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Lebensmittel : Amazon stellt Lieferdienst „Fresh“ teilweise ein

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Hohe Lieferkosten und komplizierte Lieferbedingungen: Im Lebensmittelhandel spielt der Online-Einkauf noch keine große Rolle. Bild: dpa

Der Online-Händler beendet „Amazon Fresh“ in einigen amerikanischen Städten. Ob der Rückzug Auswirkungen auf das deutsche Geschäft hat, ist noch nicht bekannt.

          Der Online-Händler Amazon stellt in einigen Orten in den Vereinigten Staaten die Lieferung mit Lebensmitteln ein. Der „Amazon Fresh“ genannte Dienst ist in Teilen der Bundesstaaten New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland und Kalifornien von Ende November an nicht mehr verfügbar. Das teilte Amazon den dortigen Kunden in einer E-Mail mit. In den sozialen Netzwerken beschweren sich zahlreiche Kunden darüber – und vor allem über die Art der Ankündigung. Weitere Erklärungen gibt es nämlich kaum.

          Zwar bestätigte Amazon am Freitag, dass der Lieferdienst in einigen Regionen eingestellt wird, verweigerte aber weitere Kommentare dazu. Einzig mit dem Kauf der Supermarktkette Whole Foods habe die Ankündigung nichts zu tun. Amazon hat die Bio-Supermarktkette für 13,7 Milliarden Dollar übernommen und damit vor allem den traditionellen Einzelhandel aufgeschreckt. Denn damit entsteht nicht nur neue Konkurrenz, sondern es ist auch der größte Schritt in den Handel mit Lebensmitteln bisher. Für den teuersten Zukauf in seiner Geschichte erhält Amazon mehr als 450 große Läden in zum Teil kaufkräftigen Gegenden in den Vereinigten Staaten.

          Mit dem Lieferdienst Fresh experimentierte Amazon in seiner Heimatstadt Seattle schon länger. Fast zehn Jahre gibt es das Angebot dort. Mehr als fünf Jahre brauchte der Online-Händler, um auch in andere Städte vorzudringen. Das zeigt, wie kompliziert der Versand von frischen Lebensmitteln selbst für ein so großes Unternehmen wie Amazon ist. Im vergangenen Jahr brachte der Onlinehändler den Lebensmittellieferdienst nach Großbritannien, vor kurzem kamen Japan und Deutschland hinzu.

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          Spendierfreudige „Prime“-Mitglieder

          Hierzulande können einige Kunden in Berlin, Potsdam und Hamburg den Zusatzdienst von Amazon für 9,99 Euro nutzen, wenn sie auch Abonnenten des Premiumdienstes Prime sind, der 69 Euro im Jahr kostet. Diese Amazon-Kunden bekommen gegen diese Gebühr einige Leistungen, von schnellem kostenfreiem Versand bis zu einer Online-Videoplattform. „Prime“-Mitglieder sind laut Studien eine besonders bestellfreudige Klientel, sie geben fast doppelt so viel im Jahr aus wie gewöhnliche Kunden.

          Ob der Rückzug im Heimatland auch Auswirkungen auf das deutsche Geschäft hat, will Amazon nicht sagen. In den Vereinigten Staaten konkurriert Amazon mit dem Start-up Instacart aus San Francisco, das ebenfalls Lebensmittellieferungen in wenigen Stunden anbietet. Auch in Deutschland gibt es einige Konkurrenten. Vor allem traditionelle Einzelhändler verschicken Lebensmittel mit der Post. Marktführer im Online-Handel mit Lebensmitteln ist die Kölner Rewe-Gruppe mit mehr als 100 Millionen Euro.

          „Die Messlatte des deutschen Einzelhandels liegt sehr hoch“

          Bisher spielt im Lebensmittelhandel der Online-Einkauf noch eine verschwindend geringe Rolle. In der umkämpften Branche, in der der Preis für die Kunden noch immer mit das stärkste Argument ist, liegt der Online-Anteil bei etwa einem Prozent. Im gesamten Einzelhandel macht er hingegen rund 10 Prozent aus. Nach einer Erhebung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) erledigen gerade einmal 1,4 Prozent der Konsumenten hierzulande mindestens die Hälfte ihrer Lebensmitteleinkäufe online. Abschreckend wirkten neben dem lückenhaften Sortiment und der mangelnden regionalen Abdeckung bisher vor allem hohe Lieferkosten und komplizierte Liefermodalitäten.

          Nach Prognosen des Marktforschungsinstituts GfK und der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman könnten in den kommenden drei bis acht Jahren allerdings schon Lebensmittel im Wert von sieben Milliarden Euro übers Internet bestellt werden. „Die Messlatte des deutschen Einzelhandels liegt sehr hoch, das ist uns bewusst“, sagte Florian Baumgartner, der Amazon Fresh in Deutschland verantwortet, dieser Zeitung zum Start des Lieferdienstes. „Mit den Erfahrungen aus Amerika, England und Japan fühlen wir uns aber gut ausgerüstet.“ Diese Erfahrung hat nun einen Dämpfer bekommen. Amazon ist sonst nicht bekannt dafür, einmal angebotene Leistungen für Kunden wieder einzustellen. Ob Amazon in Deutschland noch weitere Städte beliefern will, ist unbekannt, Baumgartner macht dazu keine Angaben.

          Mit „Fresh“ liefert der Online-Händler frische Ware in isolierten Kühltaschen. Das Konzept ist logistisch schwierig, weil die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf. Bestimmte Lebensmittel hat Amazon mit dem Programm „Pantry“ schon seit mehreren Jahren im Angebot, darauf weist Amazon in der Kündigungs-E-Mail an seine Kunden auch hin. Der Konzern experimentiert mit vielen Lieferkonzepten und auch eigenen Läden oder Abholstationen, in denen Kunden Ware in Empfang nehmen können.

          Quelle: F.A.Z.

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