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Wichtig für Elektroautos : Bosch-Chef: Batteriefabrik lohnt sich wohl nicht

Volkmar Denner Bild: dpa

Die Dauerkritik am Diesel wird dem Zulieferer noch große Schwierigkeiten bereiten. Und wie wär’s mit einer Batteriefabrik? Eher nicht, deutet der Bosch-Chef an. Und nennt auch Gründe dafür.

          Bosch-Chef Volkmar Denner fordert von der Autobranche mehr Transparenz. „Wir müssen alles tun, um wieder Vertrauen zurück zu gewinnen“, ist sein Blick auf den Dieselskandal und seine Folgen: „Wir müssen zeigen, wie wir vorgehen, welche technischen Lösungen es gibt und wie diese wirken. Und wenn die Autos auf der Straße vergleichbare Abgaswerte zeigen wie im Labor, dann ist von den Vorwürfen das meiste schon vom Tisch“, sagt Denner. Auch mit den NGOs, den Nichtregierungsorganisationen, müsse man eine ganz andere Art der Zusammenarbeit pflegen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          „Wir haben die Deutungshoheit verloren“, gesteht Denner ein. Notwendig sei eine faktenbezogene Diskussion. Dann werde klar, dass der Diesel keine überkommene Technologie sei, sondern bezüglich der Abgase vergleichbar mit einem Benziner, in punkto Partikel sogar besser. Für die eigenen Entwickler müsse das Ziel sein, sich nicht mehr mit gesetzlichen Grenzwerten zufrieden zu geben: „Ein Verbrenner soll im Wesentlichen nur noch das ausatmen, was er eingeatmet hat.“ Im Vorstand des Branchenverbands VDA setzt Denner sich für eine entsprechende Kampagne ein, stellt aber auch klar: „Bosch macht nur mit, wenn sie nach vorne gerichtet ist.“

          50.000 Mitarbeiter im Diesel-Geschäft

          Entsprechend ungehalten reagiert der Bosch-Chef auf die Schlagzeilen über Abgastests mit Affen und Versuche mit Menschen: „Ich bin entsetzt“, sagte er vor Journalisten in Ludwigsburg: „Wieder ein Rückschlag im Bemühen um die Versachlichung der Diskussion über den Diesel.“ Bosch selbst ist im Jahr 2013 aus der Forschungsgemeinschaft EUGT ausgetreten, die diese Versuche zu verantworten hat. Man sei mit der wissenschaftlichen Arbeit nicht zufrieden gewesen, deutete Denner an – aber mit den erst später gestarteten Versuchen mit Affen habe die Entscheidung nichts zu tun.

          Die Dieselkrise, die seit dem Aufdecken von Manipulationen an VW-Motoren im Herbst 2015 zu laufend sinkenden Zulassungszahlen für Diesel-Autos geführt hat, ist für Bosch als größten Lieferanten von Dieseltechnik eine konkrete Bedrohung. Rund 50.000 der insgesamt 400.000 Bosch-Mitarbeiter werden dem Diesel-Geschäft zugerechnet. Sollten die Diesel-Verkäufe weiter zurückgehen, „haben wir ein Beschäftigungsthema“, kündigte Rolf Bulander an, der in der Bosch-Geschäftsführung für die dominante Mobilitätssparte verantwortlich ist. Wann und in welchem Umfang es zu Überkapazitäten kommen wird, lässt sich schwer abschätzen, sagt Bosch-Chef Denner. Das Nutzfahrzeug-Geschäft, das bisher die Rückgänge der Auto-Nachfrage kompensiere, sei traditionell sehr volatil, teilweise auch abhängig von der Gesetzgebung: „Das mit der Kompensation wird eventuell nicht mehr lange gut gehen.“

          Die Elektromobilität ist kurzfristig kein Ausweg, stellt Denner klar. Die Anforderungen an die Produktion von Dieseltechnologie seien teilweise so hoch wie in der Chipfertigung – solche Maschinen seien nicht für die Elektromobilität zu gebrauchen. „Kein anderes Unternehmen ist so breit aufgestellt in der Elektromobilität wie Bosch. Aber wir brauchen Zeit für die Transformation.“ Der Bau einer Batteriezell-Fabrik, der seit langem geprüft wird, scheint nach den Ausführungen von Denner eher unwahrscheinlich. „Es geht bei der Entscheidung über die Zellproduktion auch um die Frage, wie ausschlaggebend diese für den unternehmerischen Erfolg in der Elektromobilität ist“, gibt er zu bedenken und fügt hinzu, wie gut die Bosch-Batterien doch heute schon seien, obwohl man die Zellen nicht selbst herstelle, sondern zukaufe.

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