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Protektionistische Politik : Rückkehr der Zollkrieger

Protektionistische Politik: Otto von Bismarck führte 1878/1879 Schutzzölle ein. Bild: dpa

Mit Schutzzöllen kennt sich Deutschland seit Bismarcks Wende gut aus. Protektionistische Politik kann aber leicht eskalieren. Am Ende gibt es dann viele Verlierer.

          Das Wort Handelskrieg geht allen Beteiligten erstaunlich leicht von den Lippen. Amerikas Präsident Donald Trump glaubt, ein Handelskrieg sei „leicht zu gewinnen“: Nachdem er per Dekret höhere Zölle auf Stahl und Aluminium beschlossen hat, plant die EU Vergeltungsmaßnahmen. Brüssel will nun bestimmte Güter ebenfalls mit Zöllen belegen, etwa Orangensaft und Mais, Jeans, Motorräder, Erdnussbutter und Whiskey.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Für sich genommen ist das noch kein Handelskrieg. Es sind bislang eher symbolische Akte. Die Stahlbranche spielt in Amerika schon lange keine große Rolle mehr. Nur noch wenige hunderttausend Arbeiter sind in Stahlfabriken tätig, das liegt im Promillebereich der Gesamtzahl amerikanischer Erwerbstätiger. Der einstige „Steel Belt“, die Reviere der Schwerindustrie im Norden, trägt heute den traurigen Namen „Rust Belt“. Doch gerade im Rostgürtel, in Michigan und Ohio, sind Trump die Wähler zugelaufen, die ihre Jobs von der Globalisierung bedroht sehen. Ihnen hat er versprochen, mit Zöllen auf angeblich unfaire Konkurrenz aus China und anderswo zu reagieren.

          Wendepunkt der Globalisierung

          Mit Trump im Weißen Haus deutet sich ein Wendepunkt der Globalisierung an. Seit dem Ende des Kalten Kriegs schien die Welt nur eine Richtung zu kennen: mehr Öffnung, mehr Handel, mehr Verflechtung. Nun aber gibt es Gegenbewegungen. Trump hat seinen Wählern eine Mauer gegen illegale Immigranten aus dem Süden versprochen. Den Freihandel sieht er mit Misstrauen und beklagt die „Handelsdefizite“ – dass Amerika mehr importiert, als es im Ausland verkauft.

          Seine Vorstellung ähnelt der Idee vom „Nullsummenspiel“ der Merkantilisten im 17. und frühen 18. Jahrhundert. Nullsummenspiel heißt: Was das eine Land im Handel gewinnt, verliert das andere. Jean-Baptiste Colbert, der Finanzminister des französischen Sonnenkönigs, wollte die Importe drosseln und die Exportindustrien päppeln und fördern.

          Eigentlich hatte man diese irrige Vorstellung vom Handel als Nullsummenspiel längst überwunden geglaubt. Ökonomen sehen im freien Handel einen entscheidenden Wohlstandsmotor der Welt, weil er eine vertiefte Arbeitsteilung und Produktivitätsgewinne ermöglicht. Adam Smith, der Urvater der Ökonomen, hat diese wohlstandssteigernde Funktion des Freihandels betont. Er war in gewisser Hinsicht der erste Prophet der Globalisierung, weil er die Integration der Märkte und den Freihandel als Weg zum „Wohlstand der Nationen“ predigte.

          Die Anfänge des Freihandels

          Manche sehen die Globalisierung nun aber akut gefährdet. Sie erinnern an den ersten Anlauf der Welt zu einer Globalisierung im 19. Jahrhundert, die scheiterte. Damals hatte es – parallel zur Industrialisierung – einen gewaltigen Aufschwung des Welthandels gegeben. Beflügelt wurde der Warenaustausch durch eine Reihe von Freihandelsabkommen. Das wichtigste war der Cobden-Chevalier-Vertrag 1860, ein Handelspakt zwischen Großbritannien und Frankreich, dem eine Welle von Freihandelsabkommen in Europa folgte. Die Briten waren, unter dem Einfluss der Bewegung des „Manchester-Liberalen“ Richard Cobden, die Vorreiter des Freihandels und sollten es lange bleiben. Auch Preußen stieg auf den freihändlerischen Zug auf.

          Nach der Reichsgründung 1871 erlebte die deutsche Wirtschaft zunächst einen kurzen Boom, angefacht auch durch niedrige Zinsen, das Gold der französischen Reparationszahlungen und neue Aktienbanken. Das billige Geld trieb eine Börsenblase an, 1873 platzte sie. Auf den „Gründerboom“ folgte der „Gründerkrach“. Überkapazitäten drückten die Industrie, die Preise für Eisen und Stahl verfielen. Zudem fiel die ostelbische Landwirtschaft in eine Krise. Billiges Getreide aus Amerika und Russland drückte auf den Markt, die Junker verdienten kaum noch mit ihrem Weizen und Roggen, viele waren verschuldet. Schlagartig wechselten sie ihre Position: vom Freihandel zum Protektionismus.

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