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Geschlossene Balkanroute : Die neuen Wege der Flüchtlinge

Die Balkanroute ist blockiert, nun suchen Flüchtlinge neue Routen (gestrichelte Pfeile). Bild: F.A.Z.NET

Nach der Schließung der Balkanroute dürften die Migranten nach Alternativen suchen. Schlepper könnten wieder einmal die Profiteure sein.

          Die Schließung der Balkanroute, über die die EU auf dem Gipfeltreffen am Montag in Brüssel heftig diskutiert hat, dürfte die Wirtschaft und Infrastruktur im ehemaligen Jugoslawien entlasten. Andererseits bedeuten die verschärften Grenzkontrollen zugleich, dass es auch aus der Region selbst immer weniger Migranten nach Österreich und Deutschland schaffen werden. Überdies könnte die Abschottung dazu führen, dass Schlepper und Flüchtlinge neue Wege nach Westeuropa suchen, etwa über Albanien und Bulgarien.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Ungarn hat auf diese Verschiebung der Route schon reagiert. Kürzlich kündigte Ministerpräsident Viktor Orbán den Bau eines Zauns an der Grenze zu Rumänien an. Ähnliche Sperranlagen existieren schon Richtung Serbien und Kroatien. Weil die Flüchtlinge von Griechenland jetzt aber nicht mehr nach Mazedonien und dann nordwärts reisen können, fürchtet Budapest, dass sie verstärkt von Griechenland über Bulgarien nach Rumänien strömen. Bulgarien hat zwar seine Grenze zur Türkei mit Stacheldrahtverhauen gesichert, nicht aber jene zu Griechenland.

          In Albanien, das ebenfalls an Griechenland grenzt, ist die Lage noch ruhig. Die Grenzschutzorganisation Frontex sieht vorerst keine Zunahme illegaler Übertritte dort. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) – die anders als Frontex an der Grenze präsent ist – beurteilt die Situation ähnlich, beobachtet aber, dass die Grenzüberwachung wächst.

          Die Balkanroute ist zu: Im Lager von Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien harren Tausende seit Wochen aus.  Nach starken Regenfällen ist das Lager am Dienstagmorgen verschlammt.
          Die Balkanroute ist zu: Im Lager von Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien harren Tausende seit Wochen aus. Nach starken Regenfällen ist das Lager am Dienstagmorgen verschlammt. : Bild: dpa

          „Die Alarmbereitschaft und die Zahl der Patrouillen hat als Folge der Entwicklung an der griechisch-mazedonischen Grenze zugenommen“, sagt eine Sprecherin und bezieht sich damit auf die weitgehende Schließung des mazedonisch-griechischen Kontrollstelle Idomeni.

          Tirana wäre nicht vorbereitet

          In Albanien wären die Grenzübergänge Kapshitca und Kakavija betroffen, von wo aus sich die Flüchtlinge Richtung Montenegro im Norden durchschlagen könnten. Anschließend müssten sie aber Serbien oder Kroatien durchqueren, die gemeinsam mit Österreich und den anderen Staaten der Region beschlossen haben, den Transit auszutrocknen.

          Eine andere Möglichkeit bestünde darin, von der albanischen Adriaküste aus nach Italien überzusetzen. Logistisch und nautisch gilt das gegen entsprechende Bezahlung als machbar. Wie es heißt, wäre Tirana auf einen Massenansturm aber nicht vorbereitet, die Grenzpolizei könne nur 400 Personen am Tag abfertigen.

          Die neuen möglichen Wege der Flüchtlinge sind kompliziert, weshalb die Schlepper in Zukunft mehr Geld verlangen könnten. Schon jetzt ist der Menschenschmuggel ein einträgliches Geschäft: Nach Schätzungen von Frontex haben die Schleuser 2015 rund 4 Milliarden Euro eingenommen. Die kriminelle Professionalität sei hoch, die Verbrecher träten verstärkt über soziale Medien in Erscheinung. Viele Facebook-Seiten ähnelten Reisebüros, „mit Fotos, Informationen zum Preis und zur Route sowie nützlichen Reisetipps“.

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