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Diane Greene : Googles Frau für die Wolke

Diane Green Bild: Bloomberg

Diane Greene leitet mit dem Cloudgeschäft eine der wichtigsten Sparten des Internetkonzerns. Es tobt der Kampf mit Amazon und Microsoft – die Ingenieurin sieht sich aber gewappnet.

          Diane Greene segelt praktisch schon ihr Leben lang. Auf dem Wasser hat sie als junges Mädchen viel gelernt, was sie später in ihrer beruflichen Karriere gut gebrauchen konnte. „Segeln und Management haben sehr viel gemein“, sagt Greene. Denn beim Segeln müsse man gut vorbereitet sein. „Du musst dein Equipment parat haben und eine gut trainierte Crew. Außerdem arbeitet man sehr zielorientiert, und man lernt, mit Planänderungen umzugehen.“ Denn selbst wenn die Richtung vorgegeben ist und das Wetter stimmt, ändern sich die Gegebenheiten in einem Rennen schnell. „Das bedeutet, dass man konstant Daten aufnimmt und sie verarbeiten muss. Und dann Entscheidungen treffen. Das ist es auch, was das Geschäftsleben ausmacht“, sagt Greene.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Die Managerin befindet sich gerade in genau so einem Rennen. Es dreht sich darum, wer es am besten schafft, Unternehmen auf ihrem Weg in die Cloud zu begleiten. Ihre Gegner heißen Amazon, Microsoft und jetzt wohl auch verstärkt IBM nach den Zukaufplänen des Open-Source-Spezialisten Red Hat. Greene leitet nämlich das Cloudgeschäft von Google – und momentan liegt sie nicht auf dem ersten Platz. Zwar hat der Suchmaschinenkonzern in den vergangenen drei Jahren 30 Milliarden Euro in den Geschäftsbereich investiert, doch hat Amazon mit seinem Dienst namens AWS noch einen gehörigen Vorsprung. Nach letzten bekannten Zahlen macht Google mit seinen Cloud-Diensten rund 1 Milliarde Umsatz im Quartal, das Wachstum in der Sparte, zu der die Cloud-Aktivitäten gehören, hat sich im vergangenen Quartal aber deutlich abgeschwächt.

          Für Greene kein Grund zur Sorge, die 63 Jahre alte Ingenieurin glaubt daran, dass vor allem Googles Wissen im Bereich der Künstlichen Intelligenz letztlich dabei helfen wird, Kunden zu überzeugen. „Wir sind ziemlich gut darin und machen das seit bald 20 Jahren. Daher hat Google hier einfach einen Vorsprung“, sagt sie selbstbewusst. Google-Chef Sundar Pichai hat gerade verkündet, dass das Cloud-Geschäft ein „gutes Momentum“ habe – der Bereich, den Greene leitet, gehört zu einem der wichtigsten für die Zukunft des Unternehmens. Natürlich ist für Google vor allem das Werbegeschäft wichtig, doch ist der Cloud-Computing-Bereich einer, der dem Unternehmen mehr Kontakte auch zu Industriekunden bringen könnte.

          Zu denen hat Greene einen guten Draht, denn sie hat eine lange Geschichte in leitenden Positionen. Im Silicon Valley ist sie angesehen für ihre Kontakte in der Softwarewelt. Seit einiger Zeit sitzt sie auch im Aufsichtsrat des deutschen Softwarekonzerns SAP. „Ihre umfassenden Kenntnisse der Softwarebranche werden ein großer Gewinn sein“, sagte Hasso Plattner, SAP-Gründer und Chefaufseher zur Verkündung der Personalie im Frühjahr. Auf einer Cloud-Konferenz von Google in London hat Greene kürzlich gleich mehrere Partnerschaften von Google mit großen deutschen Unternehmen wie Metro oder Eon beworben.

          Von der Bohrinsel zum Softwarekonzern

          Bevor sie zu Google kam, hatte Greene das Softwareunternehmen VM Ware mitgegründet. Das hat sich darauf spezialisiert, mit Hilfe von Software Teile der Hardware zu simulieren. Virtualisierung nennt sich das, damit können Geräte optimal ausgelastet werden. Das Geschäftsmodell ist so etwas wie der Vorläufer der Cloud, bei der die Informationstechnologie über Rechenzentren ins Internet verlagert wird.

          Greene führte das Unternehmen zu einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar, auch als der Speicherhersteller EMC im Jahr 2003 VM Ware für 625 Millionen Dollar kaufte, blieb sie noch als Vorstandsvorsitzende an Bord. Vor zehn Jahren krachte es allerdings im Vorstand, weil das Geschäft langsamer wuchs als erhofft. Greene wurde gefeuert, was den Aktienkurs um ein Viertel einbrechen ließ. Drei weitere Führungskräfte verließen aus Solidarität das Unternehmen ebenfalls, einer davon war ihr Ehemann Mendel Rosenblum, auch er ist einer der Gründer von VM Ware.

          Mit Rosenblum hat Greene zwei Kinder, ihn lernte sie schon an der Universität in Berkeley kennen, wo sie Informatik studierte. Dieser Schritt zur IT war es, der ihrer Karriere den richtigen Auftrieb gegeben hatte. Denn eigentlich ist Diane Greene Ingenieurin, sie studierte Maschinen- und Schiffsbau und arbeitete in der Ölindustrie. Das war eher kein Ort, an dem Frauen besonders häufig anzutreffen waren – auf die Bohrinseln wurde die junge Frau damals in den 1980er-Jahren nie mitgenommen. Deshalb analysierte sie lieber Daten, was sie im Informatikstudium dann vertiefte.

          „Mädchen dazu bewegen programmieren zu wollen“

          Im Silicon Valley gehört sie aber auch heute noch zu den wenigen Frauen, die in Machtpositionen sitzen. Dabei gab es in ihrem Studiengang viele Frauen, sagte sie einmal in einem Interview. Heute sind es vor allem Männer, die sich für die Technologie-Berufe entscheiden. „Wir müssen schon Mädchen dazu bewegen programmieren zu wollen“, sagt Greene deshalb. Viele Frauen würden sie ansprechen, die durch ihre Karriere inspiriert seien. „Je mehr Frauen wir in solchen Rollen sehen, desto einfacher wird es.“ Bei Google würden in ihrem Team schon in jedem Meeting zur Hälfte Frauen sitzen. Das liege nicht an einer Quote, beteuert die Managerin. „So arbeiten wir. Ich glaube, dass es uns besser macht“, sagt Greene.

          Kürzlich habe ihr ein deutscher Kunde gezeigt, welche Apps seine 9 Jahre alte Tochter in der Programmiersprache Python schreibt. „Wenn das alle Neunjährigen machen würden, wäre unsere Arbeit erledigt – in der Realität steht uns aber noch einiges bevor.“ Diane Greene setzt schon mal die Segel.

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