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Gabriel stellt Professorenbuch vor : „Das bisschen Parteipolitik“

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„Liest sich gut“: Gabriel über das Buch „Deutschlandillusion“ Bild: dpa

Das Buch „Deutschlandillusion“ von Marcel Fratzscher steht bei Sigmar Gabriel zur Zeit hoch im Kurs. Der Parteichef empfiehlt das Werk vor allem der AfD als Pflichtlektüre.

          Eigentlich mag Sigmar Gabriel Professoren nicht besonders. Meist spricht er mit Süffisanz von jenen, die ihr Leben in Universitäten und Instituten verbringen und dort Gutachten und Studien verfassen. Am Freitag allerdings tat er einem Professor einen Gefallen – allerdings einem, der offenbar so etwas wie sein Lieblingsökonom geworden ist.

          Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat ein Buch geschrieben, in dem er schon im Titel vor der „Deutschlandillusion“ warnt – also davor, alles großartig zu finden, was hierzulande geschieht und Probleme wie die bröckelnde Infrastruktur, die Wachstumsschwäche oder die Unterbeschäftigung auszublenden. Und SPD-Chef Sigmar Gabriel, stellte dieses Buch am Freitag in Berlin vor.

          Eine schlaflose Nacht habe es ihm beschert, sagte er. Allerdings nicht wegen seines Inhalt, sondern weil er es noch rechtzeitig fertig lesen musste. „Liest sich gut“, sagte Gabriel. Er hoffe, dass der Wissenschaftler Fratzscher sich dadurch nicht herabgewürdigt fühle, „aber es muss ja nicht sein, dass niemand außer Ihnen und ihren Mitarbeitern das Buch versteht“.

          Im Gegenteil, Gabriel ist so angetan von den Vorschlägen und Analysen des Ökonomen, dass er dringend zur Weiterverbreitung rät – vor allem in den von ihm weniger geschätzten Professorenkreisen: „Ich möchte das an Ihre professoralen Kollegen in der AfD weiterleiten“, sagte er mit Verweis darauf, dass Fratzscher in dem Buch die Meinung vertritt, die Eurorettung habe Deutschlands Interessen nicht geschadet, sondern genützt. Zur Pflichtlektüre müsse das Buch in der AfD werden, verlangte Gabriel.

          „Ich bin mir aber nicht sicher, dass Lesen da hilft. Professor heißt ja nicht, dass man klug ist.“ Im übrigen sei das Programm der AfD ein Arbeitsplatzvernichtungsprogramm, „das bisschen Parteipolitik müssen Sie ertragen, wenn Sie mich einladen“. Fratzscher, der gute Professor, hatte keine Einwände. Auch nicht, als Gabriel darüber plauderte, dass er ihm ja „einen Job bei uns im Wirtschaftsministerium“ verschafft habe.

          In der Tat soll Fratzscher Gabriels neuen Investitionsbeirat leiten und ausloten, wie der deutsche Investitionsstau aufgelöst werden kann – und wie man die Wirtschaft dazu bringt, das zu bezahlen. In dem Beirat, stichelte Gabriel, könne Fratzscher dann ja umsetzen, was er in seinem Buch gefordert hat. So etwas gefällt Gabriel, der sich gerne als handfester Macher gibt, unprätentiös und geerdet: Andere zu Taten statt Worten auffordern und ihnen schon mal androhen, sie am Ende genau daran zu messen.

          Dass sein Beirat jedoch selbst eine Schwatzbude sein könnte, bloß gegründet, um beim Reizthema Investitionen Aktivität vorzutäuschen, aber nichts tun zu müssen, wischt Gabriel mit der Lässigkeit des Politprofis vom Tisch: „Ja, aber so etwas würde man doch am Ende der Legislaturperiode machen, nicht am Anfang. Die hier“, und damit meinte er seinen Lieblingsprofessor und dessen Kommissionskollegen, „werden ja vorher fertig.“

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