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Steuertricks : Wer in den „Paradise Papers“ aufgelistet ist

  • Aktualisiert am

Auch die Queen wird in den „Paradise Papers“ genannt. Bild: dpa

Vom amerikanischen Handelsminister über Kanadas Premier bis zur Queen: Die „Paradise Papers“ bringen Steuertricks von Politikern, Unternehmern, Prominenten und Superreichen ans Licht.

          Wilbur Ross: Der amerikanische Handelsminister soll an Russland-Geschäften verdienen, was Fragen über einen Interessenskonflikt aufwirft. Der 79-jährige Milliardär hält den Berichten zufolge über ein komplexes Netz an Offshore-Investitionen 31 Prozent an einer Reederei namens Navigator. Einer der Großkunden ist der russische Energiekonzern Sibur. Dieser wiederum wird von Vertrauensleuten des Präsidenten Wladimir Putin, darunter der mit amerikanischen Sanktionen belegte Geschäftsmann Gennadi Timschenko sowie Putins Schwiegersohn Kirill Schamalow kontrolliert.

          Diese Verbindung sei dem amerikanischen Senat offenbar nicht bekannt gewesen, als er Ross Anfang 2017 für das Ministeramt bestätigt habe, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Bei Amtsantritt reduzierte Ross den Dokumenten zufolge seine persönliche Beteiligung an Navigator. Doch werden seine Investitionen immer noch auf zwei bis zehn Millionen Dollar geschätzt. Ross habe nichts mit der Entscheidung von Navigator zu tun, Geschäfte mit Sibur zu machen, erklärte ein Sprecher des amerikanischen Handelsministeriums.

          Stephen Bronfman: Ein enger Freund und Förderer des kanadischen Premierministers Justin Trudeau. Er könnte laut der Süddeutschen Zeitung in ein Modell zur Steuervermeidung verstrickt sein. Er ist ein Geschäftsmann und stammt aus einer reichen Familie, die unter anderem Immobiliengeschäfte macht. Bronfman unterstützte Trudeau bei dessen Wahlkampf, indem er Spenden sammelte. Trudeau machte ihn dann zum Verantwortlichen der Parteifinanzen der kanadischen Liberalen.

          Die Dokumente zeigen laut SZ, dass Bronfman zusammen mit seinem Vater im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte mindestens 34 Millionen Dollar an den „Kolber Trust“ auf den Kaimaninseln übertragen hat. Zudem sei eine Investmentfirma Bronfmans zeitweise in die Betreuung des Vermögens verwickelt gewesen. Möglicherweise seien dabei Steuern hinterzogen worden. 

          Ein Anwalt des „Kolber Trust“ sagte, „keine der genannten Transaktionen oder Organisationen hatten den Zweck, Steuern zu hinterziehen oder zu vermeiden“, alle Gesetze und Auflagen seien befolgt worden. Die „Paradise Papers“ sollen nun belegen, dass sich die Beteiligten zinslose Kredite gaben. Solche Aktionen könnten darauf hinweisen, dass Einkünfte oder Geschenke als Darlehen getarnt werden könnten - und damit von der Besteuerung verschont bleiben. Der Anwalt sagte dazu, dass zinslose Kredite unter gewissen Umständen erlaubt seien. Steuerfachmänner, denen die Unterlagen zur Durchsicht gegeben wurden, sehen „etliche Warnsignale“.

          U2-Sänger Bono: Der Frontman der irischen Rockband hat laut „Paradise Papers“ über Firmen in Malta und in Guernsey in ein Einkaufszentrum in Litauen investiert. Bono sei demnach an der Betreiberfirma eines 3700 Quadratmeter großen Gebäudekomplexes mit Einzelhandelsgeschäften in der nordlitauischen Stadt Utena beteiligt, berichtete das dem Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) angehörende litauische Onlineportal „15min.lt“.

          Bonos Sprecherin bestätigte Berichten der britischen Zeitung „The Guardian“ und „15min.lt“ zufolge, dass Paul David Hewson - so der bürgerliche Name des Sängers - ein „passiver Minderheitsinvestor“ in dem auf Guernsey ansässigen Unternehmen gewesen sei. Diese hatte das Einkaufszentrum 2012 von einer maltesischen Firma übernommen, an der Bono auch beteiligt war. Ob er von der Investition in Litauen wusste, blieb unbeantwortet.

          Betrieben worden sei das Einkaufszentrum von einer litauischen
          Tochterfirma nahezu gleichen Namens, die nach Angaben des Steueramts zwischen 2011 und 2016 wegen Verlustvorträgen keine Ertragsteuer entrichtet habe. Die Behörde führe derzeit ein Kontrollverfahren“ durch, sagte eine Sprecherin.

          „Paradise Papers“ : Auch Geld der Queen in Steueroase angelegt

          Queen Elizabeth II.: Die britische Königin soll rund zehn Millionen Pfund (mehr als elf Millionen Euro) aus ihrem Privatvermögen in Fonds auf den Kaimaninseln und den Bermudas angelegt haben. Das Geld sei unter anderem in die umstrittene Handelskette Brighthouse reinvestiert worden, die wegen Wucherzinsen in der Kritik steht, berichteten BBC und „Guardian“. Geld sei auch in eine Ladenkette für Spirituosen geflossen, die aber später Pleite ging. Das Herzogtum von Lancaster, das für die Anlagen der Queen zuständig ist, erklärte: „Alle unsere Investitionen sind vollständig überprüft und rechtmäßig.“

          George Soros: Der Investor soll über die Kanzlei Appleby ein Netz von Firmen unter anderem auf den Britischen Jungferninseln und den Bermudas verwaltet haben. Der Gründer des Onlineauktionshauses, Pierre Omidyar, ist demnach Chef einer Firma auf den Kaimaninseln, die als Investitionsvehikel für seinen Trust fungiere.

          Paul Gauselmann: Der deutsche Spielotheken-Betreiber ist ebenfalls in den Dokumenten erwähnt. Das Glücksspiel-Geschäft, das faktisch staatlicher Regulierung entzogen ist, habe seinen Grundstein in der Steueroase Isle of Man.

          Curt Engelhorn: Die deutsche Milliardärsfamilie Engelhorn ist laut den Dokumenten Großkunde der Kanzlei Appleby. Ein Steuerverfahren gegen zwei Töchter des 2016 verstorbenen Pharma-Unternehmers Curt Engelhorn hatte demnach zu einer Nachzahlung von 145 Millionen Euro geführt. Allerdings hätten die deutschen Steuerbehörden damals nichts von einigen der dutzenden Trusts gewusst, die der Familie Engelhorn zuzurechnen seien.

          Gerhard Schröder: Auch der Name des Bundeskanzlers taucht in den Papieren auf, allerdings nicht mit eigenem Geld. Schröder war “unabhängiger Aufsichtsrat“ des russisch-britischen Unternehmens TNK-BP, das seinen Sitz auf den Britischen Jungferninseln hat. Diese Information allerdings war schon zuvor öffentlich.

          Quelle: jet. mit Material von dpa/Reuters

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