http://www.faz.net/-gqe-93i50

Schnelles Internet : Glasfaser, jetzt!

Glasfaserausbau im Alltag - hier in Düsseldorf. Bild: dpa

Der Mittelstand fordert schneller und flächendeckend hochleistungsfähige Glasfaseranschlüsse bis direkt in die Unternehmen, um die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen zu können. Es geht auch um Probleme abseits der Metropolen.

          Über das Ziel sind sich die Jamaika-Sondierer einig: Deutschland brauche einen „flächendeckenden Breitbandausbau in Gigabit-Geschwindigkeit bis 2025“, so steht es in der Zwischenbilanz ihrer ersten Gesprächsrunde. Über den Weg dahin gibt es aber noch sehr unterschiedliche Vorstellungen. Führt er, wie es die Deutsche Telekom und Teile der Union bevorzugen, über die Aufrüstung des alten Kupfernetzes, oder wird besser gleich in Glasfaserleitungen bis in Häuser, Wohnungen und Unternehmen investiert?

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) steht fest, dass es keine Umwege mehr geben sollte. Zusammen mit dem Breko-Verband, der zahlreiche Telekom-Wettbewerber vertritt, verlangt er eine „klare Glasfaser-Only-Strategie“.

          Internet-Notstand abseits der Metropolen

          Der Mittelstand brauche flächendeckend hochleistungsfähige Glasfaseranschlüsse bis direkt in die Unternehmen, um die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen zu können, forderte BVMW-Präsident Mario Ohoven: „Auf diese Weise können wir nicht nur die rund 30 Millionen Arbeitsplätze im Mittelstand sichern, sondern auch neue Arbeitsplätze in der digitalisierten Wirtschaft schaffen“. Abseits der Metropolen litten viele Unternehmen immer noch unter einem Internet-Notstand.

          Der Breko kritisiert kupferbasierte Übergangstechnologien wie das Vectoring, mit dem sich kurzfristig und mit vergleichsweise geringen Kosten bis zu 100 Megabit je Sekunde erreichen lassen, als Bremsklotz für den Aufbau „echter“ Glasfasernetze. Dieser Doppelausbau sei eine Verschwendung knapper Finanzmittel und volkswirtschaftlich unsinnig. „Unser Land braucht die leistungsfähigste digitale Infrastruktur in Europa“, sagte Breko-Präsident Norbert Westfal. Auch die Modernisierung der vorhandenen Fernsehkabelnetze reiche nicht aus.

          Bei Qualitätsanforderungen wie niedrigen Reaktionszeiten (Latenzen), Stabilität und hohen Upload-Geschwindigkeiten seien TV-Kabelnetze nicht in der Lage, die Anforderungen der Unternehmen zu erfüllen. Gleichwohl berichten Betreiber wie Unitymedia über eine wachsende Nachfrage gerade von Gewerbebetrieben und Freiberuflern. Auch Vodafone und die Telekom haben angekündigt, in großem Umfang in die Anbindung von Gewerbegebieten zu investieren.

          Dabei gewinnen Kooperationsmodelle an Bedeutung, in denen ein Unternehmen, manchmal auch die jeweilige Kommune, die Leitungen baut und danach anderen Anbietern zur Verfügung stellt. In den weiteren Sondierungen zur Digitalisierung wird es nicht zuletzt um die Finanzierung der teuren Gigabit-Netze gehen. Der Breko unterstützt Forderungen von FDP und Grünen, die Bundesanteile an der Telekom zu verkaufen und die Einnahmen für die öffentliche Förderung des Netzausbaus zu verwenden.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Keine Zeit für Grokodilstränen: Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Dienstag im Bundestag

          SPD nach Jamaika-Aus : Einmal Opposition und zurück

          Nach dem Paukenschlag wird in der SPD noch einmal neu nachgedacht. Es gelte, Neuwahlen zu vermeiden – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Behutsam müsse man die Partei auf eine Regierungsbeteiligung vorbereiten. Nur wie?
           Luftstaubsammler an der BfS-Messstation Schauinsland

          Mysteriöses Ruthenium-106 : Was geschah im Ural?

          Aus welcher Quelle stammt die Wolke radioaktiven Rutheniums, die Ende September Europa erreicht hat? Und wie bedenklich sind die hier gemessenen Konzentrationen? Hier sind einige Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.