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Amazon-Chef wird Wohltäter : Jeff Bezos gründet Zwei-Milliarden-Dollar-Stiftung

Jeff Bezos Bild: AFP

Der Amazon-Chef gründet eine karitative Organisation und stattet sie mit zwei Milliarden Dollar aus. Deren Schwerpunkte könnten aber manchem seiner Kritiker wie Hohn vorkommen.

          Jeff Bezos ist der reichste Mensch der Welt. Im „Bloomberg Billionaires Index“ wird der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Online-Händlers Amazon mit einem Vermögen von 164 Milliarden Dollar geführt. Aber anders als andere Superreiche wie Bill Gates, der Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft, oder Mark Zuckerberg, der Vorstandschef des sozialen Netzwerks Facebook, ist Bezos bislang noch nicht allzu sehr mit wohltätigem Engagement aufgefallen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Gates betreibt zusammen mit seiner Frau Melinda die größte Privatstiftung der Welt, Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan haben ebenfalls eine wohltätige Organisation und versprochen, im Laufe ihres Lebens 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien zu spenden. Verglichen damit hat sich Bezos bislang auf kleinere wohltätige und politische Engagements beschränkt. Im vergangenen Jahr spendete er 35 Millionen Dollar für ein Krebszentrum, erst vor wenigen Tagen gab er 10 Millionen Dollar an eine Gruppe, die Militärveteranen zu politischen Ämtern verhelfen will.

          Jetzt aber will sich Bezos in größerem Stil und auf organisierte Weise der Philanthropie widmen, wenngleich er damit noch immer nicht an die Dimensionen der karitativen Aktivitäten von Gates oder Zuckerberg herankommen wird: Am Donnerstag kündigte er auf Twitter an, zusammen mit seiner Frau MacKenzie den „Day One Fund“ ins Leben zu rufen und zunächst mit zwei Milliarden Dollar auszustatten. Der Fonds soll bedürftigen Menschen helfen und hat zwei Schwerpunkte: Zum einen soll er Organisationen unterstützen, die sich um junge obdachlose Familien kümmern, und ihnen Unterkunft und Essen verschaffen. Zum anderen soll er ein Netzwerk von Vorschulen in einkommensschwachen Gegenden aufbauen. Der Name bezieht sich auf die von Bezos auch bei Amazon propagierte „Tag Eins“-Philosophie, womit gemeint ist, sich immer am Anfang eines Vorhabens zu sehen, egal wie weit man schon gekommen ist.

          Bezahlt er seine Mitarbeiter zu schlecht?

          Bezos hatte schon im vergangenen Jahr angedeutet, dass er seine wohltätigen Aktivitäten ausweiten will. Auf Twitter bat er um Ideen, auf welchen Gebieten er tätig werden könnte. Er sagte dabei, dass es ihm hier im Gegensatz zu Amazon oder auch seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin, wo er sehr langfristige Perspektiven verfolge, darum gehe, Menschen „im Hier und Jetzt“ zu helfen, „an der Kreuzung zwischen dringendem Bedürfnis und dauerhafter Wirkung“. Schon damals bekundete er Interesse an der Arbeit von Mary’s Place, einer Organisation für obdachlose Familien in Amazons Heimatstadt Seattle. Im vergangenen Jahr hat Amazon auch angekündigt, Mary’s Place in seiner neuen Zentrale in der Stadt Platz für ein Obdachlosenheim zur Verfügung zu stellen.

          Manchem wird der Einsatz von Bezos womöglich aber wie Hohn vorkommen, denn Kritiker werfen ihm vor, mit Amazon selbst zur Bedürftigkeit von Menschen beizutragen, indem er die Mitarbeiter seines Unternehmens zu schlecht bezahlt. Erst in der vergangenen Woche hat der amerikanische Senator Bernie Sanders, der sich 2016 vergeblich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei bemüht hat, einen Gesetzentwurf vorgelegt, der auf Amazon abzielt und sogar „Stop Bezos Act“ heißt, für „Stop Bad Employers by Zeroing Out Subsidies Act“. Sanders wirft Amazon und auch anderen Unternehmen wie Walmart vor, ihre Mitarbeiter zum Teil so schlecht zu entlohnen, dass sie auf staatliche Beihilfen wie Essensmarken angewiesen sind. Das Gesetz würde diese Arbeitgeber verpflichten, solche Beihilfen zurückzuzahlen.

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