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Diensträder : Mit Rückenwind ins Büro

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Immer mehr Deutsche setzen auf Diensträder statt Dienstwagen. Bild: Sonntag, Florian

Der Firmenwagen gilt als Statussymbol. Doch immer mehr Berufstätige satteln auf ein Dienstfahrrad um. Einige Unternehmen unterstützen das. Die Branche kommt in Schwung.

          Strampeln und schwitzen in Anzug und Krawatte war früher. Wer heute bequem mit dem Rad zum Büro fahren und auch Steigungen spielend meistern will, kann auf Pedelecs und E-Bikes setzen. Als Diensträder mit eingebautem Rückenwind finden sie immer mehr Anhänger, das kurbelt auch den Fahrrad-Markt in Deutschland an. Von der Straße verdrängen werden sie das Heer von Dienstwagen zwar vorerst sicher nicht - aber das Umdenken hat begonnen.

          Das zeigt auch die Messe E-Bike-Days (20. bis 22. Mai), die an diesem Freitag im Münchner Olympiapark startet. Die Besucher können dort auch viele Modelle zu Testfahrten ausleihen. Mit dabei ist unter anderem das Freiburger Unternehmen JobRad, das Dienstrad-Leasingangebote an Firmen und Arbeitnehmer vermittelt und abwickelt. Mehr als 1500 Arbeitgeber hat JobRad bereits deutschlandweit für das Modell gewonnen, darunter auch den Software-Riesen SAP : Seit gut einem Jahr können Mitarbeiter des Dax -Konzerns mit festem Arbeitsvertrag ein Dienstrad leasen - und auf Wunsch gibt es ein zweites Rad für ein Familienmitglied dazu.

          Mit dem Programm sollen Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten unterstützt und die Umwelt geschont werden, wie Projektleiter Marcus Wagner sagt. Per Gehaltsumwandlung nutzen die Mitarbeiter dabei Steuervorteile und an deren Ende günstige Kaufoptionen. Sie können so zwischen 20 und 40 Prozent im Vergleich zum Preis bei einem Barkauf des Rades sparen.

          Ermutigende Entwicklung

          Wann und wie sie die Räder nutzen, bleibt ihnen dabei selbst überlassen - ob für Arbeitsweg, beim Einkaufen oder nur für den Ausflug ins Grüne. Rund 1100 der berechtigten rund 17.000 SAP-Mitarbeiter in Deutschland nutzen das Angebot mittlerweile. Mit der Resonanz ist Wagner sehr zufrieden und empfiehlt das Modell auch anderen Unternehmen. Dass Mitarbeiter auf ihren Dienstwagen verzichten und stattdessen nur noch in die Pedale treten wollen, hat er zwar noch nicht erlebt. Für weitere Dienstfahrten zu den Kunden sei das Fahrrad aber auch nicht unbedingt geeignet - wohl aber die BahnCard100, die so mancher SAP-Mitarbeiter dem Dienstauto vorzieht.

          Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, der gerade die diesjährige Initiative „Mit dem Rad zur Arbeit“ gestartet hat, findet die Entwicklung ermutigend. „Man wird mit einem Dienstfahrrad aus einem Hardcore-Autofahrer keinen Hardcore-Radfahrer machen“, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Wenn aber etwa über Firmenprogramme mehr Menschen die Vorzüge des Radelns für sich entdecken und ihre Erfahrungen auch an andere weitergeben, sei schon viel gewonnen.

          2012 nahm laut Statistik „Verkehr in Zahlen“ gut ein Zehntel der Berufstätigen in Deutschland für den Weg zum Job das Rad - aktuellere Daten gibt es nicht. Aber: Die Zahl der Kombinierer, die sich zumindest für einen Teil des Arbeitswegs auf den Fahrradsattel schwingen, wächst, und auch die Strecken werden länger.

          Auch ohne Elektromotor ein beliebtes Verkehrsmittel

          Von der Entwicklung profitieren auch die Hersteller. Im vergangenen Jahr kletterten die Umsätze mit Fahrrädern und E-Bikes um satte zwölf Prozent auf gut 2,4 Milliarden Euro. Etwa jedes achte der 4,35 Millionen verkauften Räder war ein E-Bike. Längst sind die Elektroräder nicht mehr nur etwas für ältere Herrschaften. „Die Zielgruppen werden jünger und sportlicher und gerade das E-Mountainbike erfreut sich immer größerer Beliebtheit“, heißt es beim Zweirad-Industrie-Verband. Auch im Handel gelten Pedelecs und E-Bikes als Treiber: „Sowohl in Ballungsräumen als auch im ländlichen Raum wird das E-Bike zu einer preiswerten Kfz-Alternative“, sagt Uwe Krüger vom Institut für Handelsforschung in Köln.

          Aber auch ohne Elektromotor bleibt das Fahrrad für Viele ein beliebtes Fortbewegungsmittel - gerade in vollen Innenstädten, wie das Beispiel Nikolaus von Bomhard zeigt: Statt dunkler Dienstlimousine nutzt der scheidende Chef des Versicherungsriesen Munich Re auch gerne mal das Fahrrad für den Weg ins Büro - weil es einfach die schnellste Form der Fortbewegung sei in München, wie er selbst einmal sagte.

          Um noch mehr Menschen für das Rad zu begeistern - auch für das Dienstrad - müssten Bund, Länder und Kommunen aus Sicht des ADFC für eine sichere und komfortable Rad-Infrastruktur und gute Abstellmöglichkeiten sorgen. Fast die Hälfte der Radler fühle sich im Verkehr nicht sicher. „Ganz zu schweigen von denen, die sich wegen des bedrohlichen Autoverkehrs erst gar nicht auf das Rad trauen. Und niemand will ein 1000-Euro-Rad an einem Bauzaun anschließen müssen.“

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