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Abgasskandal : Erstmals VW-Manager in Amerika verurteilt

Zum ersten Mal ist in Amerika ein VW-Manager im Zuge des Abgasskandals verurteilt worden. Bild: dpa

Ein Urteil mit Signalwirkung: Die amerikanische Justiz hat den Dieselfachmann James Robert Liang zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt. Und das, obwohl er bei Volkswagen nicht als der entscheidende Strippenzieher im Abgasskandals gilt.

          Ein Gericht in Detroit hat den langjährigen VW-Manager und Diesel-Spezialisten James Robert Liang zu einer Haftstrafe von 40 Monaten verurteilt. Der Richter Sean Cox ging damit über die Forderung der Staatsanwälte hinaus, die 36 Monate gefordert hatten. Zudem muss Liang für seine Rolle im Diesel-Skandal eine Geldbuße von 200.000 Dollar entrichten, zehnmal so viel wie die Staatanwaltschaft verlangt hatte. Liang ist eine wichtige Figur im Abgasskandal und der erste VW-Manager, für den amerikanische Gerichte ein Strafmaß festgelegt haben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Cox sagte, Liang habe ein schwerwiegendes Verbrechen begangen und die amerikanischen Konsumenten stark betrogen. Liang selbst meldete sich im Verfahren nicht zu Wort, sein Anwalt argumentierte, Liang sei weder „Strippenzieher“ des Verbrechens  noch von Gier getrieben gewesen. Er kooperiere zudem Tag und Nacht mit amerikanischen und deutschen Ermittlern in der Aufklärung des Betrugsfalles. Er habe zwar eine Straftat begangen, sei aber kein Krimineller. Sein größter Fehler sei seine Hinwendung zum Volkswagen-Konzern gewesen.

          Mehr als drei Jahrzehnte für VW tätig

          Der langjährige Volkswagen-Manager hatte sich mit den Ermittlungsbehörden auf einen Vergleich verständigt. Die Staatsanwälte hatten hervorgehoben, dass sie Liang nicht als Strippenzieher des Betruges ansehen, wenngleich als wichtigen Akteur. „Er saß weder in den Vorstandsetagen von VW, wo die Betrugssoftware diskutiert wurde, noch hat er andere am kriminellen Komplott Beteiligte im Unternehmen angewiesen oder beaufsichtigt“. Liangs Anwälte zielten darauf, dass die Strafe in einen Hausarrest umgewandelt wird.  

          Der 63 Jahre alte Ingenieur hatte mehr als drei Jahrzehnte für den VW-Konzern gearbeitet und war für die Einführung des sogenannten „Clean Diesel“ in Amerika mitverantwortlich. Im September 2016 hatte er vor den Ermittlern zugegeben, beim Einbau einer illegalen Software mitgewirkt zu haben, die die Abgaswerte manipuliert. Seither hat er umfassende Aussagen gemacht und frühere Kollegen und Vorgesetzte teils schwer belastet.

          Liang beim Verlassen des Gerichtssaals.

          Auch wegen seiner Aussagen hat die amerikanische Justiz Strafanzeige gegen weitere sieben amtierende und ehemalige Mitarbeiter von VW gestellt. Einer davon ist der frühere VW-Manager Oliver Schmidt, der seit Januar in Amerika in Untersuchungshaft sitzt.

          Zu den Beschuldigten zählt auch der frühere VW-Manager und einstige Leiter des Ausschusses für Produktsicherheit von VW, Bernd Gottweis. Obwohl er als enger Vertrauter des früheren Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn galt, soll er diesen gegenüber den deutschen Ermittlungsbehörden schwer belastet haben. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ gestern berichtete, will er Winterkorn schon am 27. Juli 2015 in einem Telefonat darüber informiert haben, dass VW in Amerika „beschissen“ habe, wie es in dem Bericht wörtlich heißt. Nach offizieller Lesart von VW hat Winterkorn erst deutlich später von den Manipulationen erfahren. Die offizielle Ad-hoc-Mitteilung an die Märkte hatte der Konzern am 22. September 2015 verschickt.

          Ob dies rechtzeitig war, ist Gegenstand von Ermittlungen in Stuttgart und Braunschweig, wo die Staatsanwaltschaften dem Verdacht der Marktmanipulation bei VW und der VW-Holdinggesellschaft Porsche SE nachgehen. Im Fokus stehen unter anderem Winterkorn, der heutige Vorstandsvorsitzende Matthias Müller, der frühere Finanzvorstand und aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch sowie Markenvorstand Herbert Diess. Diese haben die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

          Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig ermittelt zudem wegen Betrugsverdachts gegen fast 40 Beschuldigte. In München sitzt auch ein früherer Audi-Manager in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und anderen Führungskräften Betrug sowie unlautere Werbung vor.

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          Die Führung der Tochtergesellschaft Audi steht unterdessen vor einem tiefgreifenden Umbau. Offenbar schon am Montag will der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, um die Neubesetzung der Ressorts für Finanzen, Vertrieb, Produktion und Personal neu zu besetzen. Der in der Diesel-Krise angezählte Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler dürfte hingegen vorerst im Amt bleiben, genießt er doch die Rückendeckung der VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Ziel ist es offenbar, die Personalrochade noch vor der wichtigen Automesse IAA am 14. September in Frankfurt zu beschließen.

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