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„Dicke Bertha“ : Nur bedingt durchschlagskräftig

Dicke Bertha mit Mannschaft an der Westfront im Ersten Weltkrieg Bild: INTERFOTO

In der Euro-Schuldenkrise machen grimmige Kriegsmetaphern die Runde: Erst „Feuerkraft“ und „Bazooka“, jetzt die „Dicke Bertha“. Ein kurzer historischer Rückblick.

          Mit grimmigen Kriegsmetaphern versuchen manche Akteure in der Euro-Schuldenkrise, ihren Rettungsinstrumenten rhetorisch Durchschlagskraft zu verleihen. Ein nie gekanntes Kaliber hatte in der Tat die „Dicke Bertha“, die EZB-Chef Mario Draghi nun zur Namenspatronin für das Programm der Geldschwemme erkoren hat. Sie war ein schwerer Mörser aus der Schmiede der Firma Krupp. Im ersten Weltkrieg wurde sie zum Beschuss von belgischen und französischen Festungen eingesetzt.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Für den Namen, unter dem die Waffe populär wurde, stand angeblich die Frau des Firmengründers, Berta Krupp, unfreiwillig Patin. Dabei entsprach der militärische Wert der „Dicken Bertha“ nicht ihrer Bekanntheit und dem Prestige, das ihr Generale und Politiker beimaßen. Denn die Granaten vom Kaliber 42 Zentimeter durchschlugen zwar altmodische Bunkerdecken und machten Aufbauten dem Erdboden gleich, scheiterten aber an modernem Stahlbeton, wie er in der Festung Verdun verbaut war. Zugleich war das Geschütz durch sein Gewicht (42 Tonnen, in der Schienenversion 150 Tonnen) schwerfällig und durch seine Kosten ruinös: Jedes Geschütz kostete eine Million Mark und war für nur 2000 Schuss ausgelegt.

          Die „Bazooka“ dagegen, noch so eine martialische Euro-Metapher, ist noch heute in allen Streitkräften in Gebrauch. Sie ist eine leichte, auf der Schulter abzufeuernde Panzerfaust ohne Rückstoß. Allerdings ist sie nicht nur nach vorne gefährlich, man sollte auch nicht dahinterstehen, wenn sie abgefeuert wird. Sonst drohen schwere Verbrennungen im Raketenstrahl.

          löw.

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