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Problem für Zukunftstechnologie : Kinderpornographie in der Blockchain gefunden

Die Blockchain-Technologie hat in der Finanzwelt einen Forschungsdrang ausgelöst. Bild: Reuters

Forscher aus Aachen warnen Nutzer vor Haftungsrisiken beim Besitz von Bitcoin. Denn in der Blockchain sind noch zusätzliche Inhalte enthalten – und die lassen sich nicht einzeln löschen. Was hat das zu bedeuten?

          Kaum einer versteht die Blockchain, aber in der Bundesregierung setzt man große Hoffnungen auf die Technologie. Das sei eine „Schlüsseltechnologie“, heißt es, die „enormes Potential an Kosteneinsparung“ habe. Man dürfe die Chancen nicht vernebeln durch „Kinderkrankheiten“ wie etwa den hohen Stromverbrauch. Man hoffe auf Deutschlands „sehr lebendige Blockchain-Gründerszene“. Doch jetzt tauchen Links zu Kinderpornographie und andere rechtswidrige Inhalte in der Datenkette auf. Das ist ein ernstzunehmendes Problem für die Zukunftstechnologie.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          Eine Gruppe von Forschern der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen und der Goethe-Universität Frankfurt hatte die Datenkette analysiert, die etwa der dezentralen Kryptowährung Bitcoin zugrunde liegt. Sie warnen, jeder Nutzer der Blockchain kopiere sich die Dateienkette zwingend auf den eigenen Rechner – und könnte sich auf diese Weise strafbar machen.

          Auch private Fotos einer Hochzeit aufgespürt

          Die Blockchain ist eine Technologie, bei der Datensätze im Wege eines Verschlüsselungsverfahrens verknüpft werden. Dies lässt sich als Währung verwenden, wie im Falle der Bitcoin, aber auch um Transaktionen nachzuzeichnen und ganze Verwaltungen und Dienstleistungen zu ersetzen.

          Gespeichert werden können neben Finanzdaten und digitalen Ereignissen aber auch Dateien und Links. Das ist etwa für notarielle Dienstleistungen wichtig, kann sich aber auf viele Bereiche des Lebens auswirken. Tatsächlich ist der Besitz von kinderpornographischen „Schriften“ (das umfasst auch Computerspeicher wie etwa eine Festplatte) strafbar – allerdings ist nach deutschem Strafrecht Voraussetzung, dass man von diesem Besitz auch wusste – nur dann ist die Tat „vorsätzlich“.

          Die Forscher meinen allerdings, dass großflächige Medienberichterstattung über die versteckten Inhalte in der Blockchain dazu führen könnte, dass die Behörden von einem Mitwissen der Nutzer ausgehen. Neben Links zu Pornographie und einem Nacktbild spürten die Forscher auch private Fotos einer Hochzeit auf sowie womöglich urheberrechtlich geschütztes Material. Auch politische Inhalte von Demonstrationen in Hongkong sowie Inhalte der Plattform Wikileaks fanden die Forscher – je nach Rechtsordnung könnten diese Inhalte den Besitzer in Bedrängnis bringen.

          Marc Liesching von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur teilt die Bedenken überwiegend. Wer als Blockchain-Nutzer nicht zielorientiert handele, mache sich wohl nicht wegen Besitzes von Pornographie strafbar, sagt der Jurist. „Wenn Sie Kinderpornographie sofort löschen, haben Sie zwar für eine logische Sekunde Besitz, aber das ist nicht als strafwürdig anzusehen.“

          Das Problem ist jedoch: Technisch lassen sich nicht einzelne Teile der Blockchain löschen – genau diese Integrität macht die Datenkette erst funktionsfähig. Was unter diesen Umständen rechtlich gilt, ist bisher vollkommen ungeklärt. „Da besteht eine Rechtsunsicherheit und ein Haftungsrisiko“, sagt Liesching. Das könnte Blockchain-Nutzer davon abhalten, sich proaktiv bei den Behörden zu melden – schließlich drohen Strafverfahren und die Beschlagnahme von Datenträgern. Die von der F.A.Z. befragten Ministerien und das Bundeskriminalamt konnten bislang noch keine Antwort geben.

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