02.08.2007 · Wie kam es, dass der IKB so schnell Helfer zur Seite sprangen? Und warum hat sich die Krise bislang noch nicht auf den ganzen Finanzplatz ausgeweitet?
Am vergangenen Freitag brach die schwelende Krise um die IKB Deutsche Industriebank offen aus. Etwa ein halbes Dutzend deutscher und ausländischer Banken, die der IKB Geld zur Verfügung gestellt hatten, stellten ihre Kredite fällig. Damit drohte der IKB früher oder später die Zahlungsunfähigkeit.
Nur wenige Stunden später reagierte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die sich offenbar in Sorge nicht nur um die IKB, sondern um das deutsche Bankgewerbe befand. Ziemlich hektisch telefonierte die Bafin am frühen Freitagnachmittag die großen Banken ab, um sie nach ihren Risiken aus dem Geschäft mit amerikanischen Immobilienkrediten zu befragen. Das Ergebnis war, soweit bekannt, tröstlich. Außer der IKB scheinen keiner deutschen Bank ernsthafte Schwierigkeiten zu drohen. Um die IKB aber wurde es düster, da sie gegenüber dem „Rhineland Funding“ finanzielle Garantien in Milliardenhöhe gegeben hatte, deren Erfüllung sie mindestens an den Rand des Untergangs zu führen drohte. Die "Rhineland" wiederum hatte bei einem geringen Eigenkapital Kredite und Wertpapiere, deren Bonität wegen der amerikanischen Immobilienkrise fragwürdig wurde, für annähernd 13 Milliarden Euro überwiegend auf Kredit gekauft.
Große Bankenkrise drohte
Der Präsident der Bafin, Jochen Sanio, bezeichnete die Lage als so ernst, dass ohne eine Rettung der IKB die erste große Bankenkrise seit dem Jahre 1931 drohen würde. Denn ein Fall der IKB würde das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland und die hiesigen Banken gefährden und möglicherweise unkalkulierbare Folgen haben.
Und so fand sich am Wochenende eine Runde bedeutender Personen in einer Telefonkonferenz zusammen. Unter ihnen befanden sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Sanio als Chef der Bafin, Ingrid Matthäus-Maier, die Vorstandsvorsitzende der staatseigenen KfW Bankengruppe, Josef Ackermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Klaus-Peter Müller, Vorstandssprecher der Commerzbank und Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken in Personalunion, sowie Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis. Sie wurden sich schnell darüber klar, dass ein Zusammenbruch der IKB verhindert werden musste und dabei die KfW als Großaktionärin (sie hält 38 Prozent an der IKB) eine bedeutende Rolle spielen müsste.
Personelle Konsequenzen
Die KfW zierte sich denn auch nicht lange und gab für die IKB eine Garantiezusage über 8,1 Milliarden Euro gegenüber dem „Rhineland Funding“ und seinen Gläubigern ab. Gleichzeitig erklärten sich die privaten Banken und die Genossenschaftsbanken bereit, einen Teil dieser Zusagen zu übernehmen. Welche Verluste sich daraus für die KfW und die Banken ergeben werden, ist völlig unklar, weil inmitten der amerikanischen Immobilienkrise kaum zuverlässig eingeschätzt werden kann, wie sich der Wert der von „Rhineland“ gehaltenen Kredite und Wertpapiere entwickeln wird. Die Beteiligung der Banken an der Rettung der IKB besitzt aus Sicht der Bundesregierung einen weiteren Vorteil: Sie könnte Kritik der Europäischen Kommission entschärfen, die private IKB werde durch die Staatsbank KfW (und damit indirekt durch den deutschen Steuerzahler) gerettet. Dies könnte aus wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten problematisch sein.
Wohl kein Totalverlust für die Aktionäre
Natürlich hatte die Rettung der IKB auch personelle Konsequenzen. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Stefan Ortseifen musste am Wochenende gehen. Der Vorwurf gegen ihn lautet nicht nur, dass die IKB unter seiner Führung überdimensionierte Geschäfte in Amerika betrieben und damit die Bank an den Rand des Zusammenbruchs geführt habe. Es besteht zumindest der Verdacht, dass er den Aufsichtsrat nicht vollständig über die mit diesen Geschäften verbundenen Risiken aufgeklärt hat. Denn noch vor rund zwei Wochen hatte die IKB anlässlich der Vorstellung ihrer Quartalsergebnisse eine heile Welt gezeichnet.
Die Rettung der IKB bedeutet, dass ihre Aktionäre wohl keinen Totalverlust befürchten müssen. Dennoch warten schwere Belastungen aus ihren Geschäften auf die Bank. So ist es kein Wunder, dass sich ihr Aktienkurs im freien Fall befindet.
Aha !
Andreas M. Wirth (mightyson)
- 03.08.2007, 11:30 Uhr
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