14.06.2009 · Die Herrschergattin von Qatar liebt deutsche Sportwagen. Hinter dem geplanten Einstieg des Golfstaates bei Porsche steht weniger der Scheich als dessen Frau. Mouza Bint Nasser Al Missned ist in der arabischen Welt eine Ausnahmeerscheinung.
Von Christian SiedenbiedelSportwagen sind eine der letzten Bastionen der Männer. Wo es um Pferdestärken geht, um Sounddesign für den Motor und um Rennledersitze, da sind die Männer noch unter sich. Tatsächlich? In Wirklichkeit spricht vieles dafür, dass hinter dem geplanten Einstieg des Golfstaates Qatar bei Porsche weniger der dortige Scheich steht als vielmehr dessen Frau.
Mouza Bint Nasser Al Missned, geboren 1964, ist eine kluge, weltoffene und dazu auch noch schöne Muslimin, wie sie in den konservativen Golfstaaten ihresgleichen sucht. Westlichen Luxusmarken gegenüber ist sie nicht abgeneigt und zu ihrem Fuhrpark gehören schon heute so viele Sportwagen, dass selbst Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei einem Besuch in Qatar ein Staunen nicht unterdrücken konnte.
Die einzige Frau des Emirs von Qatar ist sie allerdings nicht. Aber immerhin ist sie die Lieblingsfrau unter dreien. Und es ist unübersehbar, dass sie gewaltigen Einfluss auf ihren Gatten ausübt. So ist sie auch die Erste, die sich jetzt offiziell zu dem geplanten Porsche-Einstieg äußert. "Ich begrüße dies vor allem wegen des langfristigen Nutzens", sagte sie der Zeitschrift "Focus". Sie verspreche sich von der Zusammenarbeit Hilfe für eines ihrer Lieblingsprojekte: die Ansiedlung ausländischer Firmen und Universitäten in einem Technologiepark in Qatar. "Aktuell sind 23 weltweit bekannte Firmen vor Ort, und Porsche wird hoffentlich das erste berühmte deutsche Unternehmen sein." Öl und Gas in der Golfregion werden nicht ewig reichen, da ist sie sicher. Darum müsse man Bildung und Wissenschaft fördern. Das ist ihr Lebensprogramm.
Die wichtigste Beraterin des Herrschers
Die Scheicha ist in der arabischen Welt eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, dass sie sich mit ihrem Mann bei öffentlichen Terminen auch im Ausland zeigt und in Paris neben Carla Bruni eine ebenso gute Figur macht wie in London beim Besuch der Queen. Sie gilt auch als wichtigste Beraterin des Herrschers und hat mit ihm zusammen das kleine Land reformiert. Fast alle Fortschritte dort sollen ihr zu verdanken sein; unter anderem die Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen. Auf der "Forbes"-Liste der mächtigsten Frauen der Welt steht die Scheicha deshalb immerhin auf Platz 79.
Als Soziologiestudentin in Qatar hatte sie den damaligen Kronprinzen kennengelernt, der von ihrem Charme und Intellekt sofort überzeugt war und sie umgehend heiratete. 1995 setzte der Prinz seinen Vater, den Emir, ab, wie dieser es Jahre zuvor auch schon mit seinem Vater gemacht hatte. Seither regiert der Mann der klugen Scheicha Qatar - und seine Frau regiert mit.
Das kleine Land, dessen Hauptstadt Doha noch in den fünfziger Jahren aus einer Ansammlung von Lehmhütten bestand und von einem Reiseführer als "langweiligster Flecken der Erde" bezeichnet wurde, blühte unter dem heutigen Scheich auf. Vor allem die Förderung von Gas sorgte für Wohlstand. Heute gelten die Einwohner von Qatar mit einem Durchschnittseinkommen von 100 000 Euro im Jahr als die reichsten der Erde. Nirgendwo sonst dürfte die Sportwagendichte so groß sein. Dank großzügiger Subventionen sind die Luxusautos dort rund 30 Prozent billiger als in Europa.
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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