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Verlierer im Cyberkrieg : Wo Deutschland die Sicherheit des Landes gefährdet

Der deutschen Wirtschaft entsteht durch Internet-Kriminalität jedes Jahr ein Milliarden-Schaden. Bild: dpa

Die Sicherheit in Computernetzwerken wird in Deutschland stiefmütterlich behandelt. Der Staat und die EU tun zu wenig. Andere Länder machen das besser und setzen Standards.

          Um die Sicherheit in deutschen Computernetzwerken steht es schlecht. Der Angriff auf die deutschen Regierungsnetze hat es gerade erst wieder bewiesen. Andere Länder, allen voran die Vereinigten Staaten und Israel, investieren viel Geld, damit es ihnen in dieser Hinsicht besser geht. Und sie haben damit Erfolg. Die deutsche Diskussion in der Informationstechnologie hingegen dreht sich vor allem um den schleppenden Ausbau der Breitbandnetze. Um zu erkennen, wie viel durch die Nachlässigkeit in Deutschland und auch in Europa auf dem Spiel steht, muss man kein Informatiker sein. Ein Blick auf ein paar aggregierte Zahlen aus öffentlich zugänglichen Statistiken genügt.

          So wird der amerikanische Cybersicherheitsmarkt Schätzungen zufolge von 18 Milliarden Dollar im Jahr 2017 auf 22 Milliarden Dollar bis 2022 wachsen. Die Wachstumsrate ist gar nicht so beeindruckend, wohl aber die absolute Höhe im internationalen Vergleich. Denn das Volumen des gesamten Weltmarkts wird von Marktforschungsagenturen wie Gartner und IDC auf 70 bis 80 Milliarden Dollar geschätzt. Auf die Vereinigten Staaten entfällt also rund ein Viertel des Marktes. Auch der Rest ist damit zwar noch groß, aber bedient wird die Nachfrage auch dort vor allem von Unternehmen aus den Vereinigten Staaten.

          Wohin die Reise geht, zeigt sich noch viel stärker beim Blick auf das, was die amerikanische Regierung tut: Denn die jährlichen Cybersicherheitsausgaben der Bundesregierung in Washington sind größer als alle nationalen Cybersicherheitsausgaben aller Länder der Welt zusammen: Laut „Cybersecurity National Action Plan“ sollten in den Vereinigten Staaten 2017 rund 19 Milliarden Dollar für Cybersicherheitszwecke aufgewendet werden. Die gar nicht so indirekte Folge: Unter den größten 500 Cybersecurity-Unternehmen befinden sich 364 in den Vereinigten Staaten und rund ein Drittel von ihnen in Kalifornien.

          Mithalten könnte man, wen man wollte. Denn es gibt ein sehr kleines Land, das die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt hat: Schon 34 große Cybersicherheits-Unternehmen in der Top-500-Liste befinden sich in Israel, was es zum zweitgrößten Markt nach den Vereinigten Staaten macht. Und die israelische Cybersicherheitsindustrie entwickelt sich zügig weiter, mit großer Unterstützung des Staates, der sich einer permanenten Bedrohung durch seine Nachbarn ausgesetzt sieht: Premierminister Benjamin Netanyahu bezeichnete die Cybersecurity-Technologie neben diesen Sicherheitsaspekten zudem als einen Motor des Wachstums für Israel und versprach Millionen Schekel in Anreize für Unternehmen und Start-ups zu investieren.

          Strategische Wirtschaftsförderung

          Wie strategische Wirtschaftsförderung gezielt betrieben werden kann, zeigt sich somit in Amerika und Israel gleichermaßen. Private Unternehmen entwickeln, auch mit Hilfe von sehr potenten Wagniskapitalgebern, in enger Zusammenarbeit mit den entsprechenden Sicherheitsbehörden hoch innovative Lösungen, die auf der ganzen Welt zum Standard werden. Das macht den Markteintritt für Unternehmen aus anderen Ländern immer schwieriger.

          Und obendrein ist das Entwicklungstempo hoch: Für unterschiedlichste Behörden arbeitet zum Beispiel Crowd-Strike. Gegründet im Jahr 2011, verfolgt das amerikanische Unternehmen die einfache Vision, Sicherheitslücken zu schließen. Und ist dabei sehr erfolgreich. Für viele Besucher des Digitalkongresses DLD im Januar in München gab es nichts Wichtigeres, als die Vertreter dieses Unternehmens hinter den Kulissen zu treffen. Gekommen war immerhin Dmitri Alperovitch, Technologiechef und Mitbegründer von Crowd-Strike. Erst kürzlich konnte er sich frisches Beteiligungskapital in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar sichern.

          Klar erkennbar ist, dass gerade im sicherheitsrelevanten Umfeld Aufträge von Behörden jungen IT-Unternehmen einen bedeutenden Vorsprung gegenüber Wettbewerbern sichern. Spricht man darüber mit Vertretern der deutschen Digitalbranche, ist die Botschaft eindeutig: Die Tore zu den Regierungsaufträgen für Tech-Startups gilt es auch hierzulande weit zu öffnen. Ziel in Deutschland müsse es sein, ebenfalls technologisch souverän zu agieren – alles andere seien nur Tropfen auf den heißen Stein. Das zögerliche Vorgehen gefährde gar die Zukunft des Landes.

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