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Volkswagen-Chronik: Vom sauberen Auto zum schmutzigen Skandal

© AFP

Vom sauberen Auto zum schmutzigen Skandal

Von BENJAMIN FISCHER

September 2016 · Es begann alles mit dem Wunsch nach einem sauberen Auto und endete in einem schmutzigen Skandal. FAZ.NET resümiert den VW-Absturz nach manipulierten Abgastests.

Im Volkswagen-Chaos geht der Überblick schnell verloren. VW selbst hat eingeräumt, bis zu 11 Millionen Autos mit Software zur Manipulation von Abgastests ausgerüstet zu haben. Aber was geschah wann? Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse, wie sie sich bislang darstellen. Weitere Informationen gibt es immer aktuell auf unserer Themenseite

2000er Die amerikanischen Umweltbehörden haben besonders strenge Abgasnormen. Unter anderem die Norm Bin-5 Lev II. Sie ist strenger als die seinerzeit in Europa geltende Norm Euro 5.

2005 bis 2006 Die deutsche Automobilindustrie versucht, den modernen Diesel in den Vereinigten Staaten hoffähig zu machen. Nicht nur Volkswagen, sondern auch Mercedes-Benz, Audi und BMW versuchen sich an dieser Aufgabe. Wenn Hersteller in Amerika mit besonders niedrigen Abgaswerten werben, müssen sie besonders restriktive Grenzwerte einhalten. Das will Volkswagen schaffen. Nach bisherigem Wissen ist vermutlich im Laufe des Jahres 2005 die Entscheidung zum Einbau von manipulierter Software gefallen. Und zwar in der Motorenentwicklung der Wolfsburger Zentrale. So wird es jedenfalls in einem Zwischenbericht der internen Revision dargestellt, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Dank der Software-Manipulation kann Volkswagen später die Werte bei Tests einhalten, auf der Straße aber übersteigen die sogenannten „Clean-Diesel“-Fahrzeuge den geforderten Grenzwert um ein Vielfaches.

1. Januar 2007 Martin Winterkorn löst Bernd Pischetsrieder als Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns ab. Winterkorn war zuvor Chef von Audi und saß schon viele Jahre im VW-Konzernvorstand.

Ab 2008 Volkswagen baut den Dieselmotor EA 189, der später als „Schummelmotor“ ins Gerede kommt. Er wird in Millionen Modelle des Konzerns eingebaut, auch in den Golf, den Passat und in viele Modelle von Audi, Skoda und Seat. (Details finden Sie hier)

2011 Volkswagen wirbt in den Vereinigten Staaten mit dem neuen Jetta TDI erstmals mit der Einhaltung der besonders strengen amerikanischen Abgasnorm. Nach Informationen der F.A.S. warnt bereits jetzt ein VW-Techniker vor illegalen Praktiken im Zusammenhang mit Abgaswerten.

Frühjahr 2014 Die bislang nur Experten bekannte Non-Profit-Organisation „International Council on Clean Transportation“ (ICCT) versorgt Umweltbehörden mit wissenschaftlichen Analysen. In diesem Zusammenhang testet es auch stichprobenartig europäische Diesel-Modelle. Nach Diskrepanzen beschließt das Team um Geschäftsführer Peter Mock, die Tests auch auf amerikanische Modelle auszuweiten. John German, Geschäftsführer des ICCT in Amerika: „Wir hatten keinen Grund, Verdacht zu hegen.“ Mercedes stellte kein Fahrzeug zur Verfügung, daher nahmen die Forscher nur den VW Passat (2013) und VW Jetta (2012), sowie den BMW X5 unter die Lupe. Nur der BMW bestand unter realen Bedingungen den Test.

© dpa Die amerikanische Umweltbehörde macht bekannt, dass Volkswagen Abgasuntersuchungen manipuliert hat.

Mai 2014 Das ICCT leitet seine Ergebnisse sowohl an die kalifornische als auch an die amerikanische Umweltbehörde weiter, die wiederum Volkswagen informieren. Der Konzern schiebt die Angelegenheit auf technische Mängel.

Dezember 2014 Volkswagen ruft 500.000 Autos in den Vereinigten Staaten zurück und kündigt an, die Schwierigkeiten der überstiegenen Abgaswerte in den Tests durch ein Software-Update bereinigen zu wollen.

© dpa Ein Foto vergangener Tage: Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch

Frühjahr und Sommer 2015 Als die kalifornische Umweltbehörde jedoch die Testreihen des ICCT im Labor und auf der Straße mit der angeblich korrigierten Software fortsetzt, übersteigen die getesteten Wagen die Grenzwerte erneut um ein Vielfaches. Zudem wird durch die Tests offensichtlich, dass keines der von VW vorgeschobenen technischen Probleme für die überstiegenen Grenzwerte verantwortlich war.

25. April 2015 Ferdinand Piëch, bis dahin Aufsichtsratsvorsitzender bei VW, tritt zurück. Zuvor sagte er in einem beispiellosen Machtkampf an der VW-Spitze: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“

1. Juli 2015 Martin Winterkorn gibt sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Marke VW an Herbert Diess ab.

© dpa Herbert Diess

8. Juli 2015 Die kalifornische Umweltbehörde teilt Volkswagen und der amerikanischen Umweltbehörde EPA ihre Erkenntnisse mit. Nach mehreren Gesprächen und erst, als die kalifornische Umweltbehörde und EPA damit drohen, die neuen 2016er-Modelle von VW nicht zu zertifizieren, gibt Volkswagen zu, eine Manipulationssoftware (“defeat device“) eingebaut zu haben, die Prüfungssituationen erkennt und dann den Stickoxid-Ausstoß senkt.

18. September 2015 Die kalifornische und die amerikanische Umweltbehörde veröffentlichen ihre Testergebnisse in einer sogenannten „Notice of Violation“, einer Mitteilung an Volkswagen. In dieser sind die rechtlichen Verstöße von VW gegen den „Clean Air Act“ aufgelistet. Die Umweltbehörde fordert Volkswagen dazu auf, die Autos zurückzurufen. Der Konzern reagiert mit einer Rückruf-Aktion von 500.000 Autos in Amerika. Nicht nur die Rückruf-Aktion wird VW teuer zu stehen kommen, heißt es schon jetzt, sondern es droht außerdem wegen der Verstöße gegen die Abgasnormen eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Euro.

19. September 2015 Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein Fahrverbot für Dieselautos.

20. September 2015 Der Wolfsburger Konzern gibt erstmals öffentlich zu, bei Abgastests manipuliert zu haben. Der Noch-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn gibt eine Stellungnahme ab und kündigt an, die Vorwürfe umgehend aufklären zu wollen. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, lässt Winterkorn wissen und erklärt, das Thema habe für ihn „höchste Priorität“. Ein Konzernsprecher gibt später zu, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

21. September 2015 Volkswagen stoppt den Verkauf von Diesel-Fahrzeugen mit vier Zylindern in Amerika. Nach ersten Angaben sind dort Modelle der Kernmarke VW und von Audi betroffen. Die Nachricht lässt die VW-Aktie um zeitweise 23 Prozent abstürzen - und mit ihr den Dax, sowie weitere Autowerte. Auch die Entschuldigung des amerikanischen Regional-Chefs Michael Horn ändert nichts am Aktienabsturz. „Wir haben Mist gebaut.“ Erste Politiker melden sich zu Wort. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied, Stephan Weil sagt: „Eine Manipulation von Emissionstests ist völlig inakzeptabel.“

© dpa, reuters Abgas-Skandal: VW-Chef Winterkorn will aufklären, aber nicht zurücktreten.

22. September 2015 Auch in anderen Absatzmärkten wird von VW eine umfassende Erklärung der Vorwürfe gefordert. VW kündigt Milliarden-Rückstellungen an und warnt, dass bisher geplante Gewinne voraussichtlich nicht einzuhalten seien. Winterkorn bittet in einem Video um Entschuldigung. Die Aktie bricht wieder um fast ein Fünftel ihres Kurses ein. Volkswagen gibt bekannt, dass die Manipulationssoftware in elf Millionen Autos weltweit verbaut wurde.

23. September 2015 Martin Winterkorn tritt nach Besprechungen im Aufsichtsrat zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er. Und weiter: „Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.“ Der Aufsichtsrat kündigt an, in Kürze über die Nachfolge Winterkorns an der Vorstandsspitze entscheiden zu wollen.

© reuters Abgas-Desaster bei VW kostet Winterkorn den Job

24. September 2015 Spekulationen um weitere betroffene Automobilhersteller und die Nachfolge von Winterkorn dominieren die Diskussion um den Manipulationsskandal. Mehrere Autohersteller dementieren, ebenfalls eine ähnliche Software in ihren Autos verbaut zu haben. Medienberichten zufolge hat der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller die besten Aussichten auf den Posten als Vorstandschef.

25. September 2015 Im Aufsichtsrat, auf der eigentlich Martin Winterkorn bis 2018 als Vorstandsvorsitzender hätte bestätigt werden sollen, wird nach langer Sitzung beschlossen, Matthias Müller zum Nachfolger zu machen.

Matthias Müller wird neuer Volkswagen-Chef.

26. September 2015 Erste Ergebnisse der internen Prüfung bei VW werden bekannt. Nach Recherchen der F.A.S. hatte ein Techniker bereits im Jahr 2011 vor illegalen Praktiken im Zusammenhang mit Abgaswerten gewarnt.

27. September 2015 Es wird bekannt, dass Martin Winterkorn offenbar auf die Auszahlung seines Vertrages bis Ende 2016 pocht. Das Kraftfahrtbundesamt stellt VW ein Ultimatum: Bis zum 7. Oktober muss der Konzern einen umfassenden Maßnahmen- und Zeitplan vorlegen, ansonsten drohe der Entzug der Typengenehmigung. Betroffene Fahrzeuge dürften dann weder verkauft noch bewegt werden.

28. September 2015 Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen Martin Winterkorn ein. Nach Angaben der Ermittler liegt der Fokus auf dem Vorwurf des Betrugs durch den Verkauf von Autos mit manipulierten Abgaswerten.

29. September 2015 Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselmotoren mit manipulierter Software vor. Gleichzeitig wird bekannt, dass der Konzern fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW zurückrufen will. Die betroffenen Kunden werden per Post informiert. Die Liste der betroffenen Fahrzeuge wird länger. Der frühere VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard weisen „aufs Schärfste“ Berichte zurück, sie hätten vom Einbau der Manipulationssoftware bei Abgastests gewusst. Sie könnten dies eidesstattlich versichern.

30. September 2015 Knapp zwei Wochen nach Bekanntwerden der Manipulationen bei Volkswagen tritt das Aufsichtsratspräsidium erneut zusammen. Es soll auch um den Aufsichtsratsvorsitz gehen, den eigentlich Hans Dieter Pötsch, bislang Finanzvorstand bei VW, übernehmen sollte. Medienberichten zufolge ist jedoch nicht mehr sicher, dass Pötsch den Posten erhält. Oliver Blume wird neuer Porsche-Chef, nachdem Matthias Müller in den Mutterkonzern gewechselt ist. Außerdem wird bekannt, dass VW französischen Zeitungen mit dem Entzug von Anzeigen gedroht haben soll, sollten sie weiter über den Skandal berichten.

© Porsche Oliver Blume

2. Oktober 2015 Die französische Justiz nimmt im Abgas-Skandal Ermittlungen gegen Volkswagen auf. Drei Staatsanwälte und 50 LKA-Beamte rücken aus, um Dokumente zum Abgas-Skandal sicherzustellen, Auch Spanien prüft, ob es gezahlte Subventionen für schadstoffarme Autos zurückverlangen soll und die Schweiz verbietet vorerst die Neuzulassung betroffener Fahrzeuge aus dem Konzern.

8. Oktober 2015 Razzia bei VW: Wolfsburg und an mehreren anderen Standorten untersucht die Staatsanwaltschaft Braunschweig Räume des Konzerns. Drei Staatsanwälte und 50 LKA-Beamte rücken aus, um Dokumente zum Abgas-Skandal sicherzustellen, mit Blick auf „in Betracht kommende Straftatbestände“. Auch gegen Winterkorn wird ein Anfangsverdacht geprüft, weil namentlich gegen ihn Anzeige erstattet wurde.

9. Oktober 2015 Der amerikanische Bundesstaat Texas verklagt Volkswagen wegen Verstößen bei der Vermarktung seiner Dieselfahrzeuge. VW soll gegen ein Gesetz verstoßen haben, das irreführende Handelspraktiken verbietet. Der Bundesstaat will eine einstweilige Verfügung gegen den Konzern erreichen sowie Rückerstattungen und Strafzahlungen erwirken.

© F.A.S.

15. Oktober 2015 Das Kraftfahrtbundesamt zwingt Volkswagen zum Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen. Eine von VW vorgeschlagene freiwillige Reparatur-Aktion lehnt das Amt ab. Gleichzeitig teilt Volkswagen mit, dass in Europa insgesamt rund 8,5 Millionen Dieselfahrzeuge in die Werkstätten beordert werden sollen.

28. Oktober 2015 Volkswagen vermeldet tiefrote Zahlen für das dritte Quartal . Vor Zinsen und Steuern steht ein Minus von rund 3,5 Milliarden Euro zu Buche. 6,5 Milliarden Euro sollen bislang für die Folgekosten der Manipulationen zurückgelegt sein.

23. November 2015 Audi gerät ebenfalls in den Strudel. Nachdem bereits ein Aufsichtsrat gegenüber der F.A.S. den Einbau von Schummel-Software eingeräumt hatte, gesteht Audi die Nutzung nun auch offiziell ein . 100.000 Autos des Konzerns sollen betroffen sein.

4. Januar 2016 Der Jahreswechsel sollte nur eine kurze Verschnaufpause für VW gewesen sein. Jetzt reicht die amerikanische Regierung offiziell Klage gegen den Konzern ein und erhöht weiter den Druck auf Volkswagen. Über die Details der Nachbesserungen der in Amerika betroffenen rund 600.000 Fahrzeuge von VW und den Konzerntöchtern Audi und Porsche gibt es nach wie vor keine Einigung mit den amerikanischen Behörden.

8. Januar 2016 VW veröffentlicht die Verkaufszahlen für 2015: Nachdem es jahrelang nur nach oben ging, vermeldet VW einen Absatzrückgang von 2 Prozent auf 9,93 Millionen Fahrzeuge. Angepeilt war für 2015 eigentlich ein Absatz von rund 10,14 Millionen Wagen.

9. März 2016 Amerika-Chef Michael Horn tritt überraschend zurück – „mit sofortiger Wirkung“. Die Hintergründe bleiben unklar. Horn führte das Amerika-Geschäft seit Anfang 2014 und musste sich fragen lassen, ob ihm der Betrug so lange entgangen sein konnte.

© dpa Volkswagen Amerika-Präsident und CEO Michael Horn gibt überraschend seinen Rücktritt bekannt.

22. April 2016 Volkswagen verkündet den größten Verlust seiner Konzerngeschichte . 4,1 Milliarden Euro beträgt der Betriebsverlust. Der Hauptgrund sind die 16,2 Milliarden Euro Rückstellungen wegen des Abgasskandals. Im Vorjahr hatte noch ein operativer Gewinn von 12,7 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Gleichzeitig kappt Volkswagen die Vorstandsboni um 30 Prozent. Allerdings nur vorerst, denn der Vorstand stellt seinen Anspruch auf Bonuszahlungen nur in Teilen zurück . Nach drei Jahren soll der Verlauf des Aktienkurs geprüft werden – und liegt der über dem aktuellen Niveau, wird das Geld ausbezahlt, liegt er darüber, gibt es sogar entsprechend mehr Geld. Nur wenn die VW-Aktie in drei Jahren noch schlechter da steht sind die 30 Prozent weg.

20. Juni 2016 Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nimmt Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn auf. Die Finanzaufsicht Bafin hatte ihn angezeigt. Der Verdacht: Marktmanipulation. VW hatte die Börse am 22. September informiert, als der Skandal in Amerika öffentlich wurde. Es bestünden aber „zureichende Anhaltspunkte“ dafür, dass diese Pflicht zu einer Mitteilung über die zu erwartenden erheblichen finanziellen Verluste des Konzerns bereits zu einem früheren Zeitpunkt bestanden habe. Nach diesem Verdacht hätte Winterkorn also viel früher die Öffentlichkeit informieren müssen.

28. Juni 2016 In Amerika ist die Entscheidung gefallen: Volkswagen muss die Rekordstrafe von mehr als 15 Milliarden Dollar für die Entschädigung von Autobesitzern und die Wiedergutmachung von Umweltbelastungen zahlen. Es ist der teuerste Vergleich der in Amerika je mit den Behörden geschlossen wurde.

20. Juli 2016 Der Verein muss zu den bisherigen 16,2 Milliarden nochmals 2,2 Milliarden Euro für die Bewältigung des Skandals zurücklegen . Der Grund: In den vergangenen Wochen waren zusätzliche Risiken aufgetaucht. So fordern drei amerikanische Bundesstaaten von VW Strafen wegen Verstößen gegen Umweltrecht, die sich auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen könnten. In Kanada drohen Volkswagen ebenfalls finanzielle Lasten.

28. Juli 2016 Ein Lichtblick für den Konzern: VW ist wieder der größte Autobauer der Welt. So verkaufte man in der ersten Jahreshälfte 2016 etwas mehr als 5,1 Millionen Autos, Konkurrent Toyota kam auf knapp unter 5 Millionen.

© dpa Volkswagen in der Autotürmen der Autostadt am VW Werk in Wolfsburg.

2. August 2016 Bayern kündigt eine Klage gegen Volkswagen an. Es geht um „maximal 700.000 Euro“. Noch im September will der Pensionsfonds des Landes den Konzern beim Landgericht Braunschweig auf Schadenersatz verklagen, sagte der bayrische Finanzminister Markus Söder (CSU). Hintergrund der Klageentscheidung seien die massiven Wertverluste der VW-Aktien, nachdem der Skandal im vergangenen September öffentlich bekannt geworden war. Zwischenzeitlich hatte die VW-Vorzugsaktie mehr als 40 Prozent ihres Wertes verloren. Bayern hielt in Form eines milliardenschweren Pensionsfonds für die Landesbediensteten im September 2015 rund 58.000 Vorzugsaktien.

30. August 2016 Ex-Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piech meldet sich nach Monaten des Schweigens wieder zu Wort – und belastet Martin Winterkorn. Nach Piech wusste dieser schon deutlich vor September 2015 von den Ermittlungen gegen VW. Schon im März 2015 habe Winterkorn ihn auf dem Genfer Autosalon konkret auf das Vorgehen der amerikanischen Behörden angesprochen, hat Piëch den Ermittlern der amerikanischen Anwaltskanzlei Jones Day angeblich bei seiner Befragung in seinem Haus in Salzburg gesagt . Am Rande einer Gremiensitzung habe Winterkorn ihn damals aber abblitzen lassen, wird aus der Befragung von Piëch berichtet. Er habe die Sache im Griff, habe Winterkorn entgegnet.

1. September 2016 Fast ein Jahr nach Bekanntwerden des Abgasskandals bekommt VW nun auch Ärger in Australien. Die australische Wettbewerbs- und Verbraucherbehörde verklagt den Konzern und sein australisches Tochterunternehmen wegen des Abgasbetrugs bei zehn Modellen, von Golf über Passat bis zum Geländewagen Amarok. Die Kommission will nicht nur einen finanziellen Ausgleich: Sie will die Deutschen auch dazu verpflichten lassen, öffentliche Erklärungen über ihr Missverhalten abzugeben und Anzeigen zu schalten, in denen sich das Unternehmen zu seinem Verhalten in den vergangenen Jahren erklärt.

7. September 2016 Zunehmend gerät auch VW-Zulieferer Bosch unter Druck. Laut Medienberichten gibt es neue Hinweise darauf, dass das Unternehmen massiv in den Betrugsaffäre verwickelt ist So soll Bosch die Manipulationssoftware nicht nur entwickelt haben, sondern auch immer gewusst haben, dass diese in Amerika verboten sei.

© dpa Hat Bosch an der Software für Volkswagen mitgearbeitet?

9. September 2016 Ein weiterer Bundesstaat reicht Klage gegen VW ein – Vermont. Generalstaatsanwalt Bill Sorrell wirft dem Konzern den Vertrieb von Dieselwagen mit illegaler Abgas-Software, irreführende Werbung und Verstöße gegen Emissionsregeln vor. Aus Gerichtsdokumenten geht aber hervor, dass Volkswagten einen Vergleich anstrebt. Gleichzeitig sind bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen gegen Bosch-Chef Volkmar Denner eingegangen. Es werde jedoch nach wie vor gegen Unbekannt ermittelt. Einen Anfangsverdacht gegen Mitarbeiter von Bosch oder Denner selbst gebe es aktuell nicht, so ein Sprecher. Die Stichhaltigkeit der Anzeigen werde nun im Rahmen des schon laufenden Verfahrens geprüft.

Erstmals ist zudem ein einzelner VW-Mitarbeiter wegen des Abgasskandals in Amerika angeklagt worden. Der Ingenieur James Liang, der seit 1983 für Volkswagen arbeitet, hat sich in Detroit des Betrugs für schuldig bekannt. Von 2006 an habe er die Dieselmotoren für Amerika mitentwickelt und dabei an der Software gearbeitet, die geholfen hat, Abgastests zu manipulieren. Liang wurde schon im Juni angeklagt, allerdings wurde die Klage erst jetzt im Zusammenhang mit seinem Geständnis öffentlich. Ihm drohen nun bis zu fünf Jahren Haft, allerdings hat er seine Kooperation bei den weiteren Ermittlungen zugesagt, weshalb seine Strafe am Ende deutlich geringer ausfallen könnte.

16. September 2016 Bayern hatte es Anfang August vorgemacht, jetzt ziehen Baden-Württemberg und Hessen nach und verklagen den Konzern. Verluste, die durch einen Verstoß einer Aktiengesellschaft gegen Mitteilungspflichten entstünden, müsse das Land nicht hinnehmen, erklärte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer am Freitag. Es geht um mehrere Millionen Euro.

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20. September 2016 Seit Beginn des Skandals lag der Fokus zumeist auf dem Mutterkonzern. Nun gerät aber auch Audi und da allen voran der Chef Rupert Stadler in den Fokus. Zeugen aus dem VW-Konzern sollen Stadler belastet haben. Demnach habe der Audi-Chef bereits im Jahr 2010 von den Manipulationen Kenntnis bekommen. Vor wenigen Tagen musste Audis Entwicklungschef Knirsch bereit seinen Posten räumen. Auch er soll früh von der Betrugssoftware bei dem Audi Dieselmotor gewusst und sogar eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben haben.

18. Oktober 2016 Volkswagen nähert sich Einigung mit amerikanischen Klägern. Bei einer Anhörung am Dienstag in San Francisco sagte der für den Fall zuständige Richter Charles Breyer, er sei „stark dazu geneigt“, den milliardenschweren Vergleich zu genehmigen, der es VW ermöglichen würde, Klagen von Verbrauchern und amerikanischen Behörden beizulegen. Seine endgültige Entscheidung will er bis spätestens am Dienstag kommender Woche verkünden. Allein an die Besitzer der von Manipulationen betroffenen Autos sollen bis zu 10 Milliarden Dollar fließen. Bei den betroffenen Autobesitzern kommt das offenbar gut an. Vorbei wäre die juristische Aufarbeitung der Affäre für VW damit aber noch nicht. So gibt es noch immer strafrechtliche Ermittlungen des amerikanischen Justizministeriums und erst am Montag hat der Bundesstaat Missouri eine neue Klage gegen VW eingereicht.

© Reuters

25. Oktober 2016 Volkswagen kann in Amerika das wichtigste Kapitel im Abgasskandal schließen: Ein Gericht in San Francisco hat am Dienstag den Milliarden teuren Vergleich genehmigt, den VW mit Verbrauchern und verschiedenen amerikanischen Behörden geschlossen hat. Er dürfte den Konzern gut 16 Milliarden Dollar kosten. Strafrechtliche Ermittlungen des amerikanischen Justizministeriums laufen derweil weiter. Hier droht nochmals eine Milliardenstrafe

6. November 2016 Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt auch gegen VW-Aufsichtratschef Hans Dieter Pötsch wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Abgasskandal. Damit gesellt er sich zu Ex-VW-Vorstandchef Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess. Es liegt ein Anfangsverdacht vor, die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Skandal informiert und so Informationen für Anleger unterdrückt zu haben. Bei Pötsch beziehe sich das Ermittlungsverfahren auf die Zeit, als er Finanzvorstand des Konzerns war.

19. Dezember 2016 In Kanada ist es Volkswagen gelungen, einen milliardenschweren Vergleich auszuhandeln. VW und seine Konzerntochter Audi sollen für die Beilegung eines Rechtsstreits um manipulierte Abgastests bis zu 2,1 Milliarden kanadische Dollar VW und seine Konzerntochter Audi sollen für die Beilegung eines Rechtsstreits um manipulierte Abgastests bis zu 2,1 Milliarden kanadische Dollar (1,5 Mrd Euro) an kanadische Autokäufer zahlen, wie die Wettbewerbsbehörde des Landes am Montag in Ottawa mitteilte. Das Geld ist für den Rückkauf und Entschädigungszahlungen für rund 105.000 Autos mit 2,0-Liter-Dieselmotoren gedacht. Der Vergleich muss noch von einem Gericht bestätigt werden. Zusätzlich sollen VW und Audi 15 Millionen kanadische Dollar Buße zahlen.

© AFP 105.000 Fahrzeuge: Volkswagen hat sich in Kanada auf einen Milliardenvergleich geeinigt.

22. Dezember 2016 Volkswagen hat mit den Privatklägern in Amerika eine grundsätzliche Vereinbarung über eine „erhebliche Entschädigung“ erzielt, sagte Bezirksrichter Charles Breyer am Donnerstagabend bei einer weiteren Anhörung in San Francisco. Über die Höhe machte er keine Angaben. Etwa 20.000 Fahrzeuge sollen zurückgekauft und weitere 63.000 umgerüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Nach monatelangem zähen Ringen hatte VW mit den amerikanischen Behörden einen Kompromiss für die Drei-Liter-Dieselmotoren von Audi in den Vereinigten Staaten erzielt.

11. Januar 2017 Volkswagen hat den letzten großen Brocken bei der Bewältigung des Abgasskandals in den Vereinigten Staaten fast aus dem Weg geräumt. Einer Adhoc-Mitteilung des Unternehmens vom Dienstagabend zufolge hat sich Volkswagen mit dem amerikanischen Justizministerium und den Zollbehörden des Landes über die Höhe der Strafzahlungen im Abgasskandal grundlegend geeinigt. Strafen und Bußgelder summieren sich auf rund 4,3 Milliarden Dollar. Durch ist der Vergleich aber noch nicht: Man befinde sich in „fortgeschrittenen Gesprächen“, heißt es vom Konzern.
Derweil gerät die Konzernführung nach der Verhaftung eines Managers in Florida weiter in Erklärungsnot. In der Klage gegen den Mitarbeiter heißt es, führende Manager in der Zentrale seien schon im Juli 2015 über die Existenz und den Zweck der Software informiert worden, mit der die Abgaswerte von Dieselmotoren manipuliert worden seien.

© dpa Der VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller

19. Januar 2017 Martin Winterkorn, bleibt auch vor dem Untersuchungsausschuss im Bundestag bei seiner Darstellung, dass er bis zur Aufdeckung des Abgasskandals nichts von den Abgas-Manipulationen bei Dieselautos des Konzerns gewusst habe. Er habe nie für möglich gehalten, dass dies bei VW passieren könnte. Es war sein erster größerer öffentlicher Auftritt seit seinem Rücktritt im September 2015.

27. Januar 2017 Gegen den ehemaligen VW-Chef Winterkorn wird nun auch wegen des Anfangsverdachts des Betruges ermittelt. Es hätten sich „zureichende tatsächliche Anhaltspunkte“ dafür ergeben, dass Winterkorn früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte“, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn nur wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt, weil VW die Finanzmärkte möglicherweise zu spät über die milliardenschweren Risiken des Skandals informiert haben könnte.

15. März 2017 Die Staatsanwaltschaft München II nimmt wegen der Abgasaffäre Audi-Manager ins Visier. Die Behörde habe ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung eingeleitet. Dabei gehe es um 80.000 Dieselfahrzeuge, die bis 2015 in den Vereinigten Staaten verkauft worden seien. „Es besteht der Verdacht, dass in diese Kraftfahrzeuge technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut wurden, um die amerikanischen Abgasgrenzwerte einzuhalten, und die Käufer diesbezüglich nicht informiert wurden", hieß es. Das europäische Geschäft sei nicht betroffen. Im Rahmen der Ermittlungen würden am Mittwoch Standorte von Audi in Ingolstadt und Neckarsulm sowie an weiteren sieben Orten durchsucht.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 08.09.2016 14:27 Uhr