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Milliarden für Glasfaser : Stadt, Land, Internet

Glasfaserkabel-Montage, aber nicht auf dem Land, sondern in Düsseldorf. Bild: dpa

Lahmes Internet, wenig Ärzte: Ländliche Gegenden müssen im Vergleich zu Großstädten oft zurückstecken. Vertreter der Kommunen ärgert das. Sie fordern von der neuen Bundesregierung mehr Geld.

          Arbeit und Rente, Wirtschaft und Verkehr, Außenpolitik und Sicherheit: Diese Woche warten weitere Streitthemen auf die Verhandler von Union, Grünen und FDP in den Jamaika-Sondierungen. Im Windschatten der Großkonflikte steht auch ein Thema auf der Tagesordnung, auf das die Kommunen mit Argusaugen blicken: die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in den Regionen.

          Henrike Roßbach

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Die neue Bundesregierung muss sich zum ländlichen Raum bekennen – nicht nur in Worten, sondern auch in Taten“, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, dieser Zeitung. Notwendig seien Strategien und konkrete Maßnahmen, wie ländliche Regionen gestärkt werden könnten. „Vorausschauendes Handeln wird sich bezahlt machen.“ Der ländliche Raum sei Standort zahlreicher industrieller Weltmarktführer und gewinne als Wohn- und Lebensraum wieder an Bedeutung.

          Seit dem Triumph der AfD vor allem in Ostdeutschland, wo Strukturwandel und Demographie große Umbrüche verursacht haben, dämmert immer mehr Politikern, dass Regionalpolitik ein brisantes Politikfeld werden könnte. „Die meisten Deutschen leben nicht in den Großstädten“, sagte Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU), dieser Zeitung. Der Staat dürfe sich nicht aus der Fläche zurückziehen, „sonst missbrauchen andere das entstandene Vakuum“.

          Auf dem Land wird es schwieriger

          Den Status quo der Lebensbedingungen in den Regionen bildet der in regelmäßigen Abständen erscheinende Raumordnungsbericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ab. Auch wenn „Raumordnungsbericht“ nach Amtsstube klingt: Die Veröffentlichung dreht sich um alltagsrelevante Fragen: Wo ist der nächste Arzt? Wie lange dauert es, bis der Rettungswagen kommt? Gibt es eine Apotheke, einen Supermarkt, Schulen und Kitas? Fährt der Bus? Und ist der Internetanschluss schnell genug für die neueste Netflix-Serie?

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          Der jüngste Bericht dieser Art, den das Kabinett diese Wochen verabschieden soll, trägt den Titel: „Daseinsvorsorge sichern“. Gesichert werden muss allerdings nur etwas, das bedroht ist – und in der Tat schreiben die Autoren: „Rückgang und Alterung der Bevölkerung sowie Zuwanderung und Internationalisierung führen dazu, dass die Herausforderungen bei der Sicherung der Daseinsvorsorge künftig größer werden.“ Kritisch ist in einigen Gegenden demnach schon die Gesundheitsversorgung, vor allem im Notfall: In Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt mehr als doppelt so hoch wie in Berlin oder Schleswig-Holstein.

          Auch Schulen und Kindergärten in akzeptabler Entfernung oder die Feuerwehr sind ein Problem. Während in den Städten fast neun von zehn Haushalten Zugang zu einem 50-Megabit-Internetanschluss haben, ist es auf dem Land nur jeder Vierte. Der Bevölkerungsrückgang führt zudem zur Unterauslastung; Straßen-, Wasser- und Stromnetze aber kann man nicht einfach schrumpfen. Für die verbliebenen Einwohner werden Wasser und Müll daher immer teurer.

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