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F.A.Z. exklusiv : Eine Milliarde für die Verteidigung gegen Angriffe aus dem Netz

Der deutschen Wirtschaft entsteht durch Internet-Kriminalität jedes Jahr ein Milliarden-Schaden. Bild: dpa

55 Milliarden Euro – so hoch ist der jährliche Schaden durch Cyberkriminalität alleine für die deutsche Wirtschaft. Der Verband für IT-Sicherheit schlägt in der F.A.Z. Alarm – und richtet eine Forderung an die nächste Regierung.

          Der deutsche Bundesverband für IT-Sicherheit, Teletrust, fordert von der künftigen Bundesregierung, dass sie mindestens eine Milliarde Euro im Jahr für Cybersicherheit ausgibt und dieses Ziel auch im Koalitionsvertrag festschreibt. In dem Verband sind 340 Unternehmen aus dem IT-Sicherheitsbereich organisiert, dazu zahlreiche Behörden, die Cyberkriminalität verfolgen, wie das Bundeskriminalamt oder das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          „Mit dem Geld sollen dringend erforderliche finanzielle und organisatorische Maßnahmen ermöglicht werden, die das Cybersicherheitsniveau in Unternehmen und Behörden deutlich erhöhen“, heißt es in der Forderung, die in dieser Woche versendet wird und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorab vorliegt.

          Angesichts der jährlichen Schäden für die Wirtschaft in Höhe von 55 Milliarden Euro alleine in Deutschland sei eine Förderung von einer Milliarde keine übertriebene Forderung. Großbritannien etwa habe in seiner aktuellen Cybersicherheitsstrategie beschlossen, in den nächsten fünf Jahren zwei Milliarden Euro in IT-Sicherheit zu investieren.

          Zu vielen Daten unverschlüsselt

          „Wir laufen blind in ein immer größeres Risiko rein“, sagt Norbert Pohlmann, Vorsitzender von Teletrust. Sowohl auf Länder- und Bundesebene als auch in der Europäischen Union gebe es Digitalisierungs-Kampagnen zuhauf, ohne dass die Risiken in der IT-Sicherheit mitgedacht werden. Immer wichtigere Prozesse würden digitalisiert und die Gefahr von Angriffen steige dadurch stark. „Wir haben einen hohen Bedarf an IT-Sicherheit und müssen uns viel stärker zusammentun in Wirtschaft und Politik.“ Konkrete Ziele zu Cybersicherheitsstrategien gebe es noch kaum.

          Pohlmann stört sich etwa daran, dass hierzulande nur gut die Hälfte aller im Internet verschickten Datenpakete verschlüsselt sind. „Warum liegen wir da nicht längst bei 95 Prozent? Das wäre durchaus möglich.“

          Dass solche Entwicklungen auch von den Mitgliedsunternehmen und Behörden allein getrieben werden könnten, glaubt der Teletrust-Vorsitzende offenbar nicht. Vielmehr will der Verband ein Bekenntnis der Politik dazu, dass Cybersicherheit eines der wichtigsten Themen für die Zukunft ist. So fordert Teletrust auch mehr Personal und ein höheres Budget für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das dem Verband als Mitglied angehört.

          Und außerdem müsse es bessere Anreizsysteme für Behörden und Unternehmen geben, die vom BSI empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen auch tatsächlich umzusetzen. „Wir glauben, dass die Investition auch dem Staat helfen würde, Vertrauen aufzubauen“, sagt Pohlmann.

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