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Firmen-Mentor kritisiert : „Gott weiß, was Facebook mit den Gehirnen unserer Kinder macht“

  • Aktualisiert am

Ganz nah ran geht Facebook an die Psyche der Nutzer. Mit voller Absicht, sagt Sean Parker. Bild: dpa

Der frühere Mentor von Facebook-Chef Mark Zuckerberg rechnet mit dem Netzwerk ab. Den Gründern sei von Anfang an bewusst gewesen, dass das soziale Internet die Psyche von Menschen manipuliere. „Aber wir haben es trotzdem gemacht.“

          Der amerikanische Internetunternehmer Sean Parker, Mitgründer von Napster und langjähriger Berater von Facebook, hat mit harten Worten die sozialen Netzwerke kritisiert. Bei einem öffentlichen Auftritt hat er zu Protokoll gegeben, dass er selbst zu einem „gewissenhaften Gegner“ der sozialen Medien geworden sei.

          Wie die Online-Nachrichtenseite „Axios“ berichtet, hat Parker kürzlich bei einer Konferenz ein ganzes Arsenal an Kritik an Facebook abgefeuert – und so mit seinem ehemaligen Unternehmen abgerechnet. Dem Gründer Mark Zuckerberg warf er vor, wissentlich die psychologische Verletzlichkeit der Mitglieder zu nutzen und immer weiter auszubeuten. Facebook verändere buchstäblich die Gesellschaft und die Beziehungen der Menschen zueinander. Es hemme die Produktivität der Menschen und „nur Gott weiß, was es mit den Gehirnen unserer Kinder macht“, sagte er.

          Sean Parker
          Sean Parker : Bild: AFP

          In der Gründungsphase von Facebook spielte Sean Parker eine maßgebliche Rolle dabei, aus dem Studentenprojekt ein schnell wachsendes Start-up zu machen. Er hielt einen Anteil von sieben Prozent und gilt als Mentor von Gründer Mark Zuckerberg. Er war sogar in die Unternehmenshierarchie eingebunden und trug den Titel „President“. Schließlich stolperte er jedoch über einen Kokain-Skandal und verließ Facebook.

          Seine Rolle bei Facebook wird auch in dem Film „The Social Network“ thematisiert, den Parker in der Vergangenheit allerdings als „ein komplett fiktionales Werk“ abgekanzelt hatte. Gleichwohl sagt er in dem Film, in dem er von Justin Timberlake gespielt wird, Sätze wie: „Wir haben auf Bauernhöfen gelebt, dann lebten wir in Städten und jetzt werden wir im Internet leben.“ Besonders bekannt ist der Satz: „Eine Milliarde Dollar ist cool“, die Parker in dem Film dem jungen Mark Zuckerberg sagt. Gemeint ist, dass eine Million Dollar uncool und wenig ist und die finanziellen Dimensionen, in denen Facebook denken sollte, viel größer sein sollten.

          Heute ist der 38 Jahre alte Parker Chef des von ihm selbst gegründeten „Parker Institutes“, das die Immuntherapie von Krebsleiden voranbringen will.

          Erklärvideo : Facebook - Internetgigant und Meinungsmacht

          „Wir haben es trotzdem gemacht“

          Auf der Konferenz sagte Parker, der Gründung des Netzwerks habe die Frage zugrunde gelegen: „Wie konsumieren wir so viel Zeit und bewusste Aufmerksamkeit von ihnen wie möglich?“ Jedes Mal, wenn jemand einen Beitrag oder ein Foto auf Facebook teilt, positiv bewertet oder kommentiert, gebe das einen kleinen Dopamin-Kick bei der betreffenden Person. So würden Menschen in „Soziale-Wertschätzungs-Schleifen“ geraten, „auf eine Art, wie sie sich nur Hacker wie ich ausdenken können, weil eine psychologische Verletzlichkeit der Menschen ausgenutzt wird“. Die Erfinder der sozialen Netzwerke, unter anderem Mark Zuckerberg, aber auch er selbst, hätten das von Anfang an verstanden. „Aber wir haben es trotzdem gemacht.“

          „Als Facebook ans Laufen kam gab es viele Leute, die auf mich zukamen und sagten: Ich bin nicht in den sozialen Medien“, erklärte Parker jetzt in seiner Rede. „Dann sagte ich: 'Ok, aber du wirst es sein.' Dann antworteten sie: 'Nein, nein, nein, mir sind meine Interaktionen im wirklichen Leben wichtig. Ich schätze den Moment, ich schätze die Präsenz. Ich schätze Intimität.' Und dann sagte ich: 'Früher oder später werden wir dich kriegen.'“

          Nach seiner Rede soll Parker halb im Scherz gesagt haben, dass Mark Zuckerberg wahrscheinlich sein Facebook-Konto sperren werde, nachdem er von seiner Kritik Wind bekommt.

          Quelle: nab.

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