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Batterien für Elektroautos : Schweden planen Batteriefabrik für Europa

Vision: So könnte die europäische Giga-Fabrik für Batteriezellen in Nordschweden aussehen. Bild: Northvolt

Zwei ehemalige Tesla-Manager wollen in Nordschweden die erste große Fabrik für Batteriezellen in Europa bauen. ABB liefert die Technik, der Strom kommt von Vattenfall. Eine wichtige Sache ist allerdings noch ungeklärt.

          Während die EU-Kommission noch um eine abgestimmte Batterie-Strategie für den erwarteten Massenansturm von Stromautos ringt, schafft ein junges Unternehmen in Schweden Tatsachen. Die beiden ehemaligen Tesla-Manager Peter Carlsson und Paolo Cerruti wollen in Nordschweden die erste Gigafabrik für Batteriezellen in Europa bauen. 4 Milliarden Euro soll sie kosten und 2.500 Arbeitsplätze schaffen. Mit einer geplanten Endkapazität von 32 Gigawattstunden pro Jahr wäre sie annähernd so groß wie Teslas Fabrik im amerikanischen Nevada. Tesla will damit 500.000 Autos im Jahr mit Batterien bestücken, Northvolt mit einer ähnlichen Größenordnung zum Lieferanten für die europäische Autoindustrie werden. Erste Partner aus der Industrie haben schon zugesagt, sogar der Standort steht schon fest. Jetzt geht es an die Finanzierung.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Ende September unterschrieb Northvolt mit ABB eine Grundsatzvereinbarung. Der Schweizer Technologiekonzern mit schwedischen Wurzeln soll mit Robotern, Automatisierungstechnik und Elektronik Hauptlieferant für die Fabrik werden, zudem Forschungspartner. Voraussichtlich 2020 soll die Produktion aufgenommen werden. Eine erste Fertigungsstraße zu Vorführzwecken ist nach Angaben von ABB für 2019 geplant. „Diese auf einzigartige Weise integrierte Fabrik wird die Führungsposition von ABB in der Industrieautomation und der intelligenten Elektrifizierung verdeutlichen“ und werde dazu beitragen, die wachsende Nachfrage nach intelligenten, umweltfreundlichen Speicherlösungen zu bedienen, sagte ABB-Vorstandschef Ulrich Spiesshofer bei der Vertragsunterzeichnung. Mit einem eher symbolischen Beitrag von 10 Millionen Euro will der Konzern den Bau unterstützen.

          Vergangene Woche hat Northvolt nun zwei Standorte benannt: in dem Ort Skellefteå soll die Fabrik gebaut werden, im nahegelegenen Västerås das Entwicklungszentrum. Das umliegende Industrieareal Node Pole gehört seit einem Jahr dem staatlichen Energiekonzern Vattenfall und einem Stadtwerkeverbund. Dank der Wasserkraft wird das Gebiet ausschließlich mit erneuerbarer Energie beliefert, ein wichtiges Kaufargument für Batterien. Wie ABB beteiligt sich auch Vattenfall an der Finanzierung.

          Das Geschäft wird von Asiaten dominiert

          Schweden lockt seit längerem energieintensive Industrien mit günstigsten Strompreisen ins Land. Facebook etwa hat sein größtes Rechenzentrum außerhalb der Vereinigten Staaten am Polarkreis gebaut. Unweit davon soll nun die Batteriefabrik entstehen. Dabei zählt für die Gründer offenbar nicht nur der billige Strom. Beide Orte liegen nach Angaben von Node Pole in einem Rohstoff- und Bergbauzentrum und verfügen über langjährige Erfahrung im Recycling. Västerås ist zudem Hauptsitz von ABB Schweden, allein dort beschäftigt der Konzern 4.200 Menschen.

          Die Finanzierung werde herausfordernd, sagten die Northvolt-Gründer kürzlich der „Financial Times“. Aber wenn niemand etwas tue, werde die Europäische Autoindustrie komplett von asiatischen Zulieferern abhängig sein. Asien genieße keine strukturellen Vorteile, schließlich benötige eine solche Fabrik keine billigen Arbeitskräfte, sondern Spezialisten, billige Energie und Rohstoffe. Tatsächlich kommen in Nordeuropa ein paar der gefragten Rohstoffe vor. Erst Ende Juni hat der Chemiekonzern BASF seine Pläne für eine 400 Millionen Euro teure Batteriechemikalienfabrik bekanntgegeben und angekündigt, die Ausgangsstoffe Nickel und Kobalt unter anderem aus den finnischen Werken seines russischen Kooperationspartners Norilsk Nickel zu beziehen. Die BASF-Fabrik dürfte ebenfalls im hohen Norden entstehen, also ganz in der Nähe der Batteriefabrik.

          Bei den meisten deutschen Autobauern stößt eine eigene Batteriefabrikation auf Skepsis. Risiko und Investitionen seien hoch, der technologische Vorsprung der Asiaten groß, lauten die Zweifel. Lediglich Volkswagen denkt über eine eigene Zellfertigung nach. Daimler montiert die Batterien zwar selbst, kauft die Zellen allerdings zu, ist der Konzern doch vor ein paar Jahren aus der eigenen Zellproduktion ausgestiegen. Das Geschäft wird von Asiaten dominiert. In Japan, Südkorea, vor allem aber in China gibt es denn anders als in Europa etliche Pläne für große Zellfabriken.

          Die beiden Northvolt-Gründer wollen die erste Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro im Herbst abschließen. Nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg sollen dabei vor allem Partnerunternehmen und potentielle Kunden angesprochen werden. In der zweiten Runde werden 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro gebraucht, um die erste Ausbaustufe der Fabrik zu finanzieren. Kommt genug Geld zusammen, sollen die Bauarbeiten in der zweiten Hälfte 2018 beginnen.

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