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Besser als VW und Co? : Wie Tesla die Großen das Fürchten lehrt

Wie ein Rockstar: Tesla-Chef Elon Musk stellt das neue Model 3 vor. Bild: dpa

Während die deutschen Konzerne im Dieselchaos versinken, baut Elon Musk mit Tesla das Auto der Zukunft. Wer ist dieser Mann?

          Elon Musk ist ein Meister der Inszenierung. Der Tesla-Chef spart nicht mit markigen Sprüchen und vollmundigen Versprechen. Den Mars kolonialisieren, das Gehirn mit dem Computer vernetzen oder Staus abschaffen: Seine Ideen könnten einem Science-Fiction-Roman entspringen. Das Publikum steht Musk gespalten gegenüber: Die einen feiern ihn als Pionier der Elektromobilität, die anderen halten ihn für einen Schaumschläger. Wer ist dieser Mann?

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Frage ist so brisant wie nie zuvor. Während sich die deutschen Autohersteller, der Stolz unserer Industrie, immer tiefer in die Abgaskrise verstricken, bläst Tesla mit seinem neuen Model 3 zum Angriff auf das Mittelklasse-Segment, in dem bislang Audi, BMW und Daimler die Nase vorn haben. Einen besseren Zeitpunkt für die Markteinführung des ersten massentauglichen Tesla hätte es nicht geben können.

          Mitte Juli hat die Firma aus Kalifornien die Serienproduktion des neuen Modells gestartet. Ende Juli nahmen die ersten 30 Kunden, allesamt Mitarbeiter von Tesla oder Musks Raumfahrtunternehmen Space X, feierlich ihr Model 3 in Empfang. Tesla verspricht mindestens 350 Kilometer Reichweite, über 300 PS und ein Panorama-Glasdach. Der rein elektrisch betriebene Wagen fährt schon heute weitgehend autonom, Software-Updates lassen sich per Funkverbindung ohne Werkstattbesuch direkt herunterladen. Und das Design ist ein Hingucker. Schon jetzt scheint festzustehen: Mit dem Model 3 wird Tesla den Vorsprung auf die Konkurrenz in Sachen Elektromobilität weiter ausbauen.

          Tesla : Erste Kunden freuen sich über „Model 3“

          Der rasante Aufstieg des einstigen Start-ups im Silicon Valley und seines Chefs Elon Musk ist alles andere als Zufall. Als Sohn eines Maschinenbauers und eines Models in Südafrika aufgewachsen, wanderte er nach Kanada und schließlich in die Vereinigten Staaten aus, um dem Militärdienst während der Apartheid zu entgehen. Eine goldrichtige Entscheidung: Schon sein erstes Start-up Zip 2, eine Art frühe Kombination aus dem Online-Branchenführer Yelp und dem Kartendienst Google Maps, machte Musk 1999 zu viel Geld. Noch viel einträglicher war dann der Verkauf des Bezahldiensts Paypal an Ebay. Musk war innerhalb weniger Jahre vom gewöhnlichen Studenten zum Multimillionär geworden. 2003 stieg er als Hauptinvestor bei Tesla ein. Das erklärte Ziel: eine Welt frei von Autoabgasen.

          Die Pläne des Emporkömmlings wurden von den Branchengrößen bestenfalls belächelt. Oder schlicht ignoriert. Nicht der Elektroantrieb lag damals im Trend, sondern der Diesel: 2006 wurde in Europa erstmals mehr als die Hälfte aller Neuwagen mit Dieselmotor verkauft. Der Selbstzünder galt als Antrieb der Zukunft, Elektroautos waren als unrentabel verschrien.

          Doch mit der Markteinführung des Model S im Jahr 2012 hat Tesla das Elektroauto aus der Öko-Fundi-Ecke geholt. Für 100.000 Dollar konnten sich Besserverdiener den Sportwagen mit mehr als 500 Kilometern Reichweite und 320 PS bestellen. Der Beweis, dass Elektroautos mehr taugten, als nach langen Ladezeiten mühsam wenige Kilometer zu kriechen, war erbracht. Die Limousine verkauft sich in Amerika inzwischen ähnlich gut wie die Mercedes-S-Klasse.

          Bild: F.A.Z.

          Anfang Juli erklärte Tesla, für das neue Model 3 seien 500.000 Vorbestellungen eingegangen, die meisten verbunden mit einer Anzahlung von 1000 Dollar. So sehr sehnen sich die Kunden danach. Dabei ist am neuen Tesla weniger die Technik gewagt als die kaufmännische Entscheidung, ein Elektroauto für den Massenmarkt zu produzieren. Für das Unternehmen ist es ein wichtiger Schritt, um endlich schwarze Zahlen zu schreiben. Denn bisher macht die Firma, so selbstbewusst sie daherkommt, Miese. Vergangenes Jahr hat Tesla 7 Milliarden Dollar umgesetzt, aber rund 750 Millionen Dollar Verlust gemacht. Derzeit stehen die Zeichen aber gut. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, dass im zweiten Quartal 53 Prozent Autos mehr ausgeliefert wurden als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz wurde mehr als verdoppelt, der Verlust fiel nicht so hoch aus wie zuvor erwartet.

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