http://www.faz.net/-gqe-8hk2q

Abgasskandal : Die Umwelthilfe bekommt Geld von Toyota

Grüner Imageträger: Toyota präsentierte sein neues Modell Prius Prime im März auf einer Autoshow in New York. Bild: Reuters

Die Deutsche Umwelthilfe beschwert sich über die Autohersteller und ihre Diesel-Autos. Mit Toyota aber arbeitet sie gerne zusammen. Ist diese Kooperation über jeden Zweifel erhaben?

          Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält mit ihren Dieseltests seit Monaten Deutschland und seine Autohersteller im Wortsinne in Atem – und arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten mit dem japanischen Autokonzern Toyota freundschaftlich zusammen. Das Interessante daran: Dieselfahrzeuge haben bei Toyota in Deutschland nach eigenen Angaben nur einen Zulassungsanteil von 20 Prozent; deutsche Hersteller hingegen erreichen häufig mehr als das Doppelte und manchmal sogar mehr als das Dreifache dieses Anteils.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          Die derzeit laufende Kampagne der DUH richtet sich jedoch vor allem gegen den Diesel – und damit gegen die Hauptwettbewerber von Toyota auf dem deutschen Markt. Explizit von der DUH empfohlen werden hingegen spritsparende und gleichzeitig saubere Alternativantriebe wie Erdgas, Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas, LPG), besonders sparsame- Euro-6-Ottomotoren oder auf Sparsamkeit entwickelte Benzin-Hybridantriebe. Marktführer für solche Benzin-Hybridantriebe aber ist Toyota.

          Die Deutsche Umwelthilfe ist eine ganz besondere Lobbygruppe, die viel Geld mit Abmahnungen verdient. Sebastian Balzter stellt sie vor.

          Ist das ein Skandal? In jedem Fall ist die Zusammenarbeit mit Toyota für die DUH finanziell attraktiv. „Die finanzielle Höhe der Förderung durch Toyota beträgt seit rund fünf Jahren einen mittleren bis höheren fünfstelligen Betrag pro Jahr, mit dem zwei Projekte unterstützt werden“, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung bei der Umwelthilfe. Das Gesamtbudget der DUH wiederum liegt bei nur 8,3 Millionen Euro, was im Vergleich zu Greenpeace Deutschland, BUND oder Nabu eher wenig ist. Zudem werden knapp 30 Prozent des Budgets der Umwelthilfe durch Abmahnungen eingetrieben.

          Probleme mit den Gurten : Toyota ruft knapp 2,9 Millionen Fahrzeuge zurück

          Die Kooperation läuft seit 18 Jahren

          Die DUH führe ihre inhaltliche Projektarbeit auf der Basis ihrer Satzung durch, heißt es dort weiter. Gegenleistungen für die finanzielle Unterstützung erbringe man grundsätzlich nicht. Aus Sicht der Umwelthilfe hat die Verbindung zu Toyota daher nichts Anrüchiges: Zum einen arbeite man schon seit mehr als 25 Jahren an Projekten zur Durchsetzung der „sauberen Luft“ für deutsche Städte wie der Durchsetzung und Verschärfung von Umweltzonen sowie an spritsparenden und gleichzeitig sauberen Kraftfahrzeugen. Die Kooperation mit Toyota gehe dabei ins achtzehnte Jahr. Sie reicht also deutlich länger zurück als die aktuelle Diskussion um den Diesel. Zum anderen arbeite die DUH auch mit anderen deutschen und internationalen Autoherstellern sowie Zulieferbetrieben schon einige Jahre länger zusammen. Erste Kooperationspartner zu den angesprochenen Themen waren nach Angaben der Umwelthilfe Ford und Daimler.

          Ist diese Zusammenarbeit angesichts des Produktmix von Toyota aber wirklich über jeden Zweifel erhaben? Aktuell unterstützt Toyota wohl im zehnten Jahr das Projekt „CO2-Minderung im Straßenverkehr“, aus dem die DUH die Dienstwagenumfragen bei Politikern, Unternehmen, Behörden und Kirchen finanziert. Toyota-Dienstwagen dürfte man dabei in Deutschland eher selten finden. Finanziert wird zudem im vierten Jahr neben Erdgas-Institutionen das Projekt „Umwelttaxi“, in dessen Rahmen die Umwelthilfe Fachgespräche für Landes-/Kommunalpolitiker, Taxiverbände und -unternehmen, Umweltbehörden und Verbände organisiert. Mehr Toyota-Taxen dürften ebenfalls in großem Interesse des Herstellers sein. Bei allen diesen Fachgesprächen waren aber auch Umwelttaxi-Hersteller wie VW, Opel, Mercedes eingeladen und sind nach Angaben der Umwelthilfe auch erschienen.

          Bild: F.A.Z.

          In der Branche ist nicht bekannt, dass die Umwelthilfe einen Toyota-Diesel geprüft hätte

          Mit Blick auf bevorzugte Motoren wiederum heißt es bei der DUH, dass man keine Antriebstechnologien bewerbe. Vielmehr setze man sich technikneutral für spritsparende und gleichzeitig saubere Antriebe ein. „Die DUH schließt weiterhin Dieselmotoren nicht generell aus. Allerdings müssen diese unter allen normalen Umgebungsbedingungen auf der Straße die NOx-Grenzwerte Eins zu Eins einhalten, so wie dies viele moderne Euro 6 Benziner, Benzin-Hybrid und Erdgasantriebe tun“, heißt es weiter. Und: „Da wir derzeit keinen einzigen Euro 6 Diesel-Pkw kennen, der die Grenzwerte auf der Straße auch nur näherungsweise einhält, raten wir vom Kauf eines Diesel-Pkws ab.“

          Empfohlen werden deshalb unter anderem Benzin-Hybridantriebe, was Toyota sehr freuen dürfe. „Eine pauschale Empfehlung für Benzin-Hybrid geben wir nicht, da leider eine zunehmende Anzahl insbesondere der Plug-In Hybrid-Modelle auf Leistungssteigerung, bei gleichzeitig auf der Straße hohem Verbrauch, entwickelt wurden“, teilt die DUH dann aber noch einschränkend mit. Von einer Überprüfung eines Toyota-Dieselmodells durch die Umwelthilfe ist in der Branche allerdings auch nichts bekannt.

          Von Toyota werden die Fakten bestätigt. Die Zusammenarbeit bestehe seit „mehr als zehn Jahren“, neben den Umwelttaxis auch beim Umweltmedienpreis. Mit Blick auf die Höhe der finanzielle Unterstützung heißt es nur, Vereinbarungen mit Lieferanten beziehungsweise Geschäftspartnern veröffentliche man grundsätzlich nicht: „Das Engagement mit der DUH ist in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden.“ Aber Toyota sei eben „sehr interessiert an Themen der nachhaltigen und umweltfreundlichen Mobilität.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Jetzt auch BMW? Video-Seite öffnen

          Dieselskandal : Jetzt auch BMW?

          Nach dem Test eines BMW 320d wirft die Deutsche Umwelthilfe dem Autohersteller vor, seine Dieselfahrzeuge mit Abschaltvorrichtungen versehen zu haben, um einen niedrigeren Schadstoffausstoß vorzugaukeln.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Bald am Ende der Geduld mit der SPD?: Hessens Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Volker Bouffier.

          Bouffier gegen KoKo-Modell : „Sind nicht die Therapiegruppe der SPD“

          Die SPD ziert sich kurz vor Beginn ergebnisoffener Gespräche mit der Union vor einer formellen Koalition. Im F.A.Z.-Interview lehnt CDU-Bundesvize Volker Bouffier die Vorschläge für ein Bündnis mit wechselnden Mehrheit jedoch entschieden ab.
          9.541,74 Euro pro Monat bekommen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages seit dem 1. Juli 2017.

          Gehalt für Abgeordnete : Diäten sollen weiter automatisch steigen

          Weil höhere Abgeordnetenbezüge oft Protest hervorgerufen haben, hat man das Verfahren geändert: Jetzt wird jedes Jahr automatisch angepasst. Das soll auch in der neuen Legislaturperiode so weitergehen – trotz Kritik.
          Er ist der Herrscher der „neuen“ Türkei: Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

          Zur Lage in der Türkei : Warum sind Atatürks Enkel so wütend?

          Der Journalist Baha Güngör hat ein Buch über die Türkei geschrieben. Er will Verständnis für die Entwicklung des Landes schaffen. Wie erklärt der einstige Redaktionsleiter bei der Deutschen Welle das Phänomen Erdogan?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.