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Suche nach den Schuldigen : VW sucht Verantwortliche für umstrittene Abgasversuche

Schlechtes Bild: Volkswagen kommt nicht aus den Schlagzeilen raus. Bild: dpa

Nach den Studien an Tieren und Menschen gerät auch der Lobbyverein EUGT mehr und mehr in den Blick – und bringt Volkswagen in Erklärungsnot.

          Es war im Mai vor fünf Jahren, als die Planungen für eigene Forschungen der Autobranche zur Wirkung von Autoabgasen richtig Fahrt aufnahmen. In einem E-Mail-Wechsel sollen sich damals verschiedene Verantwortliche über Möglichkeiten für eine neue Abgasstudie in Amerika ausgetauscht haben – allen voran der damalige Geschäftsführer der „Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ (EUGT), Michael Spallek. Die Organisation, ein von der Autoindustrie finanzierter Lobbyverein, wollte offenbar nachweisen, dass Dieselabgase weit weniger schädlich waren als unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation eingeschätzt.

          Martin Gropp
          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die damals verschickten Nachrichten bringen den Volkswagen-Konzern heute in Erklärungsnot. Denn zu den Adressaten soll auch der oberste Konzernlobbyist von VW in Berlin gehört haben, der frühere stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Das wirft die Frage auf, ob womöglich sogar der Konzernvorstand, an den Steg regelmäßig berichtete, über die Planungen für die im Jahr 2014 durchgeführten Tierversuche an Affen informiert war. Der Konzern wies diese Darstellung am Montag zurück. „Die Studie war nicht Gegenstand einer Vorstandssitzung“, heißt es in einer Mitteilung.

          Am Montagabend entschuldigte sich Volkswagen-Chef Matthias Müller auf einem Empfang des Unternehmens in Brüssel für die Abgasversuche. Die Details machten ihn fassungslos, sagte Müller laut Redemanuskript. „Die damals von der EUGT in den USA praktizierten Methoden waren falsch, sie waren unethisch und abstoßend.“ Die Vorgänge zeigen ihm auch, „dass wir uns in unserem Unternehmen und als Industrie noch ernsthafter und sensibler mit ethischen Fragen auseinandersetzen müssen“.

          VW will Verantwortlichen finden

          Zuvor hatte Müllers Unternehmen zugegeben, dass einzelne Mitarbeiter Informationen zu der umstrittenen Studie hatten. Es können nicht wenige gewesen sein, folgt man der Darstellung VWs, wonach die Mitarbeiter in der Rechtsabteilung, in den Konzern-Außenbeziehungen, in der technischen Entwicklung der Kernmarke VW sowie bei der amerikanischen Tochtergesellschaft Volkswagen of America saßen. VW-Lobbyist Steg und der damalige EUGT-Leiter Spallek, der in Personalunion leitender Werksarzt der VW-Nutzfahrzeugesparte in Hannover gewesen sein soll, waren am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

          Wer genau die Verantwortung trägt, will der vom Dieselskandal gebeutelte Konzern nun möglichst schnell klären. „Ich werde alles dafür tun, dass der Vorgang umfassend untersucht wird“, ließ sich der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch am Montag zitieren. „Wer auch immer dafür Verantwortung zu tragen hat, ist selbstverständlich zur Rechenschaft zu ziehen.“ Nach Informationen dieser Zeitung will das Präsidium des Aufsichtsrats schon auf seiner Sitzung Mitte nächster Woche ausführlich über das Thema beraten. Gerade Pötsch dürfte daran gelegen sein, die Sache schnell aus der Welt zu schaffen. Schließlich war er zur fraglichen Zeit Finanzvorstand im Konzern, wodurch sich die Frage nach seiner persönlichen Verantwortung stellt. Aus seinem persönlichen Umfeld hieß es dazu am Montag, er habe von den Planungen für die Abgasstudien nichts gewusst.

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