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Treffen im Kanzleramt : Jeder will das superschnelle Mobilfunknetz betreiben

5G soll in Deutschland vor allem auch die intelligente Fabrik ermöglichen. Bild: dpa

Wenn von 5G die Rede ist, geht es um die Zukunft der Bundesrepublik: Nun machen Unternehmen wie Siemens einen Vorschlag, der den Netzbetreibern gar nicht gefällt – kurz vor einem Treffen im Kanzleramt.

          Für Mobilfunk sind Mobilfunkunternehmen zuständig – zumindest galt das bisher. Mit dem neuen Funkstandard 5G, der in den kommenden Jahren aufgebaut wird, könnte die enge Zuordnung allerdings aufweichen. Denn zahlreiche Branchen und Unternehmen in Deutschland wollen die Technologie in die eigene Hand nehmen, vorbei an den etablierten Telekommunikationsanbietern. Das stellte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser jetzt noch einmal unmissverständlich klar. „Wir brauchen eine eigene Bandbreite für das Internet der Dinge“, sagte der Manager am Rande der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die Zeit drängt. Im Frühjahr sollen die 5G-Frequenzen versteigert werden. Weil sich auch die Bundesregierung noch nicht einig ist, treffen sich am Montag Vertreter des Wirtschaftsministeriums, des Verkehrsministeriums und der Bundesnetzagentur im Kanzleramt, um zu beraten, wie sie weiter vorgehen wollen, berichtet die „Bild am Sonntag“. 

          Wenn es wiederum nach dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Kaeser geht, soll in der Versteigerung ein Frequenzband von mindestens 100 Megahertz für die Industrie reserviert und nicht an ein Telekommunikationsunternehmen vergeben werden. Dieses Band könnten die Unternehmen dann nutzen, um beispielsweise Maschinen zu vernetzen oder Autos autonom fahren zu lassen.

          Kaeser ist nicht alleine

          Kaeser hat mit seiner Forderung vor allem den geplanten Innovationscampus von Siemens in Berlin-Spandau im Blick. Er zeigte sich aber überzeugt, dass auch andere Unternehmen, etwa Mittelständler auf dem Land, Interesse hätten, dieses Frequenzband zu nutzen. Ob die Industrie in einem Konsortium in der Auktion mitsteigern will oder wie das Ganze generell praktisch und finanziell ablaufen soll, wollte Kaeser nicht konkretisieren. Nur so viel: Er sehe kein Problem darin, die Leitungen selbst zu verlegen und zu bezahlen.

          Damit liegt der Siemens-Chef auf einer gemeinsamen Linie mit einer Reihe von Unternehmen und Branchen in Deutschland. Auch die großen Automobilhersteller wollen die neuen 5G-Hochleistungsnetze für ihre Fabriken und Werksgelände allesamt lieber selbst oder mit unabhängigen Technologiepartnern betreiben. „Aus Gründen der Zuverlässigkeit, der Haftung sowie dem Schutz von Patenten müssen der Betrieb und die Kontrolle des Funknetzes eines Produktionsstandortes in eigener Hand liegen“, betonte vor kurzem der Verband der Automobilindustrie (VDA). Genauso sehen es Maschinen- und Anlagenbauer, die Chemieindustrie und die Elektro- und Elektronikbranche.

          Für lokale und regionale Netze zur „industriellen Kommunikation“ beanspruchen sie einen Teil der 5G-Frequenzen, die die Bundesnetzagentur im kommenden Jahr vergeben will. Nur so lasse sich der Wettbewerb um Aufbau und Betrieb dieser Netze gewährleisten und eine Abhängigkeit von den Netzbetreibern vermeiden, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier. Ihm haben sich neben den großen Autoherstellern auch die Industriekonzerne BASF, Evonik, Bosch und eben Siemens sowie eine Reihe von großen mittelständischen Unternehmen angeschlossen.

          „Wir Netzbetreiber wollen das bauen“

          Die Netzagentur will für solche örtlich begrenzten Anwendungen in der Industrie, aber auch für Campuslösungen von Universitäten und Instituten, das obere Viertel der Frequenzen aus dem Spektrum zwischen 3,4 Gigahertz und 3,8 Gigahertz reservieren. Sie sollen nicht versteigert werden, sondern „auf Antrag“ zugeteilt, wie es heißt. Die Kosten beschränken sich auf eine Verwaltungsgebühr, deren Höhe noch nicht feststeht.

          Aus Sicht der Mobilfunkkonzerne hat die Vorzugsbehandlung gleich zwei Nachteile. Einerseits verlieren sie Geschäft, wenn jetzt andere die Industrienetze aufbauen. Noch viel mehr ärgert sie freilich, dass die Vorab-Reservierung einer künstlichen Verknappung des Funkbandes gleichkommt. Das dürfte die Gebote in der Frequenzauktion in die Höhe treiben. Und ohne diesen Teil der Frequenzen, die sich besonders gut für die Übertragung großer Datenmengen auf begrenztem Raum eignen, fehlten anschließend Bandbreite und Kapazität für den Netzausbau, kritisiert Walter Goldenits, Technikchef für das Deutschlandgeschäft der Telekom.

          Der Konzern lässt keinen Zweifel daran, dass er sich dagegen zur Wehr setzen wird. Auch diese Frequenzen müssten in das Versteigerungsverfahren einbezogen werden. „Eine Zuteilung auf Antrag ohne vorherige Bedarfserkundung ist rechtswidrig. Einzelzuteilungen werden wir beklagen“, heißt es in einer Stellungnahme zum Entwurf der Bundesnetzagentur für die Versteigerungsbedingungen.

          Ähnlich wie die Deutsche Telekom äußert sich auch die Konkurrenz. „Wir müssen eine Fragmentierung des für 5G verfügbaren Spektrums verhindern“, sagt Telefónica-Vorstandschef Haas. Und Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter betont: „Deutschland braucht ein erstklassiges 5G-Netz. Und das wollen wir Netzbetreiber bauen.“ Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, zeigt sich in gut drei Wochen: Bis zum 26. November will die Netzagentur endgültig über Bedingungen und Regeln für die Frequenzauktion entscheiden.

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