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Beteiligungen : Die neue Formel 1 des Kabel-Cowboys

John Malone ist 75 Jahre alt und Selfmade-Milliardär. Bild: Reuters

John Melone integriert die Rennserie Formel 1 in seinen Konzern und will neue Erlösquellen erschließen. Wer ist eigentlich der amerikanische Medienmogul?

          Nach der Übernahme der Formel1 durch das Konglomerat des amerikanischen Medienmoguls John Malone deutet sich bei der zwar lukrativen, aber dennoch auf vielen Feldern geschäftlich stagnierenden Rennserie eine massive Ausweitung der Vermarktung an. Zudem könnten bisher beteiligte Teams wie Mercedes, Ferrari oder Red Bull und die dahinter stehenden Konzerne durch einen vorgesehenen Börsengang der zur Formula One Group umbenannten Unternehmung weiter eingebunden werden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Malone, 75 Jahre alt und Selfmade-Milliardär, hielt sich nach dem Kauf wie üblich bei solchen Transaktionen mit öffentlichen Aussagen zurück. Dafür ließ er die Manager seines Konzerns Liberty Media sprechen, die den Deal eingefädelt hatten und sich eine gewinnbringende Neupositionierung der Marke Formel1 versprechen. Hier geht es vor allem um die Möglichkeiten der Digitalisierung, die Vermarktung über Streamingdienste und in sozialen Netzwerken – insgesamt eine erhebliche Wertsteigerung bei den medialen Rechten. Hier sei die Formel 1 „unterentwickelt“, sagte Greg Maffei, Vorstandschef bei Liberty Media. Er kündigte an, neue Erlösquellen erschließen zu wollen. Auch wurde angedeutet, den Rennkalender zu erweitern und einen neuen Versuch zu unternehmen, die Formel 1 in den Vereinigten Staaten gegen die Konkurrenz der Nascar-Serie und Indianapolis 500 stärker zu positionieren. Was das für Deutschland und seine zwei zur Verfügung stehenden Standorte – Hockenheimring und Nürburgring – bedeutet, ist nicht raus. Die weltweite Fernsehaudienz bei den Formel-1-Rennen war im vergangenen Jahr auf 400 Millionen Zuschauer gefallen – von 600 Millionen in 2008.

          Acht Milliarden Dollar soll Liberty Media für 35,1 Prozent der Anteile des Finanzinvestors CVC Capital Partners zahlen. 1,1 Milliarden Dollar fließen dabei in bar sowie Aktien an Liberty Media. Für die ersten 18,7 Prozent wurden nach Angaben bereits 746 Millionen Dollar an CVC überwiesen. CVC war vor zehn Jahren in die Formel 1 eingestiegen und hat seinen Kapitaleinsatz in der Zwischenzeit mit diversen Verkäufen von Anteilspaketen auch an den norwegischen Staatsfonds vervielfacht. Die Rendite über die Zeit liegt unter dem Strich bei mehr als 1000 Prozent. Weitere Anteilseigner der Formel 1 sind unter anderem der amerikanische Finanzinvestor Waddell & Reed (20,9 Prozent) sowie der 85 Jahre alte Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone. Dieser besitzt selbst 5,3 Prozent, sein Bambino Trust 8,5 Prozent.

          Ecclestone soll im Rennzirkus erst einmal eingebunden bleiben, wie es heißt. Doch dürfte die Zeit des umstrittenen Motorsport-Managers und einstigen Gebrauchtwagenhändels an der operativen Spitze der Formel1 mit dem Deal schnell dem Ende zusteuern. Die CVC-Anteile sichern Liberty Media 100 Prozent Stimmrechte über die Formel1.

          Die Übernahme durch Liberty Media passt zum Trend, dass sich in der Sportunterhaltungsindustrie immer mehr spezialisierte Großkonzerne einkaufen und die begehrten Rechtepakete an den Live-Events weiter veredeln und vermarkten. Das Fernsehen und die neuen digitalen Plattformen leben von Sportereignissen. Im Juli hatten die amerikanische Künstleragentur William Morris Endeavor (WME) und das Sportmarketingunternehmen IMG den Anbieter der erfolgreichsten Kampfsportserie, Ultimate Fighting, für vier Milliarden Dollar übernommen. Dem chinesischen Wanda-Konzern wird Interesse an Großübernahmen und neuen Turnierformaten im Fußball nachgesagt.

          Mit der Formel 1 gehört Malone, Besitzer des Baseballteams Atlanta Braves, nun eine globale Sportserie. Weil er sein Imperium in den siebziger und achtziger Jahren auf eine Vielzahl Zukäufe von Kabelgesellschaften gründete, wird er in der Branche „Kabel-Cowboy“ genannt. Im Liberty-Konzern ist er Oberhaupt eines Geflechts aus Holdings und Untergesellschaften. In Deutschland kaufte Malone 2009 den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia, zwei Jahre später dann Kabel BW. Malone hält auch eine Beteiligung am Medienkonzern Discovery, dazu zählt wiederum der TV-Sender Eurosport. Discovery hatte sich im vergangenen Sommer überraschend die TV-Rechte an den Olympischen Spielen für den europäischen Markt von 2018 bis 2024 gesichert. Dem Multimilliardär, der mit seinem Faible für Ranches auch größter Landbesitzer in den Vereinigten Staaten ist, gehört als Aktionär die Mehrheit am Medienkonzerns Charter Communications, der wiederum im vergangenen Jahr für 55 Milliarden Dollar den Rivalen Time Warner Cable übernommen hatte.

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