Ob man bei „Deutschlands bekanntestem Arzt“ etwas über Medizin lernen kann, ist fraglich. Eines aber ist sicher: Bei Dr. med. Dietrich Grönemeyer (54) läßt sich viel über erfolgreiches Marketing abspicken.
Es ist schon eine hohe Kunst, mit Büchern monatelang auf die Bestsellerlisten zu kommen, deren Hauptthese lautet, der Patient müsse im Mittelpunkt stehen. Theorien ähnlicher Durchschlagskraft („Gesundheit heißt Wohlbefinden an Körper, Seele und Geist“) haben den gelernten Radiologen („Doktor Hokuspokus“ nennt ihn der „Spiegel“) von Beckmann über Kerner bis Heidenreich Einladungen zu allen Fernsehkaffeekränzchen eingebracht.
Jetzt dreht sich das Blatt
Daß die erfolgreiche Positionierung der Marke Grönemeyer auch seinem Bochumer Institut für Mikrotherapie nicht geschadet haben dürfte, ist erwünschter Nebeneffekt: Für den rückgratgeschädigten Deutschen bietet der Mediziner Therapien an, die High-Tech und östliche Naturheilkunde modisch schick kombinieren.
Doch jetzt dreht sich das Blatt: Ein Berater hat den „Medizin-Papst“ verklagt und droht, den Starkult der Eitelkeit zu enthüllen. Den neidischen Medizinerkollegen kommt das gerade recht. Fazit: Im Promi-Wettlauf mit dem singenden Bruder Herbert Grönemeyer (50) fällt Dietrich dramatisch zurück. Der Held Bochums wird im kommenden Jahr wieder die Stadien füllen, bejubelt von den Zwanzigjährigen.
FAZ-Deutsch
Erhard Grund (ErhGrund)
- 28.12.2006, 19:12 Uhr