31.10.2009 · „Fünf Kinder von drei Männern“, sagt Karin Jehle und lacht. „Das klingt jetzt irgendwie unmoralisch.“ Stephan Neuß, ihr Ehemann, schaut belustigt. Bei ihm sind es immerhin drei Kinder von zwei Frauen. Doch so unübersichtlich wie es scheint, sind die Familienverhältnisse der beiden gar nicht.
Von Inge Kloepfer„Fünf Kinder von drei Männern“, sagt Karin Jehle und lacht. „Das klingt jetzt irgendwie unmoralisch.“ Stephan Neuß, ihr Ehemann, schaut belustigt. Bei ihm sind es immerhin drei Kinder von zwei Frauen. Doch so unübersichtlich sind die Familienverhältnisse der beiden gar nicht. Jehle und Neuß haben zwei gemeinsame Kinder, Thaddäus (5) und Jesaja (7), die beiden jüngsten. Aus zwei früheren Beziehungen hat Karin Jehle noch Aaron (12), Luzie (14) und Ferdinand (19).
Alle fünf Kinder von Karin Jehle leben mit ihr und ihrem Mann zusammen im Haushalt. Doch für die drei älteren Kinder hat sie allein das Sorgerecht. Würde ihr etwas zustoßen, so hätte ihr Mann kaum Ansprüche, die Kinder zu sehen oder weiterhin zu erziehen, obwohl sie bei ihm leben. Die leiblichen Väter würden vorgezogen. „Einer der beiden Väter kümmert sich“, sagt Karin Jehle, „der andere nicht.“ Die beiden Ältesten sehen ihren Vater regelmäßig.
Stephan Neuß ist Karin Jehles erster Mann. Mit den beiden Vätern ihrer großen Kinder war sie nicht verheiratet. Stephan Neuß' Tochter Antonia (11) lebt bei ihrer Mutter, die das Sorgerecht hat, ist aber alle zwei Wochen für vier Tage das sechste Kind im Haus.
Zwei Einkommen, fünfmal Kindergeld, dreimal Unterhalt
Die Familie wohnt in einem Häuschen in Berlin-Weißensee, ganz im Osten der Stadt. Karin Jehle ist Sonderpädagogin und voll berufstätig. Ihr Mann, ein Sozialarbeiter, arbeitet etwas weniger. Beide sind Angestellte von Bildungsträgern der evangelischen Kirche. „Um fünf Kinder großzuziehen und sich einiges leisten zu können, braucht man schon zwei Einkommen“, stellen sie fest.
Rund 5000 Euro haben sie im Monat netto zur Verfügung. Das sind ihre beiden Gehälter, fünfmal Kindergeld, dreimal Unterhalt von den beiden anderen Vätern; minus einmal Unterhalt, den Stephan Neuß für Antonia zahlen muss. Die 5000 Euro sind aber schnell ausgegeben, „weil wir uns bestimmte Dinge nicht verwehren“. Zum Beispiel die Waldorf-Schule, die für jedes der fünf Kinder 100 Euro Schulgeld im Monat kostet. „Wir haben uns auch gesagt, dass jeder die Chance haben soll, ein Instrument zu lernen.“ Klavier, Geige, Flöte, Trompete, Oboe - der Haushalt der Jehles ist ein Orchester. Dann muss das Haus abbezahlt werden, an dem es auch einiges zu reparieren gäbe. Bei Jehles sieht es eher karg aus. Die Kinder teilen sich die Zimmer.
Wenn der Älteste studieren will, dann wird er sich selbst finanzieren müssen, weil eigentlich nicht viel übrig bleibt am Monatsende. „An diesen Gedanken haben wir uns inzwischen gewöhnt“, sagt Karin Jehle. Anfänglich kam ihr das komisch vor. Ihr Mann ist da lockerer. Alles in allem ist die Familie trotzdem zufrieden. Jehle sagt: „Ich brauche gar nicht mehr Geld, sondern hätte lieber etwas mehr Zeit.“ Zeit für die Kinder, ihren Mann und sich. Aber das ist eben nicht drin.
Inge Kloepfer Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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