http://www.faz.net/-gqe-9b6o9

„Silver Gamers“ : Die Counter-Strike-Senioren

Eine Seniorin spielt in einem Altenheim in Thüringen Bowling auf einer Spielkonsonsole „Nintendo Wii“ (Symbolbild ohne Verbindung zum Text). Bild: dpa

Zunehmend ältere Menschen interessieren sich für Computerspiele. In Altenheimen werden Games schon gegen Demenz eingesetzt. Doch es gibt auch genügend Senioren, die nur zum Spaß zocken.

          Der beste Beweis dafür, dass Computerspiele nicht nur etwas für junge Menschen sind, heißt „Silver Snipers“. So heißt eine Mannschaft aus Schweden, die in der aktuellen Besetzung fünf Mitglieder zwischen 57 und 75 Jahren hat. Öivind Toverud etwa hat das Motto: „Lebe. Liebe. Lache. Und töte Terroristen“.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Toverud spielt Counter Strike, ein Online-Spiel, in dem Terroristen gegen Anti-Terror-Streitkräfte antreten – es ist eines der bekanntesten Multiplayer-Spiele der Welt. Früher gab es viele Diskussionen darum, „Killerspiele“ wurden sie genannt und in Verbindung mit realen Amokläufen gebracht. Professionelle Computerspieler und auch unregelmäßige Zocker haben sich immer verteidigt.

          Heute ist auch die Politik auf ihrer Seite: die Digitalministerin Dorothee Bär (CSU) hat unlängst in Berlin auf einer Veranstaltung des Lobbyverbands Game verkündet, dass die Politik die Interessen der digitalen Spieleindustrie ernst nehme, sie stellte eine Förderung in Aussicht. Bundeskanzlerin Merkel hat im vergangenen Jahr erstmals die Gamescom besucht, die größte Computerspielmesse der Welt, die auch vom Game-Verband in Köln veranstaltet wird.

          Damit hat die Politik eine wachsende Zielgruppe im Blick. Die Zocker werden nicht nur immer mehr, sondern auch tendenziell immer älter. Das zeigt eine Umfrage der GfK im Auftrag des Game-Verbands. Danach ist das Durchschnittsalter der Videospieler in Deutschland zuletzt von 35,5 Jahren auf 36,1 Jahre gestiegen.

          Der Grund dafür liegt vor allem an einer Altersgruppe: Die „Silver Gamers“ – die Gruppe der Gamer im Alter von über 50 Jahren – legen besonders zu. Innerhalb eines Jahres stieg die Anzahl der Spieler in dieser Altersklasse um 800 000 auf insgesamt 9,5 Millionen. „Auch wenn niemand in dieser Altersklasse mit Computer- und Videospielen aufgewachsen ist, sind es Games, die ältere Spieler für Smartphones, Laptops und Co. begeistern“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer des Game-Verbands.

          Gut die Hälfte der Spielerschaft hierzulande sind Frauen. Insgesamt zocken 34,3 Millionen Deutsche regelmäßig. Das sind dann allerdings weniger Multiplayer-Online-Spiele wie es die Rentner von den „Silver Snipers“ machen, sondern die typischen Zocker am Smartphone. Vor allem durch mobile Spiele und dann vermehrt mit sogenannte Mikrotransaktionen, mit denen Nutzer in kostenlosen Apps Zusatzinhalte gegen Geld freischalten können, treiben sie die Branche an.

          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!
          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

          Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

          Mehr erfahren

          Deutsche Branche wieder auf Erfolgskurs

          So ist der Markt für Computer- und Videospiele sowie Games-Hardware im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 um 15 Prozent auf mehr als 3,3 Milliarden Euro gewachsen. In der Regel profitieren davon deutsche Entwicklerstudios nicht so sehr wie ausländische. Doch nach mageren Jahren schöpfen auch die Deutschen neue Hoffnung: So hat Wooga, eines der größeren Entwicklerstudios für mobile Spiele, am Mittwoch mitgeteilt, nach mehreren Jahren mit Verlust nun wieder profitabel zu arbeiten. Hauptsächlich durch ein neues Spiel konnte der Umsatz um 40 Prozent gesteigert werden.

          Viele dieser Spieleproduzenten hängen stark vom Erfolg einzelner Titel ab, ein Misserfolg kann Millionen kosten. Für die Blockbuster-Spiele investieren die großen Studios mitunter Summen, die auch für die Produktion von Hollywoodstreifen ausgegeben werden. Mit der E3 läuft gerade in Los Angeles eine der größten Games-Messen der Welt, dort werden die Neuheiten für die kommenden Jahre vorgestellt. Allein Microsoft präsentiert 52 neue Spiele für die Xbox-Konsole.

          Freilich ist in der Spielewelt trotzdem nicht alles nur auf Wachstum und Fröhlichkeit ausgerichtet: Je mehr ihre Kinder zocken, desto verunsicherter sind deren Eltern mitunter. So zeigt eine aktuelle Studie des Cybersicherheitsunternehmens McAfee, dass rund 60 Prozent aller deutschen Eltern befürchten, ihre Kinder könnten beim Online-Gaming auf Cyber-Kriminelle stoßen.

          Weitere Themen

          Tempel-Ruine durch Erdbeben entdeckt Video-Seite öffnen

          Mexiko : Tempel-Ruine durch Erdbeben entdeckt

          Der Tempel Teopanzolco in Mexiko erweist sich als älter, als bisher bekannt war. Bei dem Erdbeben vor einem Jahr verschoben sich die Mauerstrukturen derart, dass bisher unentdeckte Überreste einer darunterliegenden Pyramide entdeckt wurden.

          Topmeldungen

          Spaß macht es schon, wenn nur das Aber nicht wär.

          ADHS und Smartphones : Tippen und Klicken bis zum seelischen Umfallen?

          Das Smartphone immer im Anschlag, digital auf Dauerbetrieb. Doch wann ist es zu viel, wann macht die Seele schlapp? Mediziner haben jetzt Tausende Schüler im Zappeltest gehabt und finden Anhaltspunkte für eine digitale Überdosis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.