http://www.faz.net/-gqe-95fng

Tech-Übernahme : Citigroup: Apple könnte Netflix kaufen

Reed Hastings ist Gründer und Vorstandschef von Netflix. Bild: Reuters

Durch die amerikanische Steuerreform können Konzerne im Ausland geparkte Gewinne günstiger nach Amerika transferieren. Das sorgt für neue Übernahmespekulationen, die durchaus einen plausiblen Kern haben.

          Der Technologiekonzern Apple verfügt über eine prall gefüllte Geldbörse: Ungefähr 250 Milliarden Dollar befinden sich in der Kasse. Geld, welches das Unternehmen ziemlich umgehend verwenden könnte. Viele Spekulationen darüber gibt es schon länger. Der iPhone-Hersteller könnte damit beispielsweise Aktien zurückkaufen und eine höhere Dividende an seine Aktionäre ausschütten – beides käme seinen Eigentümern (kurzfristig) zugute.

          Alexander     Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein andere Möglichkeit besteht darin, dass Apple andere Unternehmen übernimmt und infolgedessen entweder noch stärker auf bereits existierenden Geschäftsfeldern wird, oder neue Geschäftsfelder erschließt. Denn so glänzend die Geschäftszahlen regelmäßig ausfallen und so gewaltig der Marktwert mittlerweile ist (mit beinahe 900 Milliarden Dollar ist es mit gehörigem Abstand der höchste eines börsennotierten Unternehmens auf der ganzen Welt), so zeigen sie stets auch: Der Erfolg Apples hängt nahezu vollumfänglich an der Beliebtheit seines Smartphones auf der ganzen Welt.

          Die Diskussion darüber, ob Apple daran durch Zukäufe etwas ändert, nimmt nun neue Fahrt auf, denn in der Kalkulation hat sich eine Größe verändert. Und die hängt mit der gerade von den Republikanern auf den Weg gebrachten und vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump bereits unterschriebenen Steuerreform zusammen. Sie ermöglicht es Konzernen wie Apple, im Ausland angesparte Gewinne günstiger in die Vereinigten Staaten zu transferieren – nämlich zu einem merklich geringeren Steuersatz als bislang. Für Apple könnte sich das als besonders einflussreich herausstellen, weil das Unternehmen etwa 90 Prozent seines Kassenbestandes im Ausland hält.

          Washington : Dezember 2017: Trump unterzeichnet Steuerreform

          iTunes reicht nicht

          Und genau an dieser Stelle setzen Jim Suva und Asiya Merchant an, zwei Fachleute der amerikanischen Großbank Citigroup. „Die Firma verfügt über zu viel Bares – ungefähr 250 Milliarden Dollar, das Jahr für Jahr um 50 Milliarden Dollar wächst“, schreiben sie in einer Analyse, wie der Finanzdienst „Bloomberg“ berichtet. Und sie fügen hinzu: „Das ist natürlich ein Problem.“ Sie haben eine Matrix erstellt, aus der die aus ihrer Sicht wahrscheinlichsten Übernahmeziele von Apple hervorgehen. Attraktivster Kauf ist demnach der immer beliebtere Streamingdienst Netflix.

          Im dahinter stehenden Geschäft ist die Konkurrenz groß: Der Onlinehändler Amazon mischt darin mit, die Plattform Hulu. Im Sommer kündigte Walt Disney zudem die Partnerschaft mit Netflix. Stattdessen soll ein eigenes Angebot den Unterhaltungskonzern voranbringen, der längst auch über die Rechte an Kino-Epen wie der Weltraumsaga „Star Wars“ verfügt.

          Apple versucht ebenfalls seit einiger Zeit, in diesem Bereich voranzukommen. Das eigene Angebot iTunes ist natürlich insgesamt ein Erfolg, aber im Videobereich reicht es der Apple-Führung offenkundig nicht aus: Unlängst gab das Unternehmen beispielsweise bekannt, die beiden Schauspielrinnen Jennifer Aniston und Reese Witherspoon engagiert zu haben für eine eigene Fernsehserie.

          Auch Disney auf dem Zettel?

          Netflix wiederum verzeichnet stark wachsende Nutzerzahlen und hat mittlerweile mehr als 100 Millionen Abonnenten auf der ganzen Welt. Der Börsenwert des Dienstes beträgt mittlerweile mehr als 80 Milliarden Dollar. Das ist eine große Summe für eine Übernahme – mit Blick auf den Kassenbestand könnte Apple sich das aber ziemlich problemlos leisten. Die beiden Citigroup-Fachleute beziffern die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Apple in nächster Zeit für Netflix bietet, selbst auf 40 Prozent.

          Interessant ist überdies, wen die beiden Citigroup-Fachleute in ihrer nun breiter bekannt gewordenen Analyse aus dem Dezember ebenfalls als Übernahmeziel von Apple erachten: Den Disney-Konzern selbst. Diesem Szenario maßen sie immerhin eine Wahrscheinlichkeit von ungefähr 25 Prozent bei. Das war übrigens noch, bevor Disney seinerseits die Übernahme großer Teile des Konkurrenten 21st Century Fox für 66 Milliarden Dollar einschließlich Schulden auf den Weg brachte. Dem Disney-Aktienkurs hat das bislang geholfen. Und schließlich zahlen sich große Übernahmen naturgemäß immer auch für diejenigen aus, die sie organisieren (oder anregen) – die meist großen internationalen Banken.

          Weitere Themen

          Gewinnmaschine iPhone

          Apples Premium-Handy : Gewinnmaschine iPhone

          Apple ist das wertvollste Unternehmen der Welt. Ein neuer Vergleich zeigt die unglaubliche Dominanz des Konzens– und auch des neuen „Flop“-Handys.

          Zusätzliche Zölle von 100 Milliarden Dollar Video-Seite öffnen

          Handelsstreit : Zusätzliche Zölle von 100 Milliarden Dollar

          China hatte auf die amerikanischen Zölle gekontert, jetzt schaukelt sich der Handelsstreit weiter hoch: Bei einem Auftritt in West Virginia sprach Donald Trump von weiteren Zöllen für chinesische Produkte. Auch die Handelsbeziehungen mit der EU sprach er an.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.