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Soziales Netzwerk : Facebook zweifelt an seinem Nutzen für die Demokratie

Bild: dpa

Facebook überdenkt derzeit sehr öffentlich sein Geschäft. Jetzt zweifelt ein Manager an, dass das Unternehmen gut für die Demokratie ist.

          Das soziale Netzwerk Facebook bemüht sich in jüngster Zeit verstärkt und sehr öffentlich um mehr Selbstreflexion. Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg hat schon angekündigt, die zentrale Nachrichtenleiste („News Feed“) von Facebook radikal umzubauen und Einträgen von Freunden und Familienmitgliedern ein höheres Gewicht zu geben als zum Beispiel Medienberichten. Dabei sollen auch die Nutzer helfen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zuckerberg begründete das mit Studien, wonach es besser für das Wohlbefinden von Menschen sei, wenn sie soziale Netzwerke für die Kommunikation mit ihnen nahestehenden Personen nutzten als dort passiv Artikel zu lesen oder Videos anzusehen. Schon vor einigen Monaten gab Zuckerberg außerdem massive Investitionen bekannt, um künftig Missbrauch auf Facebook zu verhindern. Dies war eine Reaktion darauf, dass Facebook zugeben musste, von Russland instrumentalisiert worden zu sein, um Amerikaner bei den vergangenen Präsidentenwahlen zu manipulieren.

          Nicht sicher, ob Facebook gut für die Demokratie ist

          Jetzt hat die Selbstkritik von Facebook eine weitere Stufe erreicht. In einem Blogeintrag gab das Unternehmen zu, es sei sich nicht sicher, ob soziale Netzwerke unter dem Strich gut für Demokratien seien oder nicht. Produktmanager Samidh Chakrabarti schrieb: „Ich wünschte, ich könnte garantieren, dass die positiven Dinge dazu bestimmt sind, die negativen zu überwiegen, aber ich kann es nicht.“

          Soziale Netzwerke hätten einen Einfluss auf Demokratien, indem menschliche Absichten manipuliert würden, sowohl in guter wie auch in schlechter Weise. Im besten Falle würden sie Menschen dazu befähigen, ihre Meinung ausdrücken und sogar Dinge in Bewegung zu setzen. Aber auf der anderen Seite machten sie es auch möglich, Falschinformationen zu verbreiten und Demokratien zu korrodieren. Chakrabarti gab auch abermals zu, Facebook habe im Jahr 2016 erst sehr spät erkannt, dass „schlechte Akteure“ die Plattform missbraucht hätten.

          Vorstandsvorsitzender Zuckerberg hatte unmittelbar nach den Wahlen noch den Einfluss von Facebook auf das Ergebnis heruntergespielt und gesagt, er halte es für eine „ziemlich verrückte Idee“, dass dies eine Rolle gespielt habe. Von diesen Äußerungen hat er sich dann aber bald distanziert und eine ganze Reihe von Schritten angekündigt, um eine ähnliche Einmischung in Zukunft zu verhindern.

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