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„Sie verbessern sich nicht“ : Jack Ma erklärt, welche Vorteile China gegenüber Amerika hat

  • Aktualisiert am

Jack Ma gründete das Internetunternehmen Alibaba im Jahr 1999. Bild: AFP

Er ist der bekannteste Internetunternehmer Chinas und hat in diesem Jahr schon vor einem dritten Weltkrieg gewarnt und den Vier-Stunden-Arbeitstag in Aussicht gestellt. Nun lobt Jack Ma die Kommunistische Partei geradezu überschwänglich – nicht nur in einer Hinsicht.

          Jack Ma ist um kontroverse Aussagen nie verlegen. Chinas bekanntester Internetunternehmer hat erst im Sommer über die möglicherweise dramatischen Folgen weiter entwickelter Künstlicher Intelligenz gesagt: „Glauben Sie es oder nicht, ich denke, in den nächsten 30 Jahren werden Menschen vier Stunden am Tag arbeiten und vielleicht vier Tage die Woche.“ In den kommenden 30 Jahren werden schlaue Computer seiner Ansicht nach menschliches Wissen überholen und ausstechen. Viele Arbeitsplätze würden dadurch wegfallen. Und er prognostizierte: Diejenigen, die mithalten können mit dieser Entwicklung, „werden reich, werden erfolgreicher sein“.

          Denjenigen, die dadurch zurückgelassen werden, sagte er eine „schmerzhafte“ Zeit voraus. Sogar einen dritten Weltkrieg wollte Ma nicht ausschließen für den Fall, dass sich die Gesellschaften nicht gut vorbereiteten auf diese bevorstehenden Veränderungen.

          Jetzt sind gerade in China die Hoffnungen besonders groß, teils religiös, die auf dieser Technologie ruhen. Die Führung in Peking hat ebenfalls im Sommer einen KI-Plan angekündigt mit dem ausdrücklichen Ziel, China bis ungefähr zum Jahr 2030 zur führenden Nation auf der ganzen Welt zu machen, wenn es um Künstliche Intelligenz und ihren möglichst breiten Einsatz geht. Das alarmierte nicht nur Politiker in den Vereinigten Staaten. Unlängst mahnte auch der langjährige ehemalige Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt, wenn Amerika sich nicht mehr engagiere in diesem Bereich, werde sein Vorsprung in fünf Jahren dahin sein. „Sie (die Chinesen) sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen“, so Schmidt.

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          „Es gibt kein Land auf der Erde wie dieses“

          Jack Ma wiederum, der einst als Lehrer arbeitete, bevor er das mittlerweile zum Weltkonzern aufgestiegene Unternehmen Alibaba gründete, erläuterte nun, welche Vorzüge China derzeit zumal gegenüber den Vereinigten Staaten ausweise. „Ich habe mir den 19. Parteikongress (der Kommunistischen Partei) mehrfach angesehen und unser Unternehmen hat ihn intern mehrfach analysiert. Ich war schon in vielen Ländern gewesen und China hat zwei Vorteile. Der erste ist Chinas politische Stabilität, es gibt kein anderes Land der Welt mit dieser Art von Umgebung“, sagte er einem Bericht des Nachrichtenportals Quartz zufolge während einer Konferenz in der chinesischen Provinz Zhejiang.

          Und er ergänzte mit Blick auf die Vereinigten Staaten: „Die demokratische Partei erklärt ständig, wie schlecht die republikanische Partei ist und die republikanische Partei erklärt ständig, wie schlecht die demokratische Partei ist, und sie verbessern sich beide niemals.“

          Die Kommunistische Partei, die China seit Jahrzehnten alleine regiert, habe in den zurück liegenden fünf Jahren hingegen eine beachtliche „Fähigkeit gezeigt, sie selbst zu verbessern und neu zu erfinden“. Vor fünf Jahren übernahm Xi Jinping den Vorsitz über die KP, infolge des jüngsten Parteikongresses hat er seine Macht nennenswert ausgebaut. Heute sei infolgedessen die „beste Zeit, um in dem Land Geschäfte zu machen“, so Ma weiter. Und lobte gerade auch die Bekämpfung von Korruption unter Xi. „Wir müssen niemanden mehr bestechen.“ Und er fügte lobend hinzu: „Die Arbeit von Chinas sauberer und ehrlicher Regierung hat Aufmerksamkeit in der ganzen Welt auf sich gezogen: Es gibt kein Land auf der Erde wie dieses.“

          Die Äußerungen Mas sind in gewisser Hinsicht beachtlich. Bislang hat er tendenziell eher zurück gehalten mit überschwänglichem Lob der Führung in Peking. Und sie kommen in einer Zeit, in der gerade Vertreter ausländischer Unternehmen, zumal aus Deutschland, klagen über wachsende Restriktionen in China für ihr Geschäft und den höheren Einfluss, den die Kommunistische Partei nehmen möchte. „China will wie Deutschland werden. Aber China glaubt nicht, dass es Platz für zwei Deutschlands auf der Welt gibt“, warnte Derek Scissors, Handelsexperte beim unternehmensnahen „American Enterprise Institute“.

          Der amerikanische Wagniskapitalgeber Jim Breyer sprach während der „Web-Summit“-Konferenz in Lissabon unlängst wiederum sogar von einem technologischen Wettlauf im Bereich der Künstlichen Intelligenz zwischen China gegen Amerika, der ihn an den Kalten Krieg erinnere. „Das ähnelt dem Weltraum-Rennen der Fünfziger“, sagte er: „Das sind zwei bemerkenswerte, große, innovative Länder, welche in vielen Fällen die besten KI-Talente anheuern und unterstützen.“ Die gute Nachricht aus seiner Sicht ist dabei allerdings: „Das führt zu vielen Möglichkeiten für Unternehmer.“

          Quelle: ala.

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