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Krankenkasse : Die Barmer-GEK wird Risikokapitalgeber für Start-ups

Ab jetzt auch Risikokapitalgeber: Die Barmer GEK Bild: dpa

15 Millionen Euro aus Beitragsgeldern steckt die Barmer-GEK in einen Fonds für Start-ups. Ein Verlust der Gelder soll aber angeblich nicht möglich sein.

          Dass private Investoren Risikokapital in Fonds bündeln, um Firmenanteile zu kaufen oder Start-Ups zu finanzieren, gehört am Kapitalmarkt zum Tagesgeschäft. Genau so selbstverständlich ist, dass Beitragsgelder von gesetzlichen Krankenkassen, also Zwangsabgaben der Unternehmen und Beschäftigten, einem solchen Marktrisiko nicht ausgesetzt werden sollen. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Eine solche Ausnahme ist die Krankenkasse Barmer-GEK. Sie ist jetzt unter die Risikokapitalisten gegangen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der neue Fonds für Medizintechnologie ist in Nordrhein-Westfalen beheimatet und soll 100 bis 120 Millionen Euro Kapital einwerben. Der Fonds wird aufgelegt und verwaltet von dem 1997 gegründeten Berliner Venture-Capital-Spezialisten Earlybird.

          Seit 1997 sei man mehr als 100 Firmenbeteiligungen eingegangen. Aktuell verwaltet das Unternehmen 44 Beteiligungen, von denen zehn ihren Schwerpunkt in der Gesundheitstechnologie haben. In den nächsten Jahren solle sich der neue Fonds bei 12 bis 15 Unternehmen einkaufen, um sie „bei der weiteren Entwicklung zu unterstützen“, sagte Thom Rasche, Partner bei Earlybird. Das Schwergewicht liege auf Medizintechnik, Digital Health und Diagnostik.

          Medizinischen Fortschritt aktiv voratreiben

          Die Nutzung neuer IT-Technologien werde einer der größten Innovationstreiber im Gesundheitswesen, sagt Rasche. Von der Kooperation mit der Barmer-GEK verspreche er sich viel, könne man doch „gezielter die vielversprechendsten Unternehmen identifizieren, um diesen zur Marktreife zu verhelfen.“ Durch die Kooperation des Fonds mit der Kasse, werde diese früh an der Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen beteiligt, lobt auch das Wirtschaftsministerium.

          Das hofft auch Christoph Straub, der Vorstandsvorsitzende der Barmer-GEK. „Unser Ziel ist es, mit dieser Kooperation den medizinischen Fortschritt aktiv voranzutreiben und letztlich neue Versorgungsformen zu ermöglichen, von denen die Patienten profitieren.“ Seine Kasse wird in den Fonds- und Investoren-Gremien beratend vertreten sein.

          Die Barmer-GEK beteiligt sich mit 15 Millionen Euro an dem Fonds. Die anderen Zahler sind die staatliche NRW-Bank, die Versicherungsgruppe Generali, der Haushalts- und Medizingerätehersteller Miele und das Bundeswirtschaftsministerium. Es bringt einen Anteil des vom Bund verwalteten Sondervermögens des European Recovery Program, dem ERP-Sondervermögen, ein. Der kann bis zu einem Viertel des Fonds ausmachen.

          Beitragsgelder sollen nicht verloren gehen können

          Das ERP-Programm ist für Straub, der seine Kasse zuletzt einem harten Sanierungskurs unterworfen und Tausende Stellen abgebaut hat, wichtig. Denn er muss aufpassen, dass er keine Beitragsgelder seiner 6,7 Millionen Mitglieder in wackelige Start-Ups versenkt. Die Kassenaufsicht macht da strenge Vorgaben. Deshalb ist das Ausfallrisiko für das Investment in den Risikofonds auch gedeckelt, wie Beteiligte versichern.

          Hier kommt das ERP-Programm ins Spiel. Es wird die eine Hälfte des Kassen-Investments besichern, für die andere Hälfte tragen die Partner von Earlybird das Risiko eines etwaigen Verlusts. Sollte das Investment schiefgehen, wären die Beitragsgelder also nicht verloren, heißt es.

          Das ERP-Sondervermögen unterstütze die Kooperation gemeinsam mit den Partnern des Fonds mit einer Garantie, weil gesetzliche Bestimmungen Krankenkassen Investitionen in bestimmte risikoreiche Anlagen wie Wagniskapitalfonds nicht ohne weiteres erlaubten, bestätigt das Wirtschaftsministerium.

          Auch die Bundesregierung beteiligt

          Doch gibt es diese Versicherung nicht kostenfrei. Im Gegenzug wird die Rendite der Barmer-GEK auf ihren Anteil am Investment auf 2 Prozent beschränkt.

          Dass die Bundesregierung sich an dem Fonds beteiligt, kommt nicht von ungefähr. Sie will öffentlich-private Partnerschaften im Gesundheitsbereich fördern. So steht es auch im Koalitionsvertrag. Das Investment aus dem ERP solle dazu beitragen, Wagniskapitalinvestitionen für Pilotvorhaben in der Internetmedizin in Deutschland zu mobilisieren, erklärt das Ministerium.

          Der Fonds biete erstmalig den Rahmen für die Kooperation inländischer Kapitalgeber mit einer Krankenversicherung und Akteuren aus der Internetmedizin. Damit entstehe einer jener „regulatorischen Experimentierräume“ für neue Technologien und Geschäftsmodelle, wie sie in der „Digitalen Strategie 2025“ des Ministeriums genannt seien. Ziel sei es, „Innovationen in abgesicherten Räumen zu erproben“.

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