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Facebook-Gründer Zuckerberg : „Es wird Jahre dauern, bis wir durch dieses Loch durch sind“

Mark Zuckerberg bei einem Treffen mit Unternehmern im November 2017 Bild: AP

Wird sich Facebook von seiner Krise erholen? Mark Zuckerberg bleibt optimistisch. Doch er beschreibt einen längeren Weg, als sich das die Nutzer wünschen dürften.

          Das größte soziale Netzwerk der Welt steckt in seiner bislang größten Krise. Infolge des Daten-Skandals um die britische IT-Firma Cambridge Analytica hat Facebook einen hohen zweistelligen Milliardenmarktwert verloren an der Börse. Mehrfach gelobte Unternehmensgründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg, dass die Probleme angegangen werden – der amerikanische Kongress hat ihn mittlerweile einbestellt, Politiker rund um den Globus erhöhen den Druck, in Amerika und Europa.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht erst infolge des jüngsten Falles ist dabei sichtbar geworden, wie sich gerade auch die Zuversicht in neue Technologien wie Soziale Netzwerke, Smartphones und das Internet selbst verändert hat in den vergangenen Jahren. „Das ist ein ernster Moment für die Zukunft des Netzes“, äußerte Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Webs, gerade, bekundete aber zugleich, warum er zuversichtlich bleibe: Die Probleme, „die wir heute sehen, sind Bugs im System. Bugs können Schaden verursache, aber Bugs sind von Menschen kreiert und können von Menschen repariert werden.“

          Mark Zuckerberg hat nun ebenfalls eingestanden, insgesamt zu optimistisch gewesen zu sein. „Ich denke, der wesentliche Punkt ist, dass wir wirklich idealistisch sind. Als wir begannen, dachten wir darüber nach, wie großartige es wäre, wenn sich die Menschen verbinden könnten, wenn jeder eine Stimme hätte“, sagte er in einem Gespräch mit dem Internetdienst „Vox“. Und gab zu: „Ganz offen, wir verwendeten nicht genug Zeit darauf, einige der Missbrauchsmöglichkeiten der Tools zu durchdenken. In den ersten zehn Jahren des Unternehmens war jeder einfach auf das Positive fokussiert.“

          „Nicht so, als hätten wir nichts getan“

          Tatsächlich hat Facebook auch ein beeindruckendes Wachstum hinter sich. Mehr als zwei Milliarden Menschen nutzen das Netzwerk monatlich, die Gruppe der Facebook-Mitglieder ist größer als die Zahl der Chinesen oder Muslime auf der Welt – nur Christen und Fußballfans gibt es mehr auf der Erde. Wie sich der jüngste Skandal auswirken wird, bleibt aber abzuwarten.

          Facebook, so wiederum Zuckerberg in dem Gespräch weiter, sei allerdings zu langsam gewesen, ausreichend Geld zu investieren, um die Risiken und den möglichen Missbrauch klein zu halten. Das habe sich jedoch bereits geändert. „Es ist nicht so, als hätten wir nichts getan“, sagte Zuckerberg. Am Ende dieses Jahres würden sich 20.000 Mitarbeiter um Sicherheitsfragen kümmern – eine Verdoppelung gegenüber dem Personal, das sich zu Beginn des vergangenen Jahres damit befasst hätte

          „Menschliche Natur positiv“

          Zugleich stellte der Unternehmer jedoch in Aussicht, dass viel Zeit vergehen wird, bis er alle Probleme in den Griff bekommen hat. „Ich denke, dass wir uns durch dieses Loch graben werden, aber das wird einige Jahre dauern.“ Er wünsche sich, alle Angelegenheiten „in drei oder sechs Monaten zu lösen“. In der Realität werde es stattdessen „eine längere Zeit“ brauchen, um einige der Fragen zu beantworten. Er ließ offen, welche das sind. Er hoffe, dass er mit Facebook am Ende dieses Jahres bereits wieder begonnen habe, „die Kurve zu kriegen“ in einigen Fragen.

          Auch wenn es um neue Technologien und das Internet gehe, zeigte sich Zuckerberg zuversichtlich. Anders als Fachleute wie der Politologe Francis Fukuyama, nach dessen Auffassung sich die anfangs gehegte Hoffnung, dadurch werde sich Demokratie und Freiheit rund um die Welt ausbreiten und festigen, nicht bestätigt habe, im Gegenteil: Autoritäre Regierungen seien besser darin gewesen, das Internet für ihre Ziele zu instrumentalisieren, etwa Russland und China, findet er. Der Unternehmer und Politikwissenschaftler Ian Bremmer hält sogar für möglich, dass sich aus der technischen Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und China heraus das Internet (noch) stärker fragmentieren könne.

          „Ich denke, die menschliche Natur ist generell positiv“, sagte wiederum Mark Zuckerberg nun. „Ich bin da ein Optimist.“ Es gehöre zu seiner Verantwortung und der Verantwortung Facebooks, „das Gute zu unterstützen, dass Menschen tun können, wenn sie sich verbinden und die schlechten Dinge zu verhindern, die sie versucht sein können, sich anzutun.“ Ob dies gelingt, ist aus seiner Sicht die langfristige „entscheidende Frage“: „Haben wir Menschen befähigt, auf neuen Wegen zueinander zu kommen – sei es, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, neue Unternehmen zu gründen, neue Idee zu verbreiten, einen offeneren Diskurs zu fördern, es guten Ideen zu erlauben, sich schneller in der Gesellschaft zu verbreiten, als sie es sonst getan hätten?“

          Und gelinge es Facebook, da wurde er ganz konkret im Hinblick auf die jüngere Vergangenheit, zu vermeiden, dass Regierungen sich in die Wahlen anderer Länder einmischen? Und „eliminieren wir oder reduzieren wir wenigstens dramatisch Dinge wie Hate Speech“?

          Facebook befinde sich in der Mitte eines Umbaus, „und wir hätten sicherlich einen besseres Job machen können bisher“, befand Zuckerberg. Er hoffe, dass in fünf oder zehn Jahren die Nutzer seiner Erfindung zurückblicken werden und unter dem Strich den „Effekt, sich online verbinden zu können, eine Stimme zu haben und zu teilen, was für sie bedeutsam ist als eine gewaltige positive Sache auf der Welt“ bewerten werden. Er ist, so viel ist zumindest gewiss, nicht der einzige, der sich dafür interessieren wird. Und nicht erst in zehn Jahren.

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