http://www.faz.net/-gqe-96o3z

Im Warenlager : Amazon patentiert Überwachungs-Armbänder

  • -Aktualisiert am

Amazon-Mitarbeiter könnten bald durch Armbänder überwacht werden. Bild: dpa

Dieses Patent hat zwei Seiten: Ein Armband könnte Amazon-Mitarbeitern helfen, weniger Fehler zu machen. Die Technik kann aber auch ganz anders eingesetzt werden.

          Amazon hat zwei Patente für elektrische Armbänder zugesprochen bekommen, die Bewegungen von Mitarbeitern registrieren können. Die Geräte sollen offenbar vor allem von Angestellten in Amazons riesigen Warenhäusern verwendet werden und können wohl dabei helfen, Waren schneller zu sortieren und einzuscannen. Die Patente wurden im Jahr 2016 angemeldet und am Dienstag vom amerikanischen Patentamt bestätigt.

          Aus den Patenten geht hervor, dass die Armbänder die genauen Handbewegungen der Mitarbeiter durch Ultraschall- und Funktechnologie mitverfolgen können. Sortiert ein Mitarbeiter eine Ware in das falsche Regal ein, vibriert das Armband. Die Erfindung besteht also aus drei Teilen: den Armbändern, mit Ultraschallsensoren ausgestatteten Regalen und einer Überwachungseinheit.

          In den Patentschriften werden die Armbänder als zeitsparende Innovation angepriesen. „Um Waren zu identifizieren, müssen die Mitarbeiter oft zeitaufwendige Schritte durchführen (...)  Dementsprechend brauchen wir einen bessere Ansatz, um Inventargegenstände zu identifizieren“, heißt es dort. Durch die Armbänder könnten Angestellte Waren effizienter identifizieren und einsortieren.

          Das System sei auch billiger als die Kamera- und Sensorentechnik, die Amazon bereits in seinem „Amazon Go“ Supermarkt einsetzt. Dort können Einkäufer Ware einfach mitnehmen, ohne zur Kasse zu gehen; bezahlt wird automatisch über das Handy. Die Technik wurde aber von den selben Experten entwickelt: Jonathan Cohn, Projektleiter von „Amazon Go“, und Tye Brady, Experte bei Amazon Robotics, meldeten die Patente an.

          Amazon überwacht seine Mitarbeiter jetzt schon

          Die Armbänder beschleunigen nicht nur die Arbeitsabläufe, sie erleichtern auch die Überwachung der Angestellten. Jedes Mal, wenn ein Mitarbeiter eine falsche Bewegung macht – bei einer kurzen Pause oder wenn es gerade nicht schnell genug beim Sortieren geht – weiß das Armband Bescheid. So kann der Arbeitgeber die Produktivität einzelner Lagerarbeiter genauer als bisher überwachen, vor allem kann er feststellen, auf welche Weise Arbeiter Zeit verlieren.

          Wie viel die Lagerarbeiter einräumen, wird dagegen jetzt schon überwacht. Schon seit Jahren wird über die Arbeitsbedingungen in Amazon-Auslieferungslagern diskutiert. Die Leistung der Mitarbeiter wird praktisch auf Schritt und Tritt überwacht und ausgewertet, schon an etwas schlechteren Tagen können viele Mitarbeiter die Vorgaben nicht mehr einhalten.

          Trotz der Bestätigung der Patente ist allerdings noch nicht sicher, ob die Armbänder tatsächlich zum Einsatz kommen. Bisher handelt es sich nur um einen patentierten Designentwurf. Amazon hat sich zu den Patenten nicht geäußert.

          Weitere Themen

          Nahles unterstützt Proteste Video-Seite öffnen

          Amazon-Mitarbeiter : Nahles unterstützt Proteste

          Mitarbeiter von Amazon haben die Verleihung eines Preises an Firmenchef Jeff Bezos zum Anlass für Proteste in Berlin genommen. Es sei ein „Hohn und eine Schande“, dass so ein Preis an so einen Unternehmer gehe, sagte SPD-Parteichefin Nahles.

          Wir machen mehr Müll

          Abfall in Deutschland : Wir machen mehr Müll

          In Europa entsteht vielerorts immer weniger Müll – nur nicht hierzulande. Das liegt nicht nur daran, dass es uns einfach gut geht, oder an den frischen Beeren im Supermarkt.

          Topmeldungen

          Treffen in Paris : Neuer Friedensversuch für Syrien

          Hunderttausende Tote, Millionen Flüchtlinge, unzählige verwüstete Städte und Dörfer: Nach sieben Jahr Krieg gibt es einen neuen Friedensversuch – und damit neue Hoffnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.