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Automobilindustrie : Blume heißt der neue Mr. Porsche

Oliver Blume Bild: Porsche

Oliver Blume wird wohl neuer Porsche-Chef. Der Nachfolger von Matthias Müller ist ein Organisationstalent. Ohne ihn hätte Porsche nicht so schnell wachsen können.

          Es läuft so prächtig bei Porsche, dass Vorstandschef Matthias Müller problemlos nach Wolfsburg abgezogen werden kann, um im VW-Konzern den Abgasskandal aufzuarbeiten. Müller hat sein Haus bestellt: Er hat tüchtige Führungskräfte um sich geschart. Oliver Blume, 47 Jahre alt, derzeit Produktionsvorstand bei dem Stuttgarter Sportwagenbauer, hat das Zeug, Müllers Nachfolger zu werden. Während Müller nun seine Hauptaufgabe in Wolfsburg hat, kann sich Blume bewähren. Nächste Woche, so ist zu hören, soll er zum Porsche-Chef berufen werden.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Außerhalb des traditionsreichen Sportwagenhauses, das den ehrwürdigen Namen Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG als Bestandteil des Mythos pflegt, kennt man Blume bisher nicht. Er ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Von sich selbst sagt er, er sei Mannschaftsspieler. In jungen Jahren hat der großgewachsene Oliver Blume ziemlich erfolgreich Fußball gespielt, auf der Position des Libero – sprich: als derjenige, der die Fehler seiner Vorderleute ausbügeln muss.

          Ohne Blume hätte Porsche-Chef Müller nicht so viele Meriten erwerben können. Die ehrgeizigen Ziele, die Müller beim Amtsantritt als Porsche-Chef vor fünf Jahren ausgab, hat er vor allem auch deshalb vorzeitig abhaken können, weil Blume perfekt zuarbeitete. Doppelt so viele Autos zu verkaufen, gelingt schließlich nur, wenn auch doppelt so viele produziert werden können.

          Nach dem Studium ging es zunächst zu Audi

          Zwar ist es im Riesenreich VW nahezu Alltagsgeschäft, irgendwo ein neues Werk aufzubauen und einzurichten. Doch im Fall von Luxusautos, von denen keins dem anderen gleicht, ist der Anspruch logischerweise noch einmal ein anderer. In dieser Hinsicht steht Porsche in der nächsten Zeit noch eine anspruchsvolle Aufgabe bevor: Am Stammsitz in Stuttgart wird die Produktion noch einmal deutlich komplexer. Hier gelingt bisher schon das Kunststück, dass auf einer einzigen Produktionslinie die durchaus sehr unterschiedlichen Sportwagen-Modelle 911 und Boxster sowie all ihre Derivate montiert werden. Mit der nächsten Generation des Cayman kommt auch noch dieses Modell dazu, das bisher in Osnabrück bei Volkswagen gebaut wird.

          Das Projekt wird Blume nun wohl vom Posten des Vorstandschefs begleiten, aber ganz bestimmt mit sehr wachen Augen verfolgen. Kaum ein anderer ranghoher Manager im VW-Konzern hat sich kontinuierlicher mit Produktionsthemen beschäftigt als er. Nach dem Maschinenbau-Studium, das er in seiner Heimatstadt Braunschweig absolvierte, startete Blume 1994 mit einem internationalen Trainee-Programm bei Audi ins Berufsleben. Mit 28 Jahren war er Planer für Karosseriebau und die Lackiererei bei Audi, drei Jahre später übernahm er dort die Verantwortung für den Karosseriebau des Audi A3 und weitere zwei Jahre später hatte er es zum Vorstandsassistenten Produktion bei Audi geschafft. Bei aller Kontinuität wagte Blume auch den Blick über den Tellerrand. Seine Promotion zum Thema Fahrzeugtechnik stammt nicht etwa aus der Heimat, sondern von der Tongji Universität Schanghai, einer Hochschule, die in der Zusammenarbeit mit Deutschland eine lange Tradition pflegt. Auch innerhalb des VW-Konzerns sammelte Blume dann reiche Erfahrung: Fünf Jahre lang war Blume in der Produktionsplanung von Seat, weitere fünf Jahre bei der Marke Volkswagen, bevor er 2013 in den Porsche-Vorstand berufen wurde.

          Bei Porsche hatte er gleich das größte Neubauprojekt in der Geschichte des Sportwagenherstellers zu stemmen: das Werk Leipzig, in dem zuvor lediglich mehr oder weniger fertige Karossen des Geländewagens Cayenne mit dem Motor aus Stuttgart zusammengeführt wurden, sollte für den neuen, kleinen Geländewagen Macan zu einer vollstufigen Fertigung ausgebaut werden, mit eigenem Karosseriebau und eigener Lackiererei. Die Zeit dafür war keineswegs einfach: weil die Autobranche weltweit boomte, waren auch die Fabrikausrüster mit ihren Kapazitäten am Ende, beispielsweise die Lackieranlagenbauer. Viel sah danach aus, als würde es gar nicht mehr möglich sein, den neuen Geländewagen Macan rechtzeitig zu produzieren und zu den neugierigen Kunden zu schaffen – doch mit einigem Verhandeln und Hin- und Herjonglieren war dann doch im Frühjahr 2014 alles rechtzeitig fertig.

          Eine neue Fabrik für ein komplett neues Auto mit einer komplett neuen Mannschaft zu realisieren – wer so etwas erfolgreich bewältigt, muss Nerven haben. „Schön“, sagte der VW-Patriarch Ferdinand Piëch damals bei der Macan-Premiere. Das Lob galt dem Auto, die Führungsmannschaft durfte es aber auch auf ihre Arbeit beziehen, und nicht nur Piech ist zufrieden. Blume genießt durchaus die Wertschätzung der Eigentümer-Familien – weil man ihm zutraut, nicht nur Leidenschaft für Technik zu haben, sondern auch Verständnis für diesen besonderen Mythos Porsche. Ein Auto ist eine emotionale Sache, sagt er. Jeder Porsche-Kunde erfüllt sich einen Traum, und dieser Wunsch muss bestmöglich realisiert werden. Dass damit auch richtig gut Geld verdient werden kann, versteht sich auch für den Produktionsmann Blume von selbst. Dass er das auch schaffen kann, muss er in der Position des Porsche-Chefs erst noch beweisen. Die Latte liegt hoch: bisher ist Porsche auf die Rolle als der renditestärkste Serienhersteller der Welt abonniert.

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