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„Finanzielle Zeitbombe“ : Nachzahlen für den geleasten Diesel

Zähes Geschäft: Nach der Androhung von Fahrverboten haben Händler zunehmend Schwierigkeiten beim Verkauf von Rückläufern. Bild: AFP

Händler berichten von Schwierigkeiten beim Verkauf von Finanzierungsrückläufern. Fachleute warnen Leasingnehmer deshalb vor drohenden Nachzahlungen.

          Für den Restwert von geleasten Dieselfahrzeugen machen sich nun offenbar der Volkswagen-Dieselskandal und die Androhung von Fahrverboten bemerkbar, nachdem davon lange wenig zu spüren war. „Leasing- und Finanzierungsrückläufer lassen sich hierzulande nur noch sehr schwer zu den damals prognostizierten Restwerten vermarkten“, heißt es dazu bei der Deutschen Automobil Treuhand, an die Gebrauchtwagenhändler ihre Preise melden. Die gewachsene Verunsicherung der Autokäufer gehe damit einher, dass die Dieselfahrzeuge länger beim Gebrauchtwagenhändler stünden (im Schnitt 101 Tage), häufiger an andere Unternehmen verkauft würden, weil Private sich zurückhielten (45 Prozent aller Händler nutzten für Dieselautos verstärkt diese Kanäle), und auch mit gesunkenen Einkaufs- und Verkaufspreisen. Der Bundesverband freier Kraftfahrzeughändler bestätigte das.

          Der Frankfurter Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Kanzlei Nieding + Barth warnt in diesem Zusammenhang, auf Autofahrer, die bestimmte Leasingverträge abgeschlossen hätten, bei denen sie das Restwertrisiko tragen, könnten Nachzahlungen zukommen. „Wer, wie 39 Prozent aller Leasingnehmer, einen sogenannten Restwertvertrag abgeschlossen hat, der kommt am Ende der vereinbarten Laufzeit durch die VW-Abgas-Manipulation möglicherweise in eine gehörige kalkulatorische Schieflage, denn er tappt in die Diesel-Falle.“ Mit einem Restwertvertrag verpflichte sich der Leasingnehmer, bei der Rückgabe des Wagens die Differenz zwischen kalkuliertem und tatsächlichem Zeitwert des Wagens an die Leasinggesellschaft zu zahlen. „Nach einer Erhebung von Kfz-Sachverständigen sprechen wir augenblicklich von 15 bis 20 Prozent Wertverlust allein wegen der Dieselthematik bei Volkswagen- und Audi-Modellen“, behauptet Nieding. Leasingnehmer, die einen Restwertvertrag abgeschlossen hätten und einen Diesel führen, säßen auf einer „finanziellen Zeitbombe“.

          „Ein gravierendes Problem“

          Aufgrund des Wertverfalls seien die Restwerte der geleasten Fahrzeuge stark gesunken: „Das alles geht zu Lasten des Restwert-Leasingnehmers, der sich durch die Abschläge saftigen Nachforderungen ausgesetzt sieht.“ Unterstützt von einem Prozess-Finanzierer, der Foris AG, will Nieding + Barth entsprechende Leasingnehmer rechtlich vertreten; Gegner möglicher Ansprüche sei die Volkswagen AG: „Sie wusste seit langem von ihrer planmäßigen Motor-Manipulation – der jeweilige Fahrzeugrestwert wurde daher unter vollkommen falschen Annahmen verabredet“, meint Nieding. Bei Fahrzeugflotten sei durch die Anzahl der Fahrzeuge das finanzielle Risiko für den Leasingnehmer noch größer, für Verantwortliche im Flottengeschäft stelle sich „ein gravierendes Problem“. „Mit einer sogenannten Feststellungsklage lassen sich viele Ansprüche vor Verjährung schützen“, äußerte Foris-Vorstand Volker Knoop.

          Die Leasing-Unternehmen hatten sich lange auf den Standpunkt gestellt, es gebe keine sinkenden Restwerte für Dieselfahrzeuge – auch wenn sie das für die Zukunft nicht ausschließen könnten. Nun räumt man bei der Deutschen Leasing ein, es gebe „Bremsspuren“ bei den Restwerten, aktuell allerdings nur geringe Minderungen. Ein VW-Sprecher sagte: „Einen starken Rückgang der Restwerte von Dieselfahrzeugen sehen wir nicht.“

          Aus dem Management großer Unternehmensfuhrparks hieß es hingegen, seit etwa zwei Wochen sei Bewegung bei den Restwerten zu beobachten. Die Deutsche Bahn, die einen großen Fuhrpark betreibt, bestätigte diese Beobachtung, wollte darin aber keinen Trend sehen. Dieter Grün, in einem kommunalen Betrieb für die Flotte verantwortlich, sagte, man sehe die Autos schließlich auch bei den Händlern stehen: „Aus den Fahrzeugen sind Stehzeuge geworden.“ Mehrere Fuhrpark-Manager verwiesen darauf, sie hätten nur sogenannte Kilometer-Verträge abgeschlossen, bei denen der Leasingnehmer, anders als beim Restwertvertrag, kein Restwertrisiko trage. In anderen Häusern gibt es offenbar ein Andienungsrecht des Leasinggebers, der Fahrzeuge nach der Laufzeit dem Fuhrpark zur Vermarktung aufdrücken darf.

          Quelle: F.A.Z.

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