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Newsfeed-Reform : Facebooks zweifelhafte Weltverbesserung

Mark Zuckerberg Bild: AP

Der Facebook-Gründer will die Welt verbessern und dazu weniger Nachrichten zeigen. Das kostet ihn Milliarden– doch ob die Änderung überhaupt hilft, ist fraglich.

          Er will die Welt verbessern, oder doch zumindest sein Produkt: Das hat sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg laut eigener Ankündigung für dieses Jahr vorgenommen. In der Nacht auf Freitag kam der erste Schritt: Der „Newsfeed“ von Facebook, in dem die Nachrichten von Unternehmen, Medien und Freunden zusammenlaufen, wird verändert: Was die Freunde schreiben, bekommt eine prominentere Rolle – Nachrichten von Unternehmen und Medien tauchen seltener auf, und zwar vor allem dann, wenn Freunde auf sie verweisen.

          „Ich rechne damit, dass die Leute weniger Zeit auf Facebook verbringen“, schreibt Zuckerberg ganz ausdrücklich, und die Aktionäre glauben ihm: Der Kurs der Facebook-Aktie ist am Freitag so weit gesunken, dass Zuckerberg jetzt um mindestens drei Milliarden Dollar ärmer ist. Doch ob es das Geld wert war, ist zweifelhaft.

          Vier Vorwürfe an Facebook und Co

          Vier Vorwürfe wurden Facebook und anderen sozialen Netzwerken in den vergangenen Monaten gemacht: Erstens würden auf diesem Weg gefälschte Nachrichten verbreitet, „Fake News“, die Wahlen manipulieren sollen und das Vertrauen in die Demokratie untergraben. Zweitens erleichterten sie hasserfüllte Anwürfe gegen Menschen – die so genannte „Hate Speech“. Drittens könnten soziale Netzwerke depressiv machen, und viertens trotz allem süchtig. „Gott weiß, was das mit den Gehirnen unserer Kinder macht“, sagte Mark Zuckerbergs früherer Mentor Sean Parker vor einigen Wochen.

          Keiner dieser Vorwürfe allerdings hat viel mit dem zu tun, was Unternehmen und traditionelle Medien über Facebook loswerden.

          Facebook

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          „Die Forschung zeigt, dass wenn wir soziale Medien nutzen, um mit den Menschen in Verbindung zu bleiben, die uns wichtig sind, kann das unserem Wohlbefinden nützen. Wir können uns verbunden und weniger einsam fühlen“, schreibt Zuckerberg. Dabei beruft er sich auf einige akademische Studien und eigene Forschung seines Unternehmens, ein Fazit dazu hat Facebook im Dezember veröffentlicht. Die jetzt angekündigten Maßnahme allerdings stehen in keinem guten Verhältnis dazu, was in den vergangenen Jahren öffentlich über soziale Netzwerke geforscht wurde.

          Helfen die Maßnahmen gegen die Probleme?

          Fake News und Hate Speech haben die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr besonders bewegt – am Schluss wurde das umstrittene „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG) von Justizminister Heiko Maas erarbeitet und trat in Kraft. Nur selten wurden traditionelle Medien und Unternehmen für die Probleme verantwortlich gemacht. Fake News stammen eher aus Gerüchten, die von Freunden und Gleichgesinnten untereinander ausgetauscht werden. Auch wenn zu den ersten Opfern des NetzDG das Satiremagazin „Titanic“ zählte, wird Hass doch eher bei anonymen Privatnutzern gesehen als bei Medien und Unternehmen. Künftig will Facebook besonders beachtete Status-Updates von Privatleuten in den Vordergrund stellen – also genau die Gruppe von Posts, die mit Fake News und Hate Speech in Verbindung gebracht wird.

          Es gibt auch harmlose private Status-Updates, und zwar viele: Urlaubsfilme, Fotos vom Mittagessen undsoweiter. Gerade sie werden aber von Psychologen für die beiden anderen Probleme sozialer Netzwerke verantwortlich gemacht: Depression und Sucht. Sucht entsteht, wenn man sein eigenes Urlaubsvideo auf Facebook hochlädt und dann auf die Likes und Kommentare wartet. Jede einzelne Meldung von Freunden löst einen kleinen Ausstoß des Hormons Dopamin aus, das glücklich macht und motiviert – eine gute Grundlage für Sucht. Zumal Facebook selbst betont, dass seine Nutzer eher dann zu Facebook kommen, wenn sie sowieso schon gestresst sind.

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          Depression wiederum kann entstehen, wenn man die Status-Updates der anderen betrachtet. Die zeigen selten die alltägliche, langweilige oder gar traurige Seite des Lebens. Stattdessen bekommen die Nutzer tolle Reisen, Hobbys oder Partys vorgeführt. Das macht neidisch – und die Universität von Missouri hat schon vor einiger Zeit gezeigt, dass aus dem Neid Depressionen werden können.

          Was ist Facebooks Kalkül?

          „Facebook kann Spaß machen und gesund sein, wenn Nutzer darüber mit der Familie und alten Freunden in Kontakt bleiben“ – darin sind sich die Forscher der Universität mit Mark Zuckerberg einig. Zuckerbergs Reformen dagegen sind nicht im Sinn ihrer Forschung.

          Sean Parker, der ehemalige Mentor von Facebook-Gründer Zuckerberg, seinem ehemaligen Mentee vorgeworfen, über alles Bescheid zu wissen. Die Erfinder der sozialen Netzwerke hätten von Anfang an verstanden, was sie taten. Die Frage sei gewesen: „Wie konsumieren wir so viel Zeit und bewusste Aufmerksamkeit wie möglich?“ Als Facebook größer wurde, bekamen Medien und Unternehmen eine größere Rolle im Netzwerk – dann begann die Diskussion darüber, ob Facebook für seine Nutzer uninteressant geworden sei.

          Wenn Mark Zuckerberg jetzt Facebook zu seinen Anfängen zurückbringt, könnte er – entgegen seiner Ankündigung – die Popularität der Seite wieder steigern. Er könnte zusätzliche Werbeeinnahmen verbuchen, weil Unternehmen und Medien eher auf die Anzeigenplätze drängen. Und er könnte die gesellschaftlichen Probleme des Netzwerks sogar vergrößern.

          Soziales Netzwerk : Facebook verliert seine Freunde in Deutschland

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Folgen:

          Quelle: FAZ.NET

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