arbeitgeber abgegeben haben, ihren Freunden empfehlen, auch bei Amazon zu arbeiten. In den zurückliegenden sechs Monaten stieg die Quote sogar auf 72 Prozent. „Ich bin hier glücklich und möchte andere dazu bewegen, mitzumachen“, vermerkte ein Mitarbeiter.

          Das bedeutet allerdings nicht, dass die Angestellten ihre Arbeit als einfach empfinden. Und zwar vor allem nicht, weil das Unternehmen absolut kompromisslos an seinen Kunden orientiert sei. „Unsere Kultur ist durch Kundenorientierung geprägt – deshalb sollte man bereit sein, sämtliche Fristen unter allen Umständen einzuhalten“, schreibt ein Mitarbeiter. Auf diese Kundenorientierung wird auffallend oft verwiesen – sie scheint das dominierende Thema in Amazons interner Kommunikation zu sein.

          Besonders hoch scheinen bei Amazon die Anforderungen an Führungskräfte zu sein. Ein Mitarbeiter berichtete, er habe von seinem Chef gefordert, dass „Veränderungen im Arbeitsumfeld passieren müssen und diese in der darauffolgenden Woche sofort umgesetzt worden sind“. Die Unterstützung durch die Führungskräfte liege „weit über den Verhältnissen in anderen Unternehmen“, vermerkte ein anderer. Es wird aber deutlich, dass die Unterstützung klar auf eine Erhöhung der Leistung zielt: „Die Führungskräfte sind vor allem darauf bedacht, dir zur bestmöglichen Performance zu verhelfen. Falls man nicht alle Ansprüche sofort erfüllen kann, wird so lange gemeinsam daran gearbeitet, bis man dort ist, wo man sein sollte“, schreibt ein Mitarbeiter.

          Im zweiten Quartal dieses Jahres lag die durchschnittliche Bewertung von Amazon durch seine Angestellten auf Kununu bei 3,87 von 5 möglichen Punkten. Im Vorjahresquartal lag er nur bei 3,04 – das ist eine Verbesserung um fast 30 Prozent. Das Bewertungsportal schließt daraus, dass das Management die Arbeitsbedingungen (zumindest in Seattle) tatsächlich verbessert hat. „Die Kommentare zeigen, dass der Konzern Verantwortung übernommen hat und eine Reihe an internen Problemen gelöst hat“, sagt Johannes Prüller, globaler Kommunikationsdirektor bei Kununu in Wien.

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          Es sei auch ausgeschlossen, dass die Verbesserung der Wertung darauf zurückgehe, dass das Amazon-Management in der jüngeren Vergangenheit verstärkt positiv gesinnte Mitarbeiter losgeschickt habe, um abzustimmen. „Bevor eine Bewertung bei uns online geht, durchläuft sie einen mehrstufigen Kontrollprozess“, sagt Prüller. „Eine gezielte Manipulation mit überdurchschnittlich vielen, austauschbaren positiven Bewertungen in kurzer Zeit würden wir bemerken und im Zweifel Nachweise der User anfordern.“ Insgesamt wurden für die Untersuchung 1045 Mitarbeiter-Rezensionen von Angestellten am Stammsitz in Seattle ausgewertet.

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