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Die 100 größten Unternehmen Richtige und vergleichbare Zahlen

01.07.2008 ·  Zum 50. Mal veröffentlicht die F.A.Z. die Rangliste „Die 100 größten Unternehmen“. Doch welche Zahl drückt eigentlich die Größe eines Unternehmens seriös aus? Die sinnvollste Kennzahl ist der Umsatz. Er gibt wieder, was der Markt bereit ist, für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens zu zahlen.

Von Georg Giersberg
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Zahlen lügen nicht, sagt der Volksmund. Dahinter steckt die in der Schulzeit verinnerlichte Ansicht, ein mathematisches Ergebnis sei eindeutig und könne nur richtig oder falsch sein. Sobald man aber die Mathematik auf reale Lebensbereiche anwendet, wird es komplizierter. Dann kommt es nicht nur auf die richtige Zahl an, sondern auch auf die richtige Interpretation. Man muss nicht das Statistikbonmot bemühen, wonach ein Mensch, der mit den Füßen im Feuer und mit dem Kopf im Kühlschrank liegt, im Durchschnitt eine gesunde Körpertemperatur habe. Das zeigt aber, dass man mit Zahlen vorsichtig umgehen muss und vorschnelle Schlüsse falsch sein können.

Das gilt auch für die Wirtschaft. Es hat sich eingebürgert, Unternehmen nach finanzwirtschaftlichen Kennziffern zu beurteilen. Selbstverständlich ist das nicht. Um ein Unternehmen wirklich beurteilen zu können, sollte man neben den finanzwirtschaftlichen Kennziffern auch die Entwicklungspipeline kennen, wissen, wie zufrieden die Kunden und wie motiviert die Mitarbeiter sind, Kenntnis der Marktentwicklung haben und der Wettbewerbssituation. Die Beschränkung auf rein finanzwirtschaftliche Kennziffern hat einen einfachen Grund: Niemand ist in der Lage, alle Informationen zu sammeln und auszuwerten; auch wer eine Aktie erwerben will, muss die Flut der Informationen reduzieren. Und die stärkste Reduktion der Information ist die auf eine Kennzahl. Diese erfüllt dann ihre Aufgabe, wenn die richtigen Ausgangsgrößen eingeflossen sind und die Endzahl eine sinnvolle Interpretation zulässt. Die besten Ausgangsgrößen sind solche, die wenig manipulierbar sind. Schon das ist schwieriger, als man meint.

Umsatz statt Grundkapital

Welche Zahl drückt die Größe eines Unternehmens seriös aus? Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Großunternehmen nach ihrem Grundkapital aufgelistet. Der Grund war ein ganz einfacher: Das war die einzige Zahl, die eine Aktiengesellschaft öffentlich bekanntzugeben hatte. Andere Zahlen standen kaum zur Verfügung. Sinnvoll ist die Zahl als Messlatte der Bedeutung eines Unternehmens kaum, weil mit gleichem Grundkapital unterschiedlich große Umsatzvolumina bewältigt werden können.

Als die Frankfurter Allgemeine Zeitung 1959 begann, eine eigene Liste der größten deutschen Unternehmen aufzustellen, verwarf sie die Idee, wieder auf das Grundkapital zurückzugreifen. Die sinnvollste Kennzahl für die Größe eines Unternehmens ist der Umsatz. Der Umsatz gibt wieder, was der Markt bereit ist, für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens zu zahlen. Und nur von dieser Wertschätzung durch die Kunden lässt sich die Bedeutung des Unternehmens für den Markt ableiten. Daher ist auch in der jüngsten Ausgabe der „100 größten Unternehmen“ (siehe dazu auch: Die hundert größten Unternehmen: Volkswagen ist der größte deutsche Konzern) immer noch der Umsatz das entscheidende Kriterium für die Unternehmensgröße und für die Rangfolge der Unternehmen.

Ausgerechnet die Banken verlangen Abkehr von tagesaktueller Marktbewertung

Dem Umsatz an die Seite getreten ist seit einigen Jahren die Börsenkapitalisierung. Hier taucht ein weiterer Grund für bestimmte Zahlen auf: Konvention. Vor allem in den Zeiten des Börsenbooms zu Beginn des Jahrtausends hat es sich eingebürgert, Unternehmen nach ihrem Börsenwert zu beurteilen. Anleger verlangten von der Rechnungslegung Informationen zur Abschätzung des kurzfristigen Kurspotentials. Die klassische Rechnungslegung konnte diese nicht bieten. Sie war auf die langfristige Stabilität des Unternehmens ausgerichtet.

In der Folge wurden die Stillen Reserven abgeschafft. Wie begrenzt die Aussagefähigkeit der neuen, angeblich transparenteren Rechnungslegung unter dem Kürzel IFRS war, zeigt die immer noch schwelende Finanzkrise. Nun verlangen ausgerechnet die Banken eine Abkehr von der gerade eingeführten tagesaktuellen Marktbewertung (Mark-to-Market), denen in Zeiten steigender Aktienkurse die Bewertung kaum hoch genug sein konnte.

Vorsicht bei der Verwendung finanzwirtschaftlicher Kennzahlen

Das macht deutlich, wie vorsichtig finanzwirtschaftliche Kennzahlen zu verwenden sind. Auch hier gilt, dass das Neue seine Vorteile erst beweisen muss. Während sich bis heute keine bessere Kennzahl für die Unternehmensgröße als der Umsatz herauskristallisiert hat, ist die Diskussion über die den Unternehmenserfolg ausdrückende Kennzahl noch offen. Der Jahresüberschuss war unter traditioneller Rechnungslegung eine solide Größe, die bei allen Tücken insgesamt ein verlässliches Bild für den Unternehmenserfolg abgab. Seine Abhängigkeit von Bewertungsfragen ist in der neuen Rechnungslegung so groß, dass selbst deren Befürworter an der Aussagefähigkeit des Jahresüberschusses zweifeln.

Experten sehen daher die Kassenzu- oder Kassenabflussgrößen (Cashflow) als zuverlässigeren Wert. Da aber auch diese Größe nicht manipulationsfrei ist, bleibt die F.A.Z. bei der seit 50 Jahren erfolgreich veröffentlichten Zahl des Jahresüberschusses. Beide Zahlen, der Umsatz wie der Jahresüberschuss, geben den Lesern damals wie heute eine gute Orientierung, wo sich welches Unternehmen befindet, wie es sich im Vergleich zu den Wettbewerbern entwickelt und wie es international einzuordnen ist.

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