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Kommentar : Auslaufmodell IAA?

BMW präsentierte am Dienstag das neue Elektroauto Vision Dynamics in Frankfurt. Bild: VOGEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Elektroauto-Pionier Tesla kommt nicht, BMW hat fast alle Innovationen direkt vor der Messe abgefeuert. Trotzdem wird alle zwei Jahre noch viel Geld für die IAA ausgegeben.

          Manche Menschen folgen alle zwei Jahre einem Ritual. Sie erkundigen sich bei Freunden oder Verwandten in Frankfurt, ob sie im September einen Schlafplatz frei haben. Sie nehmen eine lange Anreise in Kauf, genauso wie eine quälende Parkplatzsuche oder überfüllte S-Bahnen, und blenden die Schlangen vor dem Frankfurter Messegelände aus. Diese Menschen zieht ein Gefühl an den Main: Sie sind fasziniert von Autos, von ihrer Technik, ihrer Leistung und von der Freiheit, die die Fahrzeuge versprechen. Deshalb kommen sie alle immer wieder zur Internationalen Automobil-Ausstellung nach Frankfurt: um zu sehen, zu fühlen, zu riechen und zu hören, was die Branche an Neuheiten bereithält. Diese Auto-Aficionados dürften auch dieses Jahr wieder in Scharen kommen, fast eine Million Besucher erwarten die Organisatoren. Doch werden sie auf eine Automesse im Wandel treffen.

          Das liegt zuvorderst an den Debatten, die sich nach dem Bekanntwerden des Abgasbetrugs von Volkswagen während der Messe vor zwei Jahren entsponnen haben. Das Fehlverhalten eines Unternehmens hat die ganze Branche in Misskredit gebracht. Der Vertrauensverlust trifft alle Autokonzerne. Die den Sommer füllende Diskussion über Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge und der Kartellverdacht gegen führende deutsche Autohersteller haben das befeuert. Die Branchenvertreter bemühen sich zwar, vor dem offiziellen Start der Messe an diesem Donnerstag Optimismus zu verbreiten. Die Stimmung werde gut werden, heißt es. Ob das so sein wird, wird sich in den nächsten anderthalb Wochen zeigen. Denn hinter den Kulissen und Hochglanzständen werden die Gespräche über den Diesel weitergehen. Es wird aber auch über die Messe selbst geredet werden. Die Kernfrage lautet: Ist es auch künftig noch sinnvoll, alle zwei Jahre für viel Geld eine IAA auszurichten?

          Audi, Porsche oder auch Hyundai

          Antworten auf diese Frage konnte in den Wochen vor der Messe finden, wer zwischen den Zeilen las. Es gibt eine ganze Reihe Absagen traditioneller Hersteller. Interessanter noch ist das Fernbleiben des amerikanischen Elektroautopioniers Tesla. Zwar stimmt es, dass immer wieder einzelne Unternehmen die Messe auslassen und später dann wieder mit dabei sind. Doch ist es trotzdem mehr als merkwürdig, dass gerade dieses Unternehmen der IAA in einem Moment fernbleiben wird, in dem sich die Branche wie nie zuvor mit dem Antriebswandel hin zur Elektromobilität beschäftigt.

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          Tesla begründet seine Abwesenheit auch damit, dass es seine Innovationen verstärkt in Eigenregie präsentieren möchte. Das ist das Apple-Modell: Der amerikanische iPhone-Hersteller ward auch irgendwann nicht mehr auf Messen zu finden und zelebriert seitdem seine Produktpräsentation auf Hausmessen. Der zwischen Genialität und Übermut schwankende Tesla-Chef Elon Musk dürfte sich freuen: Seine Autos sind nirgendwo auf dem Frankfurter Messegelände zu sehen, und doch tauchen sie in jedem Gespräch über Elektromobilität auf.

          Es lässt sich aber auch feststellen, dass selbst traditionelle Branchenvertreter nicht sehr fleißig daran arbeiten, die IAA aufzuwerten. Das beginnt mit der Tatsache, dass sie – wie Audi, Porsche oder auch Hyundai – dank Internet ihre Neuheitenpräsentation auf der Messe im Livestream direkt in die Wohnzimmer der Interessierten übertragen. Aus Sicht der Messe noch schädlicher sind aber unternehmenseigene Präsentationen kurz vor der IAA. Sie waren zuletzt häufiger zu sehen als früher, und manche davon lagen verdächtig nahe am IAA-Auftakt.

          Wer wie BMW fast alle seine Innovationen direkt vor der Messe abfeuert, erhält zwar höchstmögliche Aufmerksamkeit. Doch schafft er damit kaum einen Anreiz, die Ausstellung der vermeintlichen Neuheiten zu besuchen. Solch ein Verhalten wirkt umso widersprüchlicher, je mehr man sich klarmacht: Die Hersteller mit eigenen Veranstaltungen sind als Mitglieder des Verbandes der Automobilindustrie quasi auch Mitveranstalter der Messe. Sie zahlen viel Geld für ihren Auftritt. Nicht umsonst hört man, dass auf Verbandsebene ausgiebig über die Zukunft der Internationalen Automobil-Ausstellung gesprochen werde.

          Nicht sonderlich reizvoll

          Diese kann nur daran liegen, das Beste aus dieser vertrackten Situation zu machen – und weiter den Weg zu beschreiten, den sie in diesem Jahr in kleinem Maßstab schon geht: Sie muss zu einer Veranstaltung werden, die sich konsequent allen Formen der Fortbewegung auf vier Rädern widmet – gleichgültig ob mit dem eigenen, einem geteilten Auto oder als Nutzer eines Mitfahrdienstes. Sie muss den digitalen Themen, also der Vernetzung und dem autonomen Fahren, noch mehr Raum und Zeit einräumen. Insofern ist es gut, dass die neue Mobilität während der ganzen Messe auf einem Außenparcours zu sehen sein wird. Er gehört zur IAA-Seitenveranstaltung namens „New Mobility World“.

          An dieser „Messe in der Messe“ zeigt sich freilich auch, vor welchem Spagat die Veranstalter in Zukunft stehen werden. Eine Mitfahr-App in einer stickigen Messehalle zu präsentieren ist nicht sonderlich reizvoll. So oder so: Ohne neue Autos wird es nicht gehen. Ob das reicht, um auch eingeschworene Autofans zu überzeugen, muss sich zeigen.

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