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Soziales Netzwerk : Facebook setzt noch stärker auf Videos

Drei Viertel aller Facebook-Videos werden mobil abgespielt. Bild: dpa

Mark Zuckerberg sieht im Bewegtbild die Zukunft des sozialen Netzwerks. Denn dahinter steckt ein ganz einfaches Kalkül. Davon sind auch deutsche Nutzer betroffen.

          Wer Facebook nutzt, dem fällt es auf: Im Nachrichtenstrom des sozialen Netzwerks tauchen immer häufiger Videos auf. Nutzer schauen sie zunehmend mobil an, also in den Anwendungen auf Smartphones. Drei Viertel aller Videos auf Facebook werden mobil abgespielt. Doch auch in den anderen Produkten von Facebook, etwa dem Mitteilungsdienst Whatsapp oder der Bilderplattform Instagram, nimmt der Anteil an bewegten Bildern stetig zu. Mehr als 300 Millionen Nutzer schauen sich jeden Tag Status-Videos in Whatsapp an oder entwerfen selbst die „Stories“ genannten Geschichten auf Instagram. Das ist schon ein recht großer Anteil für die Apps, die insgesamt allerdings mehr als 1 Milliarde (Whatsapp) und 800 Millionen Nutzer (Instagram) zählen.

          Auch die Facebook-Nutzer werden immer mehr: Rund 2,07 Milliarden waren es Ende September, teilte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zur Vorstellung der Quartalszahlen vor einigen Tagen mit. Dort sagte er auch: „Der größte Trend in unseren Produkten in den nächsten drei Jahren wird Video sein.“

          Für ein Unternehmen, das seinen Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar in den letzten drei Monaten hauptsächlich mit Werbung gewonnen hat, bietet dieser Trend weitere Wachstumsmöglichkeiten. Denn je mehr Videos geschaut werden, desto mehr Werbung kann Facebook darin schalten. Und wer ein Video anschaut, verbringt mehr Zeit auf der Plattform. Das ist schließlich das größte Ziel des Unternehmens aus Kalifornien: dass so viele Menschen wie möglich ständig wiederkommen auf die Plattformen. Im Jargon des Unternehmens heißt das: „Building a Community“, also eine Gemeinschaft aufbauen. Zuckerberg merkte jüngst allerdings an, dass stupides Konsumieren von Videos keine „sinnvolle soziale Interaktion“ sei, das Ziel von Facebook laute daher, mehr soziale Interaktionen zu schaffen. Auch dahinter steckt freilich Kalkül: Wenn Freunde Inhalte teilen, finden Nutzer sie vermutlich ansprechender. Denn was einer Person gefällt, die einem wichtig ist, spricht den Nutzer selbst vielleicht auch an.

          Gut 40 Prozent der Aufrufe von Videos auf Facebook entstehen folglich auch durch geteilte, also von Nutzern an ihre Freunde und Abonnenten weitergeleitete Videos. Für all diejenigen, die Videos erstellen – Medienhäuser, Unterhaltungskonzerne oder auch Privatpersonen – sind diese Aufrufe also wichtig.

          Den selbst ausgerufenen größten Trend treibt Facebook stark voran. Mit „Watch“ hat das Unternehmen jüngst eine Art Serienplattform aufgebaut, auf der Geschichten in mehreren Folgen erzählt werden können. Gut 1000 Serien laufen dort schon. Ein Streamingdienst wie Netflix will Facebook indes nicht werden (was nur zum Teil damit zusammenhängt, dass Netflix-Chef Reed Hastings auch im Facebook-Board sitzt), sondern die Videos als Ausgangspunkt für Diskussionen in Gruppen oder in den Kommentarspalten zeigen. Mitunter wirkt es so, als werde Facebook zunehmend zu einem Medienunternehmen, was der Konzern aber bestreitet. Facebook sei ein Technologiekonzern, der keine Inhalte produziert oder bewertete. Doch freilich sortiert der Algorithmus vor, was man sieht: nach Vorlieben, Interessen der Freunde oder Seiten, die einem gefallen. Nicht ohne Grund gab es kürzlich einen Vorstoß der Briten, die amerikanischen Tech-Konzerne verstärkt wie Medienunternehmen zu behandeln.

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