http://www.faz.net/-gqe-96t36

Sebastian Thrun im Gespräch : „99 Prozent der tollen Erfindungen fehlen noch“

Aus Deutschland ins Silicon Valley: Sebastian Thrun Bild: Bloomberg

Er ist in Solingen geboren und im Silicon Valley berühmt geworden: Sebastian Thrun spricht über autonomes Fahren, das ewige Leben und seine große Mission.

          Herr Thrun, droht Deutschland technologisch abgehängt zu werden?

          Alexander Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das glaube ich nicht. Ich denke, dass Deutschland mit vielen anderen Ländern weit vorne liegt und dass die deutsche Wirtschaft gut positioniert ist. Aber es ist schon wahr, dass in China und den Vereinigten Staaten die Firmen teilweise die Nase vorne haben.

          Die Bundeskanzlerin sagte gerade in Davos: „Die Gefahr, dass wir zu langsam sind und die Welt über uns hinwegrollt, derweil wir philosophisch über die Frage der Datensouveränität debattieren, ist groß.“ Hat sie recht?

          Meiner Ansicht nach haben sich die Technologien in den vergangenen Jahren rasanter fortentwickelt, als viele Regierungen das realisieren. Dadurch ergeben sich natürlich viele neue Fragen, wie zum Beispiel: Wem gehören die Daten, und wo sollen sie gespeichert werden? Gleichzeitig glaube ich, dass konventionelle alte Antworten auf diese neuen Fragen nicht mehr zutreffen und wir den ganzen Sachverhalt neu überdenken müssen.

          Wie?

          Ich denke, es ist wichtig, die Bürger zu schützen. Gleichzeitig arbeiten die großen Tech-Firmen global und speichern ihre Daten auch global. Davon ausgehend müssen wir überlegen, wie wir die Daten wirklich schützen können.

          Ich als Deutscher sollte mich also nicht sorgen, ob meine Daten in Amerika oder hier auf einem Server liegen?

          Ich würde mich eher fragen, wie sicher diese Server sind. Wir haben in den vergangenen Jahren eine Reihe von Attacken gesehen, wo Daten geklaut worden sind von Firmen aus verschiedenen Ländern inklusive der Vereinigten Staaten. Firmen, die professionell Daten verwalten, stecken viel Geld in die Datensicherheit. Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Sicherheit von Datensystemen nicht unbedingt gegeben ist.

          In Amerika gibt es Google, Facebook und Amazon, in China Alibaba, Baidu und Tencent – ist es ein Problem, dass wir in Europa keinen vergleichbaren Tech-Konzern haben?

          Das müssen Sie einen Europäer fragen, nicht mich.

          Würden Sie es uns als jemand von außerhalb empfehlen?

          Ich denke, dass heute jede Firma eine Technologiefirma sein muss. Nicht nur, weil jeder Bürger ein Smartphone hat, sondern weil Technologien ganze Firmen oder Branchen, zum Beispiel das Auto, so stark beeinflussen, dass wenn man in dem Bereich sich nicht als Technologie- oder Computerfirma sieht, die Gefahr besteht, dass man einfach liegengelassen wird.

          Steuern wir gerade in einen technologischen kalten Krieg zwischen China und dem Westen? Nicht nur unser Außenminister warnt davor.

          Für mich hat der Begriff „Kalter Krieg“ die Assoziation, dass Atomwaffen auf Europa zielten, während ich als Kind in Deutschland groß wurde. Deshalb lehne ich den Begriff Krieg grundsätzlich ab. Aber natürlich ist es so, dass Firmen aus aller Herren Länder im globalen Wettbewerb stehen – und es möglich geworden ist, eine global agierende Firme innerhalb weniger Jahre aufzubauen. Das liegt daran, dass die Technologien, die wir kreieren, immer günstiger und immer weiter verbreitet werden. Ich denke, da sollte Deutschland mitspielen. Die Zukunft der Wirtschaft liegt in den Daten und der Vernetzung und der Kommunikation mit dem Kunden – und da sollte Deutschland eine starke Rolle spielen.

          Wenn Peking einen nationalen Plan für Künstliche Intelligenz auf den Weg bringt und einen gewaltigen Technologiepark ankündigt, wirkt das viel zielstrebiger und bewusster als das, was aus westlichen Hauptstädten dazu zu hören ist. Müssen wir mehr Gas geben?

          Die Künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf die Menschheit sind nicht zu unterschätzen. Ich glaube, dass wir mit Künstlicher Intelligenz in der Lage sein werden, quasi alle repetitive Arbeit den Computern zu überlassen. Und da auch hochbezahlte Angestellte wie Anwälte oder Doktoren großenteils repetitiv arbeiten, kann ich mir vorstellen, dass sich die Arbeitswelt auch für solch hochbezahlte Personen in den nächsten Jahrzehnten gewaltig ändern wird.

          Was sind denn die spannendsten Ideen in der Künstlichen Intelligenz gerade, von denen wir wissen müssen?

          Weitere Themen

          Razzia auch bei Opel Video-Seite öffnen

          Dieselskandal : Razzia auch bei Opel

          Nach Volkswagen, Audi, Daimler und BMW ist beim Dieselskandal jetzt auch Opel ins Visier der Justiz geraten. Es geht um verschiedene Euro-6-Modelle von Opel.

          Topmeldungen

          Absturz der SPD : Auf den eigenen Bauch

          Die Sozialdemokratie führt Selbstgespräche. Darum ist sie für die meisten Wählerinnen und Wähler uninteressant. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.